Ausstellung in Künstlerstätte Heiligenrode Kunst auf vielen Ebenen

Kunststipendiatin Maria Visser eröffnet an diesem Wochenende ihre Ausstellung "Future in Store" in der Künstlerstätte Heiligenrode. Wegen der Pandemie musste sie ihre ursprüngliche Idee verwerfen.
10.09.2021, 14:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Stuhr-Heiligenrode. Als sich Maria Visser für das Stipendium in der Künstlerstätte Heiligenrode beworben hat, schwebte ihr eigentlich etwas ganz anderes vor als das, was sie nun zur Ausstellungseröffnung an diesem Sonnabend, 11. September, präsentieren wird. Doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung.

Was nun in den Monaten ihrer Zeit an der Wassermühle entstanden ist, beschreibt Andrea Mehlhop, im Stuhrer Rathaus zuständig für Kultur, als mindestens genauso beeindruckend: "Es ist viel entstanden." Visser habe richtig handwerklich gearbeitet und viele Ideen umgesetzt.

Als Vorteil habe sich dabei erwiesen, zehn Monate in Heiligenrode wirken und arbeiten zu können, sagt auch die Künstlerin selbst. "Ich reagiere auf den Ort", umreißt sie. Die Räume zu kennen und die eigenen Werke darauf auszurichten, habe ihr für das Alternativprogramm mit dem Titel "Future in Store" geholfen.

Ursprünglich wollte Visser mit Models eine Performance ihrer selbst designten Mode präsentieren. Doch bereits zu Beginn ihres Stipendiums hatte sich abgezeichnet, dass angesichts drohender Kontaktbeschränkungen und Corona-Auflagen eine solche Vorstellung nur schwer in der Künstlerstätte umsetzbar sein dürfte.

Dennoch konnte die 56. Stipendiatin in Heiligenrode ihr vielfaches Talent ausleben. Im Vordergrund steht das visuelle Arbeiten, das sich bei Visser auf verschiedenste Art ausdrückt: ob Kleidung, ein Magazin, Architektur oder Mobiliar. Für ihre Ausstellung hat sie zwei Kollektionen entworfen. "Die Kleidung ist tragbar, aber nicht alltagstauglich", merkt sie an. Ziel sei, ein Bild zu schaffen und inhaltliche Zusammenhänge aufzuzeigen.

Ihre verschiedenen Formate eint, dass sie sich aufeinander beziehen. An der Wand etwa hängen Zeichnungen eines Gebäudes; das dazugehörige Modell stellt Visser derzeit in Herford aus. Diese Skizzen wiederum dienen als Muster für eine der beiden Kollektionen aus Regenmänteln – und die sollten die Performerinnen eigentlich bei der Ausstellung präsentieren.

Weil das nicht möglich ist, hat Visser umgeplant und sich für ein Videoprojekt entschieden. Das Ergebnis ist nun in der Wassermühle zu sehen. Die Models präsentieren die Kollektionen nun vor laufender Kamera. Als Kulisse dienen allerdings nicht die Ausstellungsräume, sondern ein von Visser entworfenes Objekt. Das existiert nur in Miniaturform und zeigt maßstabsgetreu eine Sammlung ihrer bisherigen Werke. "Sonst sind die Arbeiten im Lager und nicht mehr da", beschreibt sie die Idee dahinter. Weil ihre Arbeiten jedoch häufig aufeinander aufbauen, könne sie das mit diesem kleinen Archiv dokumentieren. Wie Waben lasse sich das Haus immer weiter ergänzen. "Ich könnte meine Arbeiten immer weiter auftürmen lassen", beschreibt die Künstlerin selbst.

Mit digitaler Technik sieht es in dem Video nun so aus, als würden die Performerinnen durch eben jene Räume streifen und die Mode präsentieren. Einige der Accessoires liegen auch in der Ausstellung aus. Abgerundet wird diese durch die dritte Ausgabe des "Chic"-Magazins, das Visser in Anlehnung an die großen Modemagazine entwirft und herausgibt. Mehrere Gastautoren kommen zu Wort und statt kommerzieller Werbung gibt sie den Werken von rund 50 anderen Künstlern Platz, um auf ihre Arbeiten aufmerksam zu machen. "Da ist viel mehr abgebildet als reine Bildstrecken", merkt Visser an. Mit den Performances hätte sie diese gerne aus dem Magazin in den Raum geholt. Doch daraus wurde nichts. Mit dem Gesamtwerk zeigt sich die Künstlerin dennoch zufrieden: "Ich hatte viele Impulse, die konnten jetzt zusammenfinden."

Das Magazin trägt den Ausstellungstitel und ist gleichzeitig als dessen Katalog gedacht. All diese Elemente miteinander in Verbindung zu setzen, dient Visser auch als Veranschaulichung des Spannungsfeldes zwischen Kleidung als zweiter und Architektur als dritter Haut. Die Motive und Textilien greifen dabei auch den Titel "Future in Store" auf, den Visser als Widerspruch begreift. Denn "Store" impliziere eine Schablone von Zukunft; etwas Generiertes. Das knüpfe an Theorien an, dass Zukunft aus der Vergangenheit entstehe und nicht offen sei.

Info

Die Ausstellung in der Künstlerstätte Heiligenrode, An der Wassermühle 5, hat zwischen dem 11. September und 3. Oktober immer freitags und sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Individuelle Termine sind möglich. Aufgrund des Infektionsschutzes wird es keine Eröffnungsfeier geben. Zur Eröffnung ist die Künstlerin selbst anwesend. Einlass wird nach den 3G-Regeln gewährt, zudem gelten Mindestabstand und Maskenpflicht.

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