Basketball

Brinkums junger Leitwolf

Nikolas Hellmuth ist mit 25 Jahren der älteste Spieler in der ersten Basketballmannschaft des FTSV Jahn Brinkum.
11.08.2020, 15:04
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup
Brinkums junger Leitwolf

Brinkums Überflieger: Sprungkraft, Explosivität und Dynamik sind die Stärken von Nikolas Hellmuth. Der Mittzwanziger ist in der neuen Serie der älteste Spieler im Kader.

Thorin Mentrup

Brinkum. Am kommenden Wochenende feiert Nikolas Hellmuth seinen 26. Geburtstag. Sportlich gesehen ist er also im besten Alter, auch für einen Basketballer. In einigen Teams in Bremen und umzu wäre er sogar einer der jüngeren Akteure. In der ersten Herrenmannschaft des FTSV Jahn Brinkum sieht das jedoch ganz anders aus: In der Truppe von Trainer Lothar Weyd ist er als Mittzwanziger der älteste Spieler – und erwartet von sich in der kommenden Saison eine Menge.

25 und damit der Senior – es ist eine ganz besondere Konstellation bei Brinkums Basketballer. In der zweiten Mannschaft sind wesentlich mehr erfahrenere Akteure, Basketball-Recken, die sich auch höherklassig bereits bewiesen haben. Hellmuth dagegen ist Teil eines Teams mit vielen Entwicklungsmöglichkeiten. „Wir haben eine wirklich spannende Mannschaft“, findet er. „Wenn ich die Jungs im Training und im Spiel sehe, wie sie die gesamte Zeit über Druck machen, Gas geben, jeden Ball haben wollen – das macht schon sehr viel Spaß“, hat Hellmuth längst Gefallen an den Talenten gefunden, die Coach Weyd in den vergangenen Jahren vom Jugend- in den Herrenbereich geführt hat. Der FTSV drückt gewaltig aufs Tempo. Besonders die Defensivarbeit imponiert Hellmuth: Seine Mitspieler beackerten ihre Gegenspieler regelrecht, findet er. In der Bezirksliga, in der die Brinkumer in der vergangenen Serie auf Korbjagd gingen und die ab sofort Regionsliga heißt, stand dieses Tempo wahrlich nicht bei allen Mannschaften an der Tagesordnung.

Ein bisschen erinnerten ihn die Jungspunde um ihn herum an die Power, die er gehabt habe, als er noch jünger gewesen sei, sagt Hellmuth – und muss direkt grinsen. Denn eigentlich fühlt er sich gar nicht als eine Art Vater der Kompanie. „Ich bin ja selbst noch nicht auf meinem Toplevel. Ich kann noch einiges lernen und will mich weiterentwickeln“, unterstreicht er. Es ist eher die Rolle des großen Bruders, die er bei den Brinkumern einnimmt: Er ist keine übergeordnete Instanz, sondern schlicht und ergreifend ein bisschen erfahrener als seine Mitspieler, die Anfang 20 oder sogar noch jünger sind. Doch das Jugendliche hat sich auch Hellmuth bewahrt, genauso wie die Spielfreude: Ob er ein paar Dunks auf dem Court bei der KGS in Brinkum zeigen kann? „Sehr gerne“, sagt er lachend, nimmt Anlauf, springt kraftvoll ab und versenkt direkt den ersten Versuch. Natürlich hat er Spaß daran.

Hellmuth sieht sich selbst noch nicht am Ende seines Basketball-Weges. Dieser Weg hat außerhalb Brinkums begonnen – aber nicht allzu weit entfernt: Hellmuth wuchs in Kattenesch auf, hat sich mittlerweile eine Bleibe in Arsten gesucht. Mit 1,96 Metern bringt er Basketball-Gardemaß mit. Seine erste Sportart spielte er jedoch nicht beim Fünf-gegen-Fünf, sondern beim Sieben-gegen-Sieben. Handball ist der Sport seiner Familie, sein Vater spielte ihn, seine Schwester auch. Und so auch der junge Nikolas Hellmuth, der als Jugendlicher den Basketball für sich entdeckte und über Arsten und Bremen 1860 vor einigen Jahren in Brinkum landete. Von der handballerischen Ausbildung profitiert er noch immer: Viel Gefühl in den Händen und Armen, Sprungkraft und Explosivität sind auch auf dem Basketball-Court wichtige Komponenten. Besonders wenn er auf der von ihm favorisierten Position auf dem Flügel zum Einsatz kommt. „Dann kann ich meine Dynamik am besten ausspielen“, weiß er. Wenn Weyd als Center auf ihn setzt, weil im Kader große, kräftige Akteure fehlen, fügt er sich klaglos in diese Rolle. „Ich spiele da, wo ich gebraucht werde“, liegt es Hellmuth fern, als Ältester eine Sonderrolle einzufordern.

Er will in der jungen Truppe vor allem Vorbild sein, „mit Leistung vorangehen, die Anweisungen des Trainers weitergeben, auch mal Ruhe ins Spiel bringen“. All das also, was in der Regel eine gewisse Portion an Erfahrung voraussetzt. Der Mangel an eben dieser hat die Brinkumer den einen oder anderen Sieg gekostet. Jetzt ist die Mannschaft nach den Abgängen von Patrick Weber und Patrick Bielski in die zweite Garde im Schnitt noch ein bisschen jünger. Das große Aber: Die Talente haben ein zusätzliches Jahr auf dem Buckel. Sie sind gereift.

Auch Hellmuth bescheinigt ihnen eine gute Entwicklung: „In jedem Training verbessern sie sich. Sie haben einfach Bock auf Basketball. In der letzten Saison haben einige zwei Spiele hintereinander gemacht, erst in der Jugend, dann bei uns. Wir haben eine gute Perspektive, denn es gibt nicht viele Mannschaften, die so viele junge Spieler auf dem Platz haben wie wir.“ Auch mit Weyd passe es: „Lothar ist jemand, der ein Ziel verfolgt. Es ist schön, einen Trainer zu haben, der etwas erreichen will.“ Das deckt sich mit Hellmuths Ambitionen: „Ich will nicht nur daddeln“, sagt er. Wenn er spielt, dann richtig.

Wie wichtig er für das Team ist, hat Hellmuth in der vergangenen Serie gezeigt. Er war mit 200 Punkten in 17 Spielen Topscorer des FTSV. Dabei trainierte der Großhandelskaufmann wegen einer Weiterbildung quasi gar nicht. Im September stehen nun die Prüfungen an, danach kann sich Hellmuth wieder stärker auf Basketball konzentrieren. „Dann habe ich hoffentlich noch ein genauso gutes Händchen wie in der letzten Saison“, will er erneut fleißig punkten. Denn auch so kann er seiner Mannschaft Sicherheit geben, wenn es mal eng wird. Wie sich die Brinkumer in der Regionsliga schlagen werden, das vermag Hellmuth kaum einzuschätzen. „Das ist ganz schwer zu sagen. Vieles kann sich bis zum Start ja auch noch ändern, wenn sich zum Beispiel Mannschaften abmelden.“ Diese Gefahr besteht in Brinkum nicht. Im Gegenteil. Im besten Fall steht das Team noch sehr lange gemeinsam auf dem Platz. Die besten Jahre, sie kommen noch. Auch für Leitwolf Hellmuth.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+