Theis-Gustavus stellt in Brinkum aus

Begehbare Wunder in Bildern

Acrylbilder, Aquarelle und Collagen sowie Zeichnungen – etwa 30 an der Zahl zeigt der Fahrenhorster Ya′ Beppo Theis-Gustavus ab Sonntag, 10. November, im Mehr-Generationen-Haus in Brinkum.
05.11.2019, 18:00
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Von Maike Plaggenborg
Begehbare Wunder in Bildern

Die Kunst von Ya′ Beppo Theis-Gustavus ist stark von seinen Reisen in afrikanische Länder geprägt.

Braunschädel

Stuhr-Brinkum. Wenn Ya′ Beppo Theis-Gustavus von einem begehbaren Wunder spricht, dann meint er Venedig. Und wie er diesen Eindruck in Bilder übersetzt, ist in seiner Ausstellung im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) ab Sonntag, 10. November, zu sehen. Dabei geht es aber keineswegs nur um die italienische Kanalstadt.

Im Flur, in der Backstube, im Essensraum: Die rund 30 Werke des Künstlers aus Fahrenhorst zieren das Innenleben des MGH. Und sie sind auch eine Innenansicht des Malers. „Ich hatte schon als Kind ein Auge dafür“, sagt er. Fürs Malen nämlich. Keinen Sinn dagegen habe er seinerzeit für Latein und Griechisch gehabt. Aber eine Eidechse oder einen Salamander bildlich aufs Papier zu bringen – das war sein Ding. Dennoch nahm das Leben des im Westerwald zwischen Nonnen und Mönchen aufgewachsenen Mannes zunächst einen nicht allzu künstlerischen Verlauf. Noch als Junge sollte er auf Anraten seines Lehrers eine Kunstschule besuchen, den Eltern aber fehlte das Geld, berichtet Theis-Gustavus. Er wurde ersteinmal Eisenbahner, später schwer krank und das brachte schließlich die Wende in sein Leben. Familie, Kinder, Beruf – der heute 73-Jährige ließ damals ein normales Leben hinter sich. Nach der Diagnose Lymphdrüsenkrebs, Operationen und einer Chemotherapie hat er es überstanden. Damals, im Jahr 1987, hat er seinem Leben einen Neustart gegeben, das Malen aber schon während der Krankheit begonnen. „Ich war süchtig, mich auszudrücken und abzulenken und den Krebs zu besiegen“, schreibt er in seinem selbstverfassten Lebenslauf.

Im selben Jahr saß er auf einer Bank und sang, eine Frau setzte sich zu ihm und sang leise mit. Bis heute ist sie seine Ehefrau. Und eben wegen Gisela Gustavus stellt Theis-Gustavus überhaupt im MGH aus, denn sie hat den kleinen Ableger der Begegnungsstätte in Fahrenhorst gegründet – daher die Verbindung. Der Startschuss für die Ausstellung fällt nun also am Sonntag und bei der Präsentation der gemalten Kunst wird es nicht bleiben. Denn Theis-Gustavus hat sich neben der Malerei auch der Musik verschrieben, genauer dem Singen. Und das soll auch Teil der Vernissage sein, wie MGH-Leiterin Daniela Gräf sagt. Wer dorthin kommt, bekommt einen Text und dann soll gemeinsam gesungen werden.

Workshops rund ums Singen, unter anderem auch mit meditativem Anstrich, gibt Theis-Gustavus regelmäßig. Dazu gehören Lieder aus afrikanischen Ländern. Über die Gospelmusik kam der Fahrenhorster nach Nigeria, Ghana, Südafrika und in den Kongo, wo er einst seinen Namen Ya’ Beppo – das bedeutet so viel wie „großer Bruder“ – bekommen hat. Weitere Kurse drehen sich um Popmusik und Oldies. Das Singen „hat er so entdeckt“, sagt er und damit könne man auch Kinder locken. Beides verbindet er in der Kunst, denn Malen bedeutet für ihn auch Töne, wie er sagt. Und so hört er Musik auch beim Malen. Je nachdem, was währenddessen läuft, fällt das Ergebnis aus. Ob Blues oder Bach – beides bringt Unterschiedliches hervor.

„Abstrakt ist mein Thema“, sagt er über die Werke seiner Ausstellung. Und „abstrakt zu malen ist Therapie“, denn „wenn ich mich nicht fühle, gehe ich an den Maltisch“. Dann ist er von morgens bis abends am Malen. Zu den gezeigten Werken, darunter auch der Akt eines Eis, gehören Zeichnungen, Aquarelle, Acrylbilder und Collagen, in die er beispielsweise auch Teile seiner afrikanischen Hemden eingearbeitet hat.

Die Vernissage von Ya′ Beppo Theis-Gustavus ist am Sonntag, 10. November, um 15 Uhr im MGH in Brinkum, Bremer Straße 9. Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar zu den Öffnungszeiten des MGH zu sehen. Diese sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.

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