Begehung im Klosterwald

Buchen in Heiligenrode müssen gefällt werden

In Heiligenrode häufen sich kranke Bäume, die zu einer Gefahr für Menschen werden können. Insbesondere aufgrund der Verkehrssicherheitspflicht müssen im Klosterwald 15 daher betroffene Buchen gefällt werden.
25.04.2021, 14:52
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ina Ulbricht
Buchen in Heiligenrode müssen gefällt werden

Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier (vorne) erläutert die Hintergründe zu den geplanten Baupflegearbeiten in Heiligenrode.

Michael Galian

Stuhr-Heiligenrode. Karge Äste, lichte Kronen, fehlende Rinde – einige Buchen im Klosterwald in Heiligenrode konnten sich von der Dürre im Jahr 2018 nicht erholen. Besonders viele kranke Bäume sind im Bereich zwischen der Heiligenroder Straße und dem Kindergarten zu finden. Damit sie nicht zur Gefahr für Menschen werden, müssen betroffene Bäume, die in der Nähe der Straße stehen, zeitnah gefällt werden. Wo das Problem im Detail liegt und wie damit umgegangen werden soll, erklärte Heinz-Dieter Tegtmeier, zuständiger Revierförster der Revierförsterei Syke, am Wochenende rund 20 Teilnehmern bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde vor Ort.

„Es geht vor allem um die Verkehrssicherungspflicht“, sagte Tegtmeier eingangs. „Bei einigen alten Buchen sehen wir deutliche Vitalitätsverluste.“ Für ebensolche Problembäume gebe es klare Regelungen, so der Revierförster weiter. „Da muss man reagieren, sonst macht man sich strafbar.“ Bislang habe es zwar noch keinen Personenschaden gegeben, aber vor einigen Monaten sei während eines Sturms ein Baum auf ein Haus gefallen und vor zwei Jahren eine Esche auf ein fahrendes Auto gestürzt. Ein Jahr zuvor ist laut Tegtmeier auf der Höhe der Bushaltestelle ein Baum auf die Straße gefallen.

Man wollte die Bürger informieren, weil es viele Nachfragen zum Thema gegeben habe, so Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte zu der Begehung. „Der Zustand der Bäume verschlechtert sich immens“, sagte er. „Deswegen müssen wir als Gemeinde stärker aktiv werden. Wir brauchen eine neue Strategie.“ So kämen Buchen zwar häufig vor, seien aber auch anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels, Trockenheit und neuartige Krankheiten.

Untersuchungen hätten ergeben, dass der Boden ab etwa 30 Zentimeter Tiefe trocken sei, berichtete Heinz-Dieter Tegtmeier. Vor allem Buchen leiden unter diesem Mangel: „Sie werfen vorzeitig die Blätter ab, haben verkümmerte Blätter, die Kronen reduzieren sich und trocknen von oben aus.“ Das liege daran, dass nicht mehr genügend Wasser in die Krone gelange. „Wenn dann noch ein Pilz dazu kommt, geht die statische Festigkeit verloren und die Krone bricht heraus“, erläuterte der Revierförster. Ein weiterer Grund für das schnelle Voranschreiten der Schäden sei das fehlende Kernholz bei Buchen: „Eichen verfügen über Kernholz, deswegen haben diese Baumarten einen langsameren Alterungsprozess. Ihre Überlebensstrategie ist ihre Langlebigkeit.“

Bereits im Jahr 2019 habe man einige betroffene Bäume entdeckt und auch gefällt, so der Experte weiter. Nun gebe es neue Fälle. „Deswegen haben wir bei der Gemeinde Bescheid gesagt.“ Allerdings sei derzeit Brut- und Setzzeit. „Das ist ein sensibles Thema“, räumte Tegtmeier ein. „Aber bei Buchen darf man das nicht auf die lange Bank schieben.“

Erkrankte Bäume, die nicht in entsprechenden Gefahrenbereichen stehen, könne man allerdings stehen lassen. Buchen brechen meist auf der Hälfte ab, sodass der Stamm stehen bleibt. In den Höhlen, die Spechte in das Totholz picken, leben auch Hohltauben, Dohlen, Wildbienen und Fledermäuse. Das alte Holz könne wirtschaftlich nicht mehr genutzt werden, so Tegtmeier. „Die Krone würde einfach zerbröseln. Der ökologische Wert ist höher.“ Bei Bäumen im Nahbereich der Straße sei das Risiko jedoch zu hoch, gab der Revierförster zu bedenken. Und lediglich die Krone abzutragen sei zu aufwendig. „Wenn sich die Rinde ablöst, sind die Bäume nicht mehr verkehrssicher“, erläuterte er und verwies auf die Nähe zum Kindergarten.

Ob man vorsorglich etwas gegen den Schaden unternehmen könne, wollte einer der Teilnehmer wissen. „So gut wie gar nicht“, antwortete Tegtmeier. „Die einzige Lösung wäre, die Bäume nicht so alt werden zu lassen.“ Denn je älter, desto anfälliger, so der Experte. „Die Nutzung der jüngeren Bäume führt ja nicht dazu, dass der Wald weg ist“, betonte er. „Er verändert sich lediglich – auch große Buchen haben mal klein angefangen.“ Zudem hätten kleinere Bäume eine bessere Chance zu gedeihen, wenn größere entnommen würden.

Alternativ könne die Eiche als Gewinnerin des Klimawandels gefördert werden, sagte Tegtmeier. „Alte Eichen sollen irgendwann das Alleinstellungsmerkmal des Klosterwaldes sein“, fügte er hinzu. Das ginge aber nur, wenn man sich traue, Buchen herauszunehmen. „Es tut mir auch in der Seele weh, wenn ein Baum gefällt wird, obwohl Tiere darin nisten“, räumte der Revierförster in Hinblick auf die zeitnahe Entscheidung ein. „Aber ich kann die Gefahr, die von diesen Bäumen ausgeht, nicht verantworten.“

Von den rund 2000 ausgewachsenen Bäumen im rund 25 Hektar großen Klosterwald seien 35 akut erkrankt. Voraussichtlich 15 davon wolle man im Sommer fällen. „Das ist noch keine Katastrophe“, beruhigte Tegtmeier die Teilnehmer der Veranstaltung. Im Großen und Ganzen seien Buchen „harte Hunde“, die Jahrtausende und damit auch die Eiszeit überdauert hätten. „Sie haben ein gewisses Anpassungspotenzial, das sollten wir uns zunutze machen“, sagte Tegtmeier und sprach sich dafür aus, mehr Wildnis zu wagen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+