Fußball

Zwei Torhüter auf einem Level

Einen offenen Konkurrenzkampf im Tor rief Brinkums Trainer Mike Gabel vor der Saison aus. Im November hätte eine Entscheidung über die Nummer eins fallen sollen. Die steht wegen der Unterbrechung weiter aus.
09.12.2020, 04:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup

In der Tiefe war der Kader des Brinkumer SV in der jüngeren Vergangenheit wohl selten so stark und gleichwertig besetzt wie in dieser Saison. Das gilt auch für die Torwartposition. Mit Marcel Pfaar (BSC Hastedt) und Lars Goebel (BSV Rehden) kamen im Sommer zwei Schlussmänner an den Brunnenweg, die gehobenen Bremen-Liga-Ansprüchen genügen – mindestens. Eine klare Nummer eins gab es bislang nicht – und das kann Trainer Mike Gabel auch nach dem Re-Start seinen beiden Keepern momentan nicht versprechen.

Einen offenen Konkurrenzkampf hatte Brinkums Trainer vor der Saison ausgerufen. Und er hielt Wort: Nach neun Pflichtspielen stehen für Pfaar fünf Einsätze zu Buche, während Goebel viermal zwischen den Pfosten stand. In der Liga ist die Spielzeit sogar komplett gleich verteilt. Beide kommen auf jeweils vier Spiele über die volle Distanz.

Was sagen die Zahlen noch? Gemessen wird ein Keeper natürlich an den Gegentoren: Acht sind es insgesamt, gemeinsam mit dem Bremer SV ist das der zweitbeste Wert der Liga. Nur die Leher TS (6) hat ihr Tor noch besser verteidigt. Fünfmal musste Pfaar bei den Siegen gegen Neustadt (3:2) und Geestemünde (5:3) hinter sich greifen, dreimal Goebel beim Remis gegen Aumund-Vegesack (2:2) und beim Erfolg über den FC Union 60 (4:1). Da nehmen sich beide also nicht viel. Der überwiegende Teil des Konkurrenzkampfes findet ohnehin im Training statt. Denn wirklich viel zu tun bekommen haben weder Pfaar noch Goebel in ihren Spielen. Meist war Brinkum die tonangebende Mannschaft. Es sind also vor allem die fußballerischen und kommunikativen Fähigkeiten der Torhüter gefragt.

„Die beiden sind auf hohem Niveau auf einem Level. Das ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sieht Gabel, der sich über Pfaar und Goebel regelmäßig mit Torwarttrainer Torsten Degenhardt austauscht, keine großen Leistungsunterschiede zwischen den Schlussmännern. Der 38-Jährige verrät: Im November hätte er sich mit seinem Trainerstab und nach Rücksprache mit den Führungsspielern auf eine Nummer eins festlegen wollen. Doch dann kam die Saisonunterbrechung. Die beiden Keeper sind also im Wartestand.

Ein erneutes Rennen

Die Situation hat sich nun ein weiteres Mal verändert. Um der Nummer zwei, wie verabredet, ihre Einsätze zu ermöglichen, hätte es mit 34 Spieltagen allein in der Liga etliche Gelegenheiten gegeben, zumal die Brinkumer auch noch im Pokal vertreten sind. Mittlerweile aber steht fest, dass lediglich eine einfache Runde ausgetragen wird. 17 statt 34 Begegnungen. Neun Spiele und die Pokalduelle bleiben also noch. Vielleicht also nur noch zehn Partien. Richtig viel ist das nicht. Was bedeutet das für die Brinkumer Planungen im Tor? Konkret beantworten kann Gabel das derzeit nicht. „Wir müssen abwarten, wann wir überhaupt wieder trainieren dürfen. Die Jungs haben mehrere Monate nicht mehr auf dem Platz gestanden. Dann müssen wir erst einmal sehen, auf welchem Stand sie sind. Das gilt auch für die Torhüter.“ Das spricht für einen erneuten Kampf um die Nummer eins. „Die Situation schätze ich schon so ein“, liegt das auch für Goebel nahe. Vieles scheint dafür zu sprechen, dass sich beide Torhüter zunächst einmal erneut das Tor teilen und Gabel und sein Trainerstab die Leistungen dann erneut bewerten. Es wäre allerdings logisch, spätestens vor der ganz heißen Phase eine Entscheidung zu treffen.

Für den ehemaligen Rehdener Goebel, der im Oktober des vergangenen Jahres beim 4:1-Sieg über Jeddeloh sieben Minuten Regionalliga-Luft schnupperte und danach nicht mehr zum Zug kam, ist Spielpraxis ganz wichtig. Sie war ein Grund, warum sich der 20-Jährige trotz anderer Angebote im Sommer für Brinkum entschied. Einen Platz im BSV-Tor will sich aber auch der zwei Jahre ältere Pfaar erspielen. Der Rückkehrer, der zum Meisterkader von 2018 gehörte, war schließlich in Hastedt die unumstrittene Nummer eins und erwarb sich einen Ruf als einer der besten Keeper der Liga. „Nicht zufriedenstellend“ sei die Situation, findet er. Allerdings nur aus persönlicher Sicht. „Mit der Mannschaft passt alles.“ Dennoch wünscht er sich Gewissheit, wer die Nummer eins sein soll. Ein Wunsch, den auch Goebel teilt. „Klar wäre es schön, Klarheit zu bekommen“, sagt er.

Gesunder Konkurrenzkampf

Mit der Situation, dass der Posten im Tor ihnen jeweils zur Hälfte gehört, haben sich beide bislang arrangiert. „Wir kommen gut miteinander aus. Wir gönnen uns jede starke Parade, aber sie ist auch ein Ansporn, es noch besser zu machen, wenn man selbst im Tor steht. Ich glaube, wir pushen uns da gegenseitig“, nimmt Goebel es professionell. Auch Pfaar tut das: „Wir haben ein gesundes Verhältnis zueinander. Ich glaube, wir beide haben uns nichts zuschulden kommen lassen. Ich finde es trotzdem wichtig, dass wir eine Regelung finden. Ich bin ein Fan davon, eine Nummer eins zu haben.“ Goebel bewertet die Situation der Torhüter nüchtern: „Ich glaube, das ist die Position, die bei uns wirklich am unklarsten ist momentan. Jeder von uns hat seine ein, zwei besonderen Stärken, aber das gleicht sich aus.“

Das Duell Goebel gegen Pfaar ist also auch aus Sicht des Duos ein Zweikampf auf Augenhöhe. Das macht die Entscheidung für den einen und gegen den anderen für den Trainerstab allerdings auch so schwer.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+