Fußball

Can Ercan ist der Mann für die Wow-Momente

Can Ercan kam mit dem Handicap einer langen Verletzungspause zum Brinkumer SV. Doch er wurde fitter und fitter – und war vor der Pause nahe dran an seinem Toplevel.
06.12.2020, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Wer Can Ercan im Auswärtsspiel beim SC Borgfeld sah, der wusste ganz genau, warum Mike Gabel ihn unbedingt im Sommer verpflichten wollte: Der 22-Jährige agierte leichtfüßig, spielfreudig, ließ die Gegenspieler reihenweise aussteigen und fütterte seine Mitspieler mit tollen Pässen. Dass er darüber hinaus zwei Treffer erzielte und damit entscheidenden Anteil daran hatte, dass die Brinkumer die Tabellenführung übernahmen, war die überragende Zugabe.

Es brauchte seine Zeit, bis Ercan explodierte. Doch das hatten sie in Brinkum einkalkuliert. Und auch der Spieler, der in der vergangenen Serie für den Heeslinger SC in der Oberliga Niedersachsen auflief, wusste, dass er Geduld haben musste. Jetzt sagt er: „In den letzten Monaten ist mehr passiert als in den letzten Jahren.“ In der jüngeren Vergangenheit war er dauerverletzt. In Borgfeld hatte er gar keine Probleme mehr, und schon war Ercan das, was sich alle Brinkumer von ihm versprochen hatte: eine Top-Verstärkung. Tiefstehende Verteidigungsreihen kann im Kader sonst nur noch Kevin Artmann auf derart hohem Niveau aushebeln wie der 22-Jährige.

Ganz behutsam wurde Ercan seit seinem Wechsel an den Brunnenweg aufgebaut. „Wir sprechen ganz genau über die Belastungssteuerung“, ist der Zehner in stetem Austausch mit seinen Coaches Gabel und Artmann. „Ich musste lernen, auch mal einen Schritt zurückzumachen, wenn es zu viel wurde. Das Ziel war immer, dass ich am Wochenende genügend Kraft habe.“ Dass das bislang sehr gut gelungen ist, „dafür bin ich Mike und Kevin sehr dankbar“. Er spüre großes Vertrauen, sagt Ercan. Genau das habe er gebraucht, um Stück für Stück zunächst wieder der Alte und in Zukunft dann sogar noch besser zu werden.

In den ersten Spielen habe er sich noch schwer getan, blickt Ercan zurück. „Man hat ihm natürlich angesehen, dass nach der langen Pause noch die Selbstverständlichkeit und die Spritzigkeit fehlen“, sagt Gabel. Er habe sich aber nie Sorgen gemacht, dass der offensive Mittelfeldspieler nicht zünden würde. Es waren die kleinen Momente, die zu dem frühen Zeitpunkt bereits die Klasse des Spielgestalters zeigten: eine Ballan- und -mitnahme in einer Bewegung, eine Finte auf engstem Raum oder ein Schnittstellenpass aus dem Fußgelenk. Kleine Wow-Momente waren immer da. Nur über die volle Distanz konnte Ercan, der auf sieben Spiele und drei Tore kommt, sie zunächst nicht abrufen.

Je stärker er körperlich wurde, desto größer wurden in der Folge auch seine Spielanteile. Gegen Geestemünde stand er zum ersten Mal in der Startelf, sammelte fortan Minute um Minute. „Vor dem Spiel gegen Union 60 haben wir ihm dann gesagt, dass wir noch mehr von ihm erwarten“, verrät Gabel, wie er und Artmann für den letzten Motivationskick sorgten. Denn fortan drehte Ercan so richtig auf. Gegen Arsten erzielte er mit einem Geniestreich das Siegtor zum 1:0, gegen Borgfeld spielte er dann erstmals durch und drehte die Gastgeber teilweise komplett auf links. „Das war mein bestes Spiel“, sagt er.

Umso bitterer, dass die Saisonunterbrechung folgte. Dennoch hat sich bereits gezeigt: Ercan und Brinkum – das passt. „Das System mit einem Zehner kommt mir entgegen. Das Gute ist, dass wir auch im Rückstand unser Spiel durchziehen“, findet sich für ihn stets die richtige Rolle. Auch die Bremen-Liga gefällt dem Neuzugang: „In Niedersachsen wird körperlicher und mit mehr längen Bällen gespielt. In der Bremen-Liga versuchen die Mannschaften, fast alles fußballerisch zu lösen. Das gefällt mir.“ Das liegt nahe, schließlich ist auch Ercan stets auf der Suche nach der spielerischen Lösung. Und wenn er seine Füße im Spiel hat, kann die auch mal besonders sehenswert sein.

Der Ercan aus dem Borgfeld-Spiel war in Gabels Augen erst zu 70 Prozent an seinem Toplevel. „Ich weiß, wie gut er ist. Wenn wir ihn auf 100 Prozent bekommen, dann ist er wahnsinnig stark“, sagt der Coach. Da ist also noch Luft nach oben. Für den Tabellenführer ist das definitiv eine gute Nachricht, für die Bremen-Liga-Konkurrenz eher nicht.

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