Fußball

Das Ende zweier Ären

Nach der Annullierung der Saison hätten sich sowohl der TV Stuhr als auch der TSV Okel einen würdigeren Abschied für ihre beiden scheidenen Trainer Christian Meyer und Lutz Schröder gewünscht.
12.05.2021, 10:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Sven Hermann
Das Ende zweier Ären

Torben Drawert (links) und sein TV Stuhr beenden die abgebrochene Saison auf den vorletzten Platz. Der TSV Okel mit Matthias Wernicke landen auf den letzten Platz.

Michael Braunschädel

Wer hätte es gedacht, dass sich der Fußball-Bezirksligist TV Stuhr, der in der Saison 2018/2019 sogar noch ein einjähriges Gastspiel in der Landesliga Hannover absolvierte, nach neun Spieltagen bis zur Unterbrechung auf dem vorletzten Platz der Tabelle wiederfinden würde? Schlechter schnitt nur der TSV Okel ab, der mit nur einem Sieg das Tabellenende zierte. Die Saison wurde mittlerweile komplett abgebrochen und annulliert, Auf- und Absteiger wird es demnach nicht geben, womit beide Teams auch in der neuen Serie in der Bezirksliga vertreten sein werden. Dennoch wird es wesentliche Veränderungen in beiden Mannschaften geben, denn mit Christian Meyer (Stuhr) und Lutz Schröder (Okel) beenden gleich zwei Trainer ihre Tätigkeit. Während beim TVS die Nachfolge bereits geregelt ist, suchen die Verantwortlichen beim TSV mit Hochdruck einen neuen Verantwortlichen an der Seitenlinie. 

In Stuhr endet mit dem Ausscheiden Meyers eine Ära. Seit 2009 war er dort im Erstherrenbereich an der Seitenlinie tätig, zunächst alleinverantwortlich, ab 2014 dann im Duett mit Stephan Stindt. 2011 stieg er mit der Mannschaft aus der Kreis- in die Bezirksliga auf, etablierte diese dort, ehe 2018 dann gemeinsam mit Stindt gar der Sprung in die Landesliga gelang. "Es war eine sehr schöne Zeit, die jetzt leider vorbei geht. Wir hätten uns für Christian einen schöneren Abschied auf dem Platz gewünscht, aber Corona lässt das leider nicht zu. Es ist sehr schade und das ist schon ganz klar ein Einschnitt, aber ich freue mich auch, das ich weitermachen kann", verrät Stindt, der in Zukunft von Jan-Hendrik Schwirz und Daniel Bischoff Unterstützung erhalten wird. Beide gelten schon lange als Sprachrohre des Teams, sie werden Stindt dann künftig als spielende Co-Trainer zur Seite stehen. "Die Zusammenarbeit mit den beiden bereitet mir überhaupt keine Bauchschmerzen. Wir haben mit ihnen ja bereits in der Vergangenheit viel gesprochen und kommuniziert, daher ändert sich nicht allzu viel. Sie sind jetzt halt in anderen Positionen und haben nun vom Papier her einen anderen Stellenwert", beschreibt Stindt.

In die vor kurzem abgebrochene Saison starteten die Stuhrer denkbar schlecht. Einem 0:0 zum Auftakt beim TSV Bassum folgten insgesamt sechs Niederlagen, darunter deftige Pleiten bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, beim SC Twistringen und daheim gegen den SV Heiligenfelde. Und sogar beim Ligaschlusslicht TSV Okel ging die Elf nach einem 1:2 als Verlierer vom Platz. "Wir hatten einen schlechten Start und es lief zunächst überhaupt nichts zusammen. Die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit waren weg. Wir waren es nicht gewohnt, so viele Niederlagen zu kassieren. Durch harte Trainingsarbeit konnten wir uns unsere Tugenden und Eigenschaften zurückerarbeiten und somit den Schalter schließlich umlegen", berichtet Stindt.

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Seit 2009 ist Christian Meyer Trainer beim TV Stuhr. Sein Amt hat er nun niedergelegt.

Foto: Thorin Mentrup

Am achten Spieltag wurde der TVS endlich belohnt und fuhr gegen den Spitzenreiter Seckenhausen-Fahrenhorst einen durchaus überzeugenden 2:0-Erfolg ein. Dieses Ergebnis wurde eine Woche darauf mit dem 5:0-Heimtriumph über den TSV Bassum noch getoppt. Es folgte die Unterbrechung. Die Stuhrer verzichteten darauf, in Kleinstgruppen weiter zu trainieren, als es noch möglich war. Die Spieler hielten sich in Eigenregie fit. "Wir waren der Ansicht, das wir erst dann wieder etwas machen wollen, wenn auch alle dürfen. Alles andere wäre ein Krampf. Wir wollten die Jungs auch keinem Risiko aussetzen. Warum dieses Risiko eingehen, wenn sowieso nicht gespielt wird?", fragten sich das Trainerteam und die Mannschaft. "Ab Anfang Juni wird sich die Mannschaft auf Abruf bereit halten und dann warten wir mal ab, wann es wieder los geht. Ein Abbruch jetzt war vermutlich die beste Alternative. Vielleicht hätte ich es anders gemacht und alles, was bisher gespielt wurde, mitgenommen, die restlichen fünf Spiele irgendwann zu Ende gespielt und dann eine verkürzte Auf- und Abstiegsrunde ausgespielt. Ich nenne die Beispiele der Kreisligisten TSV Weyhe-Lahausen, Barnstorfer SV oder auch unseren Ligarivalen Seckenhausen-Fahrenhorst, die ihre Ligen anführten und vielleicht den Aufstieg geschafft hätten. Für diese Teams war der Abbruch und die Annullierung ärgerlich. Wir freuen uns jedoch, dass wir weiter in der Bezirksliga spielen dürfen", verrät Stindt seine Sicht der Dinge. 

Große Freude auf die neuen Mitspieler

Nicht mehr mit dabei sein wird dann in der neuen Saison Außenverteidiger Jannis Böttcher, der aus beruflichen und privaten Gründen aufhört. "Alle anderen haben zugesagt", freut sich Stindt, der mit Tom-Cedrik Gronewold zudem einen hochkarätigen Neuzugang begrüßen darf. Der gerade einmal 21-Jährige sammelte bereits höherklassige Erfahrungen beim Bremer und Brinkumer SV, TB Uphusen, sowie im Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder Bremen. "Er ist eigentlich überall einsetzbar. An ihm werden wir noch viel Spaß und Freude haben. Und auch unsere jungen Neuzugänge, die vor der abgebrochenen Saison zu uns gestoßen sind, sind allesamt gut angekommen. Von ihnen hat keiner enttäuscht", bilanziert Stindt. 

Anders als in Stuhr, wo die Angelegenheit bereits geregelt ist, läuft die Suche eines Nachfolgers für den scheidenden Lutz Schröder beim TSV Okel auf Hochtouren. "Corona spielt uns dabei nicht gerade in die Karten. Aufgrund der Ungewissheit und Perspektive, wann es denn wieder losgehen wird, ist es nicht einfach, mit Kandidaten zu sprechen. Doch die Gespräche laufen", versichert Rico Volkmann, der als spielender Co-Trainer ebenso wie sein Co-Trainer-Kollege und Mitspieler Marlon Reyher, die Spartenleitung, Mannschaftsrat, sowie Kapitäne des TSV, bei der Suche involviert ist. Auch beim TSV ruht aus bekannten Gründen der Trainingsbetrieb. "Es ist eine schwierige Zeit. Das gesellschaftliche Leben, die sozialen Kontakte, das mit der Mannschaft zusammen zu sein, fehlen. Man muss achtsam sein. Viele orientieren sich um und die Vereine verlieren Mitglieder. Ich erhoffe mir die nötigen Schritte der Politik, sodass die Vereine bald ihre Schotten wieder öffnen dürfen. Auch wir scharren mit den Hufen", berichtet Volkmann, der logischerweise auch mit an der Zusammenstellung des neuen Kaders bastelt.

Ziel bleibt Klassenerhalt

Zugute kommt den Okelern, dass im Sommer ein kompletter A-Junioren-Jahrgang in den Herrenbereich aufsteigt. Gleich vier Spieler werden sich hieraus den Erstherrenkader anschließen. Philip Meyer, der bereits in der jüngst abgebrochenen Saison diverse Einsätze im Bezirksliga-Team feierte, wird das zentrale Mittelfeld verstärken. Dazu gesellen sich Rechtsverteidiger Pascal Bollhorst, Innenverteidiger Jan-Philipp Puschmann und Angreifer Finn Schirmeisen. "Wir haben auch mit anderen Spielern Gespräche geführt. Die wollen verständlicherweise erst mal abwarten, wer neuer Trainer wird und was zudem in ihren eigenen Vereinen passiert", verrät Volkmann. "Für uns wird es immer um den Klassenerhalt gehen. Wir wollen dabei unseren bestmöglichen Fußball spielen", ergänzt der Torjäger vom Dienst, der das Erreichen des Klassenerhalts auch in der abgebrochenen Spielzeit trotz lediglich drei Punkten und des letztes Ranges nicht als chancenloses Unterfangen einstufte. "In dieser Nordstaffel waren gute Mannschaften dabei. Aufgrund unserer Erfahrungen aus dem Abstiegskampf der vorherigen Saison hätte ich uns in den Vergleichen mit den Teams der Südstaffel nicht ohne Chance gesehen", so Volkmann, der hofft, dass sein scheidender Coach Lutz Schröder auch noch nachträglich gebührend verabschiedet wird.

Dieser tritt nach drei erfolgreichen Jahren als Verantwortlicher an der Seitenlinie jetzt aus beruflichen Gründen den Rückzug an. "Anfangs hatte ich noch die Hoffnung gehabt, dass die Serie irgendwann fortgesetzt wird. Jetzt sind es fast sechs Monate, in denen wir nicht mehr aktiv waren. Man muss echt aufpassen. Das Training, die Mannschaftsabende, die Kameradschaft, diese ganzen beziehungsknüpfenden Dinge, die den Fußball so ausmachen, fehlen einfach und machen das ganze Gebilde fragil. Diese Umstände führten auch dazu, dass sich unsere Neuzugänge dadurch, dass wir so wenig zusammengekommen sind, immer noch fremd fühlen. Das Zusammenwachsen fehlte. Keiner weiß zudem, wie es weitergeht", spricht Schröder von einem luftleeren Raum. Und der Coach, der zudem noch die U11 beim TuS Sudweyhe trainiert, holt noch weiter aus. "Was passiert mit den Kids? Haben diese nach Corona überhaupt noch Lust und Interesse zum Fußball zu gehen? Wenn Kinder in diesem Alter noch nicht eine gewisse Galligkeit entwickelt haben, ist es schwierig, dass sie am Ball bleiben und sich weiter motivieren können", warnt der in Okel lebende Coach, der im Sommer 2020 einige Akteure aus dem A-Junioren-Nachwuchsbereich des TuS Sudweyhe nach Okel lotste.

Fußball, Bezirksliga, TSV Okel, TuS Sudweyhe

Aus beruflichen Gründen hört Lutz Schröder als Trainer beim TSV Okel auf.

Foto: Michael Braunschädel

"Selbst diese merkten, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen der A-Junioren-Landesliga und Herren-Bezirksliga besteht. Das ist ein ganz anderer Schnack", berichtet Schröder, der mit seiner Elf in der jetzt annullierten Saison acht Mal als Verlierer den Platz verließ und nur am siebten Spieltag einen Sieg feierte. Dieser gelang in heimischer Umgebung beim 2:1 gegen den TV Stuhr. Auch Schröder bezeichnete diese Nordstaffel als sehr stark und sah sich bärenstarker Konkurrenz gegenüber. "Selbst Favoriten wie Heiligenfelde und Stuhr haben schnell gemerkt, wie stark die Liga ist. In Bezug auf die bevorstehenden Vergleiche in der Abstiegsrunde mit den Teams aus der Südstaffel wäre ich jedoch sehr zuversichtlich gewesen", kommentiert Schröder, dem zwei Neuzugänge besondere Freude bereiteten. Mathis Wernicke, der vor der Saison aus dem A-Junioren-Bereich des TuS Sudweyhe kam und sowohl als Verteidiger, als auch auf den Außenpositionen im Mittelfeld zum Einsatz kam, erwies sich als flexibel einsetzbar. "Er hat mich sehr positiv überrascht und er ist an den Herausforderungen gewachsen. Das hatte ich so nicht erwartet", gesteht Schröder, der zudem große Stücke auf den noch für die Okeler A-Junioren spielberechtigten Philip Meyer hält. "Er war im zentralen Mittelfeld ein belebendes Element in unserem Spiel. Ihm steht eine gute Zukunft bevor und er wird seinen Weg machen. Beide Spieler waren außerdem sehr trainingsfleißig", lobt Schröder, dem auch gefiel, dass einige infrastrukturelle Dinge in Okel angestoßen wurden.

So wurde im vergangenen Jahr eine neue Beregnungsanlage installiert. Demnächst ist eine von Gönnern finanzierte Anzeigetafel, ähnlich wie sie beim Nienburger Bezirksligisten TuS Drakenburg bereits existiert, geplant. "Ich finde es toll, wie ein kleiner Ort wie Okel das Abenteuer Bezirksliga annimmt. Ich möchte die drei Jahre hier nie und nimmer missen", bilanziert Schröder.

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