Traditionshaus in Stuhr-Brinkum

Bremer Tor schließt Hotelbetrieb

Das Hotel Bremer Tor in Stuhr-Brinkum stellt ab sofort den Hotelbetrieb ein. Alle anderen Angebote sollen aber weitergeführt oder ausgebaut werden.
26.05.2020, 20:04
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Tor schließt Hotelbetrieb
Von Eike Wienbarg
Bremer Tor schließt Hotelbetrieb

Das Hotel Bremer Tor stellt ab sofort den Hotelbetrieb ein.

Vasil Dinev

Der Hotelbereich des Brinkumer Hotels Bremer Tor an der Syker Straße ist zurzeit wegen der Corona-Krise geschlossen. Das wird sich aber auch nach dem Ende der Beschränkungen nicht wieder ändern. Wie die Betreiberfamilie um Jörn Gefken und seine Mutter Sabine Gefken mitteilte, schließt der Brinkumer Traditionsbetrieb seine Hotelzimmer komplett. Das Aus für den gesamten Betrieb bedeutet das allerdings nicht, wie Jörn Gefken betont. Vielmehr hätten sich andere Firmenbereiche als neue Standbeine entwickelt.

„Es liegt nicht an Corona“, sagt Jörn Gefken vorweg. Schon vor Beginn der Pandemie hatte die Betreiberfamilie zusammen mit der Gemeinde Stuhr, die das Bremer Tor sowie das Grundstück drumherum im Jahr 2014 im Zuge der geplanten Neugestaltung des Brinkumer Ortskerns gekauft hatte und seitdem Eigentümerin ist, den Entschluss gefasst, die 36 Zimmer des Hotels zu schließen. „Für ein zeitgemäßes Hotel hätten wir viel Geld investieren müssen“, berichtet Jörn Gefken von den Überlegungen. Eine Modernisierung der Zimmer sei nicht wirtschaftlich gewesen, erklärt er weiter.

In den vergangenen Jahren habe sich das Geschäftsfeld des Bremer Tors, das seit dem Jahr 1904 im Brinkumer Ortskern ansässig ist, verändert, erzählt Gefken, der den Betrieb in fünfter Generation gemeinsam mit seiner Mutter führt, weiter. Zunächst als Gasthaus gegründet, kam nach dem Zweiten Weltkrieg auch der Hotelbetrieb im Bremer Tor hinzu. Vor allem Geschäftsleute der regionalen Unternehmen oder Monteure hätten die Zimmer genutzt, so Jörn Gefken. Touristen seien eher weniger unter den Gästen gewesen. „90 Prozent waren Geschäftsleute“, sagt er.

Von links nach rechts: Sabine Gefken, Carolin Hermink und Jörn Gefken.

Von links nach rechts: Sabine Gefken, Carolin Hermink und Jörn Gefken.

Foto: Vasil Dinev

In den vergangenen Jahren baute Gefken weitere Standbeine für den Betrieb auf. „Wir haben uns auf den Event- und Cateringbereich spezialisiert“, beschreibt Jörn Gefken die Entwicklung. So wurde das Bremer Tor zum Beispiel zum Hauptcaterer des Bremer Rathauses und beliefert unter anderem die traditionelle Schaffermahlzeit. Events mit mehreren tausend Teilnehmern stehen auf der Agenda. Auch in der Gemeinde Stuhr übernahm Gefken weitere Aufträge für Großveranstaltungen. Dazu gehören unter anderem die „Brinkumer 3 Days“ inklusive des Schützenfestes, der Varreler Markt und das Schützenfest in Alt-Stuhr. Hinzu kamen Musikveranstaltungen wie die beliebte Reihe Brinkum Tanzt und Livemusik-Veranstaltungen. „Das wird immer mehr“, sagt Gefken über die Geschäftsbereiche.

Gerade diese kamen aber immer wieder in Konflikt mit dem Hotelbetrieb. So musste das Hotel bei einigen Großveranstaltungen geschlossen werden, um mögliche Übernachtungsgäste nicht zu stören, erzählt Jörn Gefken. „Für Stammgäste war das schon blöd“, berichtet er weiter. Um die anderen Geschäftsbereiche weiter auszubauen, fiel dann der Entschluss, die Hotelzimmer ganz zu schließen. Aus ihnen werden jetzt zunächst Lagerräume. „Die brauchen wir für unser Equipment“, sagt Jörn Gefken.

Hinzu kam dann auch der Prozess um die Entwicklung des Brinkumer Ortskerns. Wie Stuhrs neuer Bürgermeister Stephan Korte im Interview mit dem WESER-KURIER berichtete, soll nun auch wieder das Gelände rund um das Bremer Tor und das davor liegende mexikanische Restaurant mit in die Planungen zur Umgestaltung von Brinkums guter Stube aufgenommen werden. Ein möglicher Umzug des Bremer Tors an den geplanten Marktplatz auf der anderen Straßenseite sei durchaus denkbar, berichtet Jörn Gefken. „Wir sind nicht an das Gebäude gebunden“, sagt er.

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Dem Standort Brinkum will die Familie weiterhin treu bleiben. „Grundsätzlich ist das Gelände immer schon der Mittelpunkt Brinkums gewesen“, sagt Sabine Gefken über ihren Traditionsbetrieb. „Wir sind ein Brinkumer Betrieb und bleiben ein Brinkumer Betrieb“, betont sie. Daher sei es sinnvoll, dass das Unternehmen ein Teil der Ortskernentwicklung werde. So sei das Unternehmen jetzt auch wieder in die Planungen eingebunden, erzählt Jörn Gefken.

Wie diese aussehen, steht aber noch in den Sternen. Daher investieren die Gefkens derzeit auch noch in das alte Gebäude. Der Barbereich wurde in den vergangenen Wochen während der Corona-Schließzeit modernisiert. Auch der Saalbereich sowie die Außenterrasse sollen vergrößert werden, damit auch noch größere Veranstaltungen vor Ort stattfinden können, berichtet Jörn Gefken.

Der Restaurantbetrieb des Hauses soll ebenfalls weiter in den Vordergrund rücken. Ein neuer Küchenchef mit neuer Mannschaft sollen dafür ab Juni sorgen. „Es soll alles ein bisschen jünger und moderner werden“, sagt Jörn Gefken sowohl mit Blick auf die Angebote als auch das Ambiente. Aber auch Stammgäste sollen sich im Bremer Tor wiederfinden, verspricht er. „Wir haben jetzt viel mehr Freiheit“, berichtet Gefken.

Aktuell habe der Betrieb 45 Angestellte plus Aushilfskräfte. Fünf Angestellte musste Gefken nach eigenen Angaben aufgrund der Corona-Krise und der Hotelschließung entlassen. Durch das neue Konzept sollen aber neue Arbeitsplätze geschaffen werden. „Das wird eher wieder mehr“, schaut Gefken positiv in die Zukunft des Brinkumer Traditionshauses.

+ + + Dieser Artikel wurde um 19.52 Uhr aktualisiert. + + +

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