Schachturnier im „No Moor“ Denken, taktieren und respektieren

37 Jugendliche duellierten sich im Jugendtreff „No Moor“ am Schachbrett. Als Turnierfavorit ging der 12-jährige Max Weidenhöfer an den Start. Veranstalter Juraj Sivulka zeigte sich begeistert von dem Event.
04.12.2018, 18:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Johannson

Stuhr-Moordeich. Ein Drama um Bauern, die geopfert werden, um Türme, die ins Wanken geraten, um Läufer, die zu Hilfe eilen, und Pferde, die davon springen. Ein Spektakel auf dem Brett, das die Welt bedeutet; in dem um die Dame gekämpft wird und in dem man dem König nach dem Leben trachtet. Ein Spiel, bei dem stundenlang kein einziges Wort gesprochen wird. Für dieses Spiel versammelten sich im Jugendtreff „No Moor“ am Dienstagnachmittag 37 Kinder im Alter von sieben bis 16 Jahren zur inoffiziellen Schach-Kreismeisterschaft der Diepholzer Schulen. „Wir erhalten jährlich mehr Anmeldungen. Bei der ersten Auflage waren nur 15 Teilnehmer dabei. Besonders stolz bin ich, dass zehn Mädchen mitmachen“, betont Veranstalter Juraj Sivulka und ergänzt: „Normalerweise ist es ein Männersport, aber Frauen können doch genauso gut denken“.

In einem Raum des Erdgeschosses bauten Sivulka und vier Helfer bereits in den Morgenstunden 20 Schachbretter auf, um den Kindern eine professionelle Veranstaltung bieten zu können. Dieser Raum war derart dunkel, dass mehrere Lampen in den Zwischenräumen aufgestellt werden mussten. Die Fenster waren allesamt geöffnet – die Luft muss schließlich gut sein, um nachdenken zu können. Netz gab es keines, doch Handys werden beim Schach ohnehin nicht geduldet. Während der Spiele war dann Ruhe angesagt. 37 Kinder redeten so gut wie kein einziges Wort miteinander – getobt wurde draußen. Zudem herrschten strenge Regeln. Kinder, die kurz vor der dritten Runde zu spät den Raum betraten, kassierten eine klare Ansage vom Chef.

Kurz danach saßen sich Max Weidenhöfer vom TuS Varrel – Bremer Juniorenmeister der Klasse U12 – und Lia Fiege gegenüber. Vor dem Duell ein fairer Handschlag, dann wurde der Kopf eingeschaltet und gekämpft. Auge um Auge im Schnellschach-Modus, wie vor einer Woche im WM-Finale zwischen dem Norweger Magnus Carlsen und dem Amerikaner Fabiano Caruana. Der 12-jährige Max ging als haushoher Favorit in diese Partie, doch Lia wehrte sich und überlegte zumeist sehr lange. Währenddessen schaute Max immer wieder nach links und rechts auf die anderen Bretter. Nach 19 Minuten ertönte schließlich das erste Wort des Duells. „Schach“, sagte Max leise und setzte seine Gegnerin kurz darauf „Schachmatt“. Lia sah die Niederlage sportlich: „Er spielt schon seit vielen Jahre Turniere, gegen ihn kann ich noch nicht gewinnen“. Für Max ist diese Meisterschaft eher eine Art lockeres Aufwärmen. „Es müsste schon etwas Außergewöhnliches passieren, wenn er hier nicht gewinnen sollte“, sagte Trainer Sivulka.

Max ist besser als die anderen, weil er beispielsweise an Montagen bis zu drei Stunden in seinem Heimatverein trainiert. An den anderen Wochentagen spielt er noch seine Eltern oder den Computer an die Wand. Profi möchte der Blondschopf aber nicht werden: „Nur die besten 100 der Welt verdienen Geld damit, das traue ich mir nicht zu“, betonte er. Ganz andere Ziele hat hingegen sein achtjähriger Bruder Ben: „Ich will erst einmal so gut werden wie mein Bruder und danach irgendwann Schachprofi werden. Wenn das nicht klappen sollte, möchte ich Fußball-Bundesligaspieler werden“.

Zurück in die Schachkammer: Während Max seinen Sieg trocken zur Kenntnis nahm, liefen noch sieben andere Partien. Ohne Ärger, ohne Lärm und mit viel Respekt. „Jeder Schachspieler ist in seiner eigenen Welt und kommuniziert mit seinen Figuren. Wann erleben die Kinder mal diese Ruhe?“, fragte Sivulka und antwortete: „Gar nicht“. An der Lise-Meitner-Schule in Stuhr leitet er eine Schach-AG mit 15 Jugendlichen. Dort erhalten die Jugendlichen wöchentlich Tipps: „Ich versuche die kontinuierlichen Schwierigkeiten des Spiels methodisch aufzubauen und den Kindern taktische Kniffe beizubringen. Sie nehmen das auf wie ein Schwamm, in meinem Alter ist das kaum noch möglich“.

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