Café Kinderwagen in Stuhr

Der Austausch steht im Vordergrund

Das Café Kinderwagen in der Gemeinde Stuhr dient als Treffpunkt für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr. Im Zentrum des Angebots steht der Austausch.
05.12.2019, 17:47
Lesedauer: 3 Min
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Der Austausch steht im Vordergrund
Von Eike Wienbarg
Der Austausch steht im Vordergrund

Die Backstube im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus wird jeden Dienstagmorgen zum Café Kinderwagen.

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Stuhr. Jeden Dienstagmorgen in der Zeit von 9.30 bis 11 Uhr öffnen sich die Türen im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) an der Bremer Straße 9 für die allerjüngsten Gäste. Dann ist dort das Café Kinderwagen zu Gast. Das Angebot, finanziert von der Gemeinde Stuhr und dem Netzwerk Frühe Hilfen des Landkreises Diepholz, richtet sich an Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr. Seit seiner Einrichtung im Jahr 2016 hat sich das Angebot mittlerweile vollkommen etabliert.

Im Zentrum jedes Treffens stehen die Sorgen und Nöte der frischgebackenen Eltern, berichtet die Erzieherin Sandra Meinen, die den Treff begleitet. So soll das Café Kinderwagen vor allem als Austauschplattform für die Eltern dienen. „Vor allem für die, die nicht so die sozialen Kontakte haben“, erklärt Melanie Thies, die seit Anfang an die Runde begleitet. Als Familienhebamme kümmert sie sich schwerpunktmäßig um „Familien in sozial schwierigen Situationen oder mit Kindern, die eine Vorerkrankung haben“, erzählt sie von ihrer Arbeit.

Diese Zielgruppe soll das Café Kinderwagen aus ihrer sozialen Isolation holen, betont Thies. „Dort können sich alle sozialen Schichten treffen“, sagt sie über das niedrigschwellige Angebot, das neben dem informativen eben auch einen integrativen Charakter aufweisen soll. Auch der multikulturelle Gedanke wird bei den Treffen gelebt. „Babys sprechen nicht auf einer bestimmten Sprache. Die Babysprache ist wie eine Weltsprache“, sagt Thies. So haben Eltern oft die gleichen Sorgen und Probleme, Babys die gleichen Bedürfnisse. „Auf der Babyebene ist vieles gleich“, betont die Familienhebamme. Rund ein Drittel der Teilnehmer habe einen Migrationshintergrund, schätzt sie. „Es soll eine Börse zur Weitergabe von Informationen sein“, berichtet Thies weiter. So sollen die Eltern merken, dass sie mit ihren Sorgen und Problemen nicht alleine sind, erklärt ihre Kollegin Meinen.

Neben dem allgemeinen Austausch gibt es auch immer wieder spezielle Themen bei der Runde. So ging es zum Beispiel schon um die Bereiche Beikost, Erste Hilfe oder Zahnpflege, berichtet Sandra Meinen. „Wir sind gerne bereit, unser Wissen zu teilen“, sagt die Erzieherin, die gleichzeitig auch Kita-Leiterin in Varrel ist und die Aufgabe im Café Kinderwagen von Claudia Blauth übernommen hat. Eine „klassische Erzieherin“ könne für diese Aufgabe nicht bereitgestellt werden, berichtet Meinen. In Zeiten des Fachkräftemangels könnten diese nicht für einen Vormittag freigestellt werden. Als Kita-Leiterin habe sie allerdings keinen Gruppendienst und daher die Aufgabe übernommen.

Seit dem Start am 1. November 2016 hat das Café Kinderwagen durchgehend Zuspruch erhalten, berichten Thies und Meinen. „Insgesamt haben wir eine große Kontinuität“, sagt Melanie Thies. Aktuell sind meist elf Babys mit einem Elternteil zu Gast. „Wir haben aber auch schon 20 Babys gehabt“, erzählt Sandra Meinen. Bei den Elternteilen sind es zu 80 Prozent die Mütter, die das Café Kinderwagen besuchen, überschlägt Thies. Aber auch Väter in Elternzeit sind mit dabei. „Je älter die Babys sind, desto eher kommen die Väter“, erklärt Meinen. Diese hätten auch meist ganz andere Themen mit im Gepäck, erzählt sie.

Das Treffen in der Backstube des MGH hat dabei immer den gleichen Ablauf. Zum Anfang und zum Ende gibt es jeweils ein Lied, dazwischen bleibt die Zeit zum Austausch oder zum Spielen. Gerade für Babys sei diese Stunde schon ausreichend, so Thies. „Das ist wie, wenn wir Sport machen“, erklärt die Familienhebamme.

Oft bleiben die Eltern mit ihren Babys bis zum Ende des ersten Lebensjahres in der Gruppe. Ein Café Bobbycar für ältere Kinder, wie es bereits in Gemeinden im Landkreis Oldenburg existiert, gibt es aktuell in der Gemeinde Stuhr nicht. Über die Einrichtung werde im Netzwerk Frühe Hilfen allerdings diskutiert, berichtet Sandra Meinen. „Der Wunsch ist da“, ergänzt Melanie Thies. Allerdings müsste dann mehr Geld investiert werden. Das sei aber derzeit mit dem Café Kinderwagen aufgebraucht. „Die Not ist aber auch nicht so groß“, betont Meinen. Der Großteil der Kinder gehe nach dem Café Kinderwagen in die Krippe oder die Kindertagespflege, hat sie beobachtet. Auch private Kontakte und Treffen seien durch das Angebot immer wieder entstanden, berichten die beiden.

Das Café Kinderwagen findet immer dienstags in der Zeit von 9.30 bis 11 Uhr im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) an der Bremer Straße 9 statt. Es steht allen Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr offen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig.

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