Aktion auf der Anlage in Moordeich

Der Skatepark als Ort des Austauschs

Mehr Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum schaffen – das ist das Ziel der landesweiten Aktion "Platz nehmen", die am Freitagnachmittag auch in Moordeich an der Skateranlage stattfand.
19.09.2021, 13:42
Lesedauer: 3 Min
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Der Skatepark als Ort des Austauschs
Von Alexandra Penth

Stuhr-Moordeich. Ein paar Mal schüttelte er die Dose, dann verteilte Stephan Korte den farbigen Sprühnebel auf der Schablone. Mit dem Graffiti vom roten Stuhl der Aktion "Platz nehmen" weihte der Bürgermeister der Gemeinde Stuhr am Freitagnachmittag die neue Sitzgruppe an der Skateranlage Moordeich offiziell ein. Die Streetworker der Gemeinde, das Team Jugend und der Verwaltungschef hatten die landesweite Aktion zum Anlass genommen, um Jugendliche, Nachbarn und Eltern auf die Skateranlage bei Getränken und Bratwurst einzuladen. Denn bei "Platz nehmen" geht es darum, die Akzeptanz für Jugendliche im öffentlichen Raum zu stärken. "Dass man eine angenommene Mitte eines Ortes schafft, wo man als Jugendlicher hingehen kann", nannte Korte ein Ziel, das die Verwaltung in den Fokus rücken möchte. Daher sollte die Aktion den Jugendlichen auch die Möglichkeit geben, ihre Wünsche direkt an den Bürgermeister zu richten.

Mit den drei neuen Sitzbänken samt Tisch ist an der Skateranlage nun auch für diejenigen, die nicht skaten, ein Platz geschaffen worden. "Viel besser", befand die 13-jährige Kylie, die gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen Freundin Sophie öfter mal Zeit auf dem Skateplatz verbringt. Zuvor saßen die beiden und andere zumeist auf den Anlagen der Skater. Die Freundinnen haben am Tag vor der Aktion gemeinsam mit anderen Jugendlichen bereits damit begonnen, die Rampen auf dem Platz mit der Hilfe des Graffiti-Künstlers Jesse Himme zu verschönern. Die Anfangsbuchstaben ihrer Namen haben die Freundinnen auf einer Rampe verewigt. Das Wort "Skate" wiederum haben auf der anderen Seite der Konstruktion der zwölfjährige Lino und sein neunjähriger Bruder Liam aufgesprüht. "Die Outlines und die Schatten um die Buchstaben hat aber der Profi gemacht. Das kann man beim ersten Mal Graffiti noch nicht", sagte Lino.

Jugendliche auf BMX-Bikes kurvten auf der Anlage, ebenso Skateboard- und Scooterfahrer. Auch die Freundinnen Kylie und Sophie waren nicht nur gekommen, um Graffiti zu sprühen. "Wir wollen hier heute Skateboard lernen", sagte Sophie. Dafür war Ümit Akbulut vor Ort, der sogar für den türkischen Skateboard-Nationalkader bei den Olympischen Spielen in Tokio nominiert worden war. Die Skateranlage kennt Akbulut, der in Delmenhorst ein Geschäft rund um das Thema betreibt, noch aus Jugendtagen. "Mit 16, 17 war ich früher selbst hier", sagte er und klatschte Beifall, als ein Jugendlicher gerade einen Sprung mitsamt Skateboard von einer Rampe machte. Für Akbulut hält die Moordeicher Anlage alles bereit, was der Anfänger braucht. "Irgendwann fährt man für das Hobby sowieso durch ganz Deutschland", sagte er. Der 13-jährige Felix hatte jedoch einen Verbesserungsvorschlag für die Skate-Landschaft beim TV Stuhr: "Es wäre toll, wenn es eine Slackline geben würde, auf der man mit dem Skateboard drüber sliden kann", erklärte er und zeigte auf den Ort, den er für die über dem Boden angebrachte Eisenstange im Auge hat: seitlich, Richtung Sitzgruppe. 

Streetworker Moritz Jungblut und sein Kollege Julien Jacquot zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. "Etwa die Hälfte der Besucher sind neue Gesichter", sagte Jungblut und begrüßte zwei Jungs mit Skateboard unter dem Arm per Faustgruß. Die Skateranlage ist einer der Haupttreffpunkte der Schützlinge der Streetworker. Weil Jungblut früher selbst mit dem Skateboard unterwegs war, könne er schnell Kontakt zu den Jugendlichen dort aufbauen.

Die Zielgruppe brauche Orte wie diesen, sagte auch Graffiti-Künstler Jesse Himme, um den sich Kinder und Jugendliche versammelt hatten, um eine Betonwand zu gestalten. "Das Schöne ist, dass man, wenn man etwas selbst gestaltet, sich noch mehr damit identifizieren kann."

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