Therapie mit Hund Buddha weckt Erinnerungen

Einmal in der Woche besucht Ergotherapeutin Jana Böhling gemeinsam mit ihrem Rüden Buddha das Brinkumer Hansa Pflegezentrum. Die Begnungen sollen unter anderem Erinnerungen wecken.
09.06.2022, 12:13
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Ulbricht

Stuhr-Brinkum. Jeden Mittwoch bekommen die Bewohner des Hansa Pflegezentrums in Brinkum vierbeinigen Besuch. Ergotherapeutin Jana Böhling betreut dann gemeinsam mit einigen Mitarbeitern des Pflegezentrums eine Gruppe Demenzerkrankter und wird dabei von ihrem Golden Retriever Buddha unterstützt. Die Idee dazu hatte Sandra Banach, die seit dem 1. März die Leitung der sozialen Betreuung in der Einrichtung innehat. "Ich habe überlegt, wie ich den Bewohnern Anreize geben könnte", erzählt sie. Nachdem sie Berichte über tiergestützte Therapie gesehen hatte, war ihr klar: das möchte sie für ihre Einrichtung auch. Also habe sie recherchiert und sei auf Jana Böhling und ihren Hund gestoßen, die in einer Praxis in der Bremer Überseestadt arbeiten. Dank einer entsprechenden Verordnung konnte der erste Besuch bereits Ende April stattfinden.

Der etwas über ein Jahr alte Buddha sei noch in der Ausbildung zum Begleithund, so Banach. Eine Zusatzausbildung zum Therapiehund brauche er erst einmal nicht, ergänzt Böhling. "Die Begleithund-Ausbildung reicht, weil ich Ergotherapeutin bin." Wichtig sei es, dass das Tier gewisse Voraussetzungen mitbringe. So eignen sich etwa einige Rassen besser als andere. "Das Wesen muss stimmen", sagt Böhling. Das sei bei Golden Retrievern häufig der Fall. "Er muss den Menschen zugewandt sein, ein ruhiges Gemüt haben und sich anfassen lassen", zählt die Ergotherapeutin auf. Ein weiteres Plus sei, wenn der Hund gerne lerne. Auch die Grundkommandos wie Sitz, Platz und bei Fuß müsse er beherrschen. Bei Buddha passt außerdem die Größe. Die Bewohner der Pflegeeinrichtung können den Rüden ohne Probleme im Sitzen streicheln. Aber nicht nur den Menschen sollen die Besuche gefallen, auch Buddha soll dabei keinen Stress haben, betont seine Besitzerin. "Wenn er Lust hat, kann er zu den Leuten gehen. Es ist aber kein Zwang."

Etwas, das Buddha durch seine bloße Anwesenheit schafft: Erinnerungen wecken. Damit kann er einiges bewirken, hat Sandra Banach beobachtet. "Einige, die vorher eher introvertiert gewirkt haben, kommen plötzlich aus sich heraus." So sei eine sonst eher schläfrige Bewohnerin bei ihrer ersten Begegnung mit Buddha plötzlich hellwach gewesen und habe nach Leckerlis für den Hund gefragt.

Je nach Tagesform nehmen sechs bis acht Bewohner an den Begegnungen mit Buddha teil. Im gemeinsamen Stuhlkreis soll dann nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Bewegung aktiviert werden. Buddha fordert sie auf, sich zu bewegen, wenn er etwa gestreichelt werden oder spielen möchte. Diese Bewegungen dienen zusätzlich der Koordination, erläutert Banach. Neben Erinnerungen geht es auch um andere Themen rund um den Hund. Die Bewohner sollen etwa überlegen, was man alles braucht, um einen Hund halten zu können.

Viele der Teilnehmer erinnern sich bei Buddhas Besuchen auch an ihre eigenen Tiere zurück. "Einer von ihnen war bei der Polizei-Hundestaffel", sagt Banach. "Ein anderer war Jäger." Für Demenzkranke sei es wichtig, dass sie motiviert werden, sich mitzuteilen. Die Geschichten, die bei den allwöchentlichen Begegnungen erzählt werden, schaffen eine schöne Stimmung, findet sie.

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