Fußball

Ein bisschen Gijón und ein Gigant im Tor

Der Brinkumer SV scheidet in der Vorrunde des Bremer Hallenmasters aus – eine Teilschuld daran trägt auch ein Nichtangriffspakt, der an ein WM-Spiel zwischen Deutschland und Österreich erinnert.
22.12.2019, 17:58
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Ein bisschen Gijón und ein Gigant im Tor

Streckte sich vergeblich: Hamudi Taha (l.) schied mit Brinkum in der Vorrunde aus.

Thorin Mentrup

Bremen. Mike Gabel hatte es kurz vor dem letzten Gruppenspiel eilig. Schnell wechselte er noch ein paar Worte mit Denis Spitzer, dem Trainer des Blumenthaler SV. Für beide Teams würde es das letzte Duell beim Bremer Lotto-Masters sein, das stand bereits fest. Ein Spiel um die goldene Ananas also, wie die beiden Moderatoren Olaf Rathje und Roland Kanwicher meinten. Sowohl Brinkum als auch Blumenthal waren bereits ausgeschieden, weil sich der FC Oberneuland und der SFL Bremerhaven zuvor unentschieden getrennt hatten. Ein Ergebnis, das beiden für das Weiterkommen reichte – dass sie mehr nicht wollten, hatten sie auf dem Feld in den letzten Minuten mit einem Nichtangriffspakt, wie er in Fußball-Deutschland seit der Weltmeisterschaft 1982, als die Nationalelf der Bundesrepublik gegen Österreich mit 1:0 gewann und beide Teams nach dem frühen Tor des Tages das Fußballspielen quasi einstellten, deutlich gemacht. Was Gabel nun von Spitzer wollte? „Wir hätten es ja genauso machen können“, sagte der Trainer der Brinkumer. Am Ende besannen sich beide Mannschaften eines Besseren und lieferten mit dem 4:3 für Blumenthal noch einmal einen unterhaltsamen Abschluss ihrer kurzen Lotto-Masters-Reise. Aus Brinkumer Sicht gab es aber ein Trostpflaster: Kevin Kuhfeld wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt.

Es war eine Auszeichnung, die sich der Schlussmann redlich verdient hatte. Unerschrocken und wagemutig warf er sich in jeden Schuss – und mochte die Distanz noch so kurz sein. Bei der Wahl des besten Keepers konnte es letztlich nur einen geben. Ansonsten gestaltete sich das Turnier aus Brinkumer Sicht ähnlich wie in den vergangenen Jahren: Nach der Vorrunde war Schluss. „Die Jungs sollten in erster Linie Spaß haben“, schränkte Gabel den sportlichen Wert des Wettbewerbs ein, wobei er zugleich klar stellte, ein Fan des Turniers zu sein: „Das ist super organisiert, und es sind jedes Jahr viele Zuschauer da. Das kann man auch mal genießen. Aber die Punktspiele sind am Ende wichtiger.“

Im Hinblick auf die Rückserie in der Bremen-Liga konnte der Coach zweifelsohne keine Erkenntnisse gewinnen. Nach einem äußerst intensiven ersten Halbjahr am Brunnenweg standen die Zeichen schon eher auf wohlverdiente Winterpause.

Die Spieler entscheiden selbst

Wirklich böse war deshalb niemand nach dem Ausscheiden, auch wenn es doch einen etwas faden Beigeschmack hatte. Auch die rund 3000 Zuschauer waren nicht angetan. „Das war unfair, das war asozial“, skandierten die Fans der Blumenthaler, als FCO und SFL die Uhr ohne sichtliches Bestreben, nach vorn zu spielen, herunterlaufen ließen. In die Situation, das Weiterkommen nicht mehr in eigener Hand zu haben, hatten sich die Brinkumer allerdings selbst manövriert. Deshalb mussten sie sich schlussendlich an die eigene Nase fassen. Für die Spieler galt das besonders, denn sie durften Taktik und Wechsel selbst bestimmen. „Ein paar Tipps gebe ich aber schon“, sagte Gabel, der aber deutlich weniger emotional war als in der Punktspielrunde.

Eingreifen musste Brinkums Coach bereits im ersten Spiel. Denn da sah es schnall nach einer bitteren Klatsche aus: Nach sechs der 14 Minuten führte Oberneuland bereits mit 3:0 nach Toren von Timo Dressler und Leon Krämer (2). Wenn seine Jungs noch etwas wollten, müssten sie nun über das gesamte Feld draufgehen, warf Gabel ein. Brinkum spielte nun tatsächlich offensiver und mutiger. Die Elf vom Brunnenweg, bei der Kubilay Yalabik nach längerer Zeit wieder mitwirken konnte, kam durch Diyar Kücük und Hasan Dalkiran auf 2:3 heran – für den Ausgleich aber reichte die Zeit nicht mehr. Brinkum war zu spät erwacht und stand im zweiten Gruppenspiel schon unter Druck.

Kücük hält die Hoffnung am Leben

Der Start gegen die wie unter freiem Himmel äußerst bissigen Bremerhavener glückte mit einem Treffer durch Kapitän Maximilian Wirth, doch Simon Aulich in Überzahl und Sandro Felipa drehten die Partie. Kücük hielt die Hoffnungen auf das Halbfinale mit seinem Tor kurz vor dem Ende am Leben. Auch in diesem Spiel stand Keeper Kuhfeld im Blickpunkt – nicht nur wegen seiner Paraden: Er warf Aulich für einen Freistoß den Ball zu, der Bremerhavener sank zu Boden und erntete hämischen Applaus.

Brinkum brauchte also wie Blumenthal, das ebenfalls nur einen Punkt aus zwei Spielen geholt hatte, zum Abschluss einen Sieg für das Halbfinale – und natürlich Schützenhilfe eines der beiden Führenden. Die blieb allerdings aus.

Und selbst ein Gigant im Tor wie Kuhfeld konnte die zweite Niederlage nicht verhindern, obwohl Nicolai Gräpler, Hasan Dalkiran und Kubilay Yalabik zumindest die Chance auf einen Zähler lange Zeit am Leben gehalten hatten.

Weitere Informationen

Lotto-Masters in der ÖVB-Arena

Gruppe 1

Brinkumer SV – FC Oberneuland 2:3

Tore: 0:1 Timo Dressler, 0:2, 0:3 Leon Krämer, 1:3 Diyar Kücük, 2:3 Hasan Dalkiran

SFL Bremerhaven – Blumenthaler SV 2:1

Brinkumer SV – SFL Bremerhaven 2:2

Tore: 1:0 Maximilian Wirth, 1:1 Simon Aulich, 1:2 Sandro Felipa, 2:2 Diyar Kücük

FC Oberneuland – Blumenthaler SV 1:1

FC Oberneuland – SFL Bremerhaven 1:1

Blumenthaler SV – Brinkumer SV 4:3

Tore: 1:0 Jonathan Bondombe-Simba, 1:1 Nicolai Gräpler, 1:2 Hasan Dalkiran, 2:2 Moritz Hannemann, 3:2 Patrick Chwiendacz, 3:3 Kubilay Yalabik, 4:3 Daniel Younis-Obi

1. SFL Bremerhaven 5:4 5 (nach Entscheidungsschießen)

2. FC Oberneuland 5:4 5

3. Blumenthaler SV 6:6 4

4. Brinkumer SV 7:9 1


Gruppe 2

ESC Geestemünde – SG Aumund-Vegesack 1:3

Bremer SV – TuS Schwachhausen 2:5

ESC Geestemünde – Bremer SV 3:7

SG Aumund-Vegesack – TuS Schwachhausen 0:0

SG Aumund-Vegesack – Bremer SV 0:1

TuS Schwachhausen – ESC Geestemünde 2:3

1. Bremer SV 10:8 6

2. TuS Schwachhausen 7:4 4

3. SG Aumund-Vegesack 3:2 4

4. ESC Geestemünde 7:12 3


Halbfinale

SFL Bremerhaven – TuS Schwachhausen 2:3

Bremer SV – FC Oberneuland 2:4

Neunmeterschießen um Platz 3

SFL Bremerhaven – Bremer SV 9:10


Finale

TuS Schwachhausen – FC Oberneuland 1:2

Brinkumer SV: Kevin Kuhfeld – Hasan Dalkiran, Maximilian Wirth, Nicolai Gräpler, Kubilay Yalabik, Kevin Freistein, Jonas Knüppel, Dennis Krefta, Diyar Kücük, Hamudi Taha THR

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