Bremen-Liga

Ein Friesenjung am Brunnenweg

Jürgen Heijenga war in den vergangenen Jahren Mister Zuverlässig beim Brinkumer SV. Nun tritt er kürzer.
29.05.2019, 15:16
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Von Thorin Mentrup
Ein Friesenjung am Brunnenweg

Jürgen Heijenga kam 2013 zum Brinkumer SV. Zuletzt war der Innenverteidiger auch Vizekapitän der Elf vom Brunnenweg.

Thorin Mentrup

In einer Zeit, in der selbst der Amateurfußball allzu aufgeheizt und unruhig daher kommt, ist er ein angenehm unaufgeregter Gegenpol: Jürgen Heijenga konnte mit all den Vereinswechseln und dem Streben nach Geld nie etwas anfangen. „Fußball muss Spaß machen“, war sein Leitspruch, dem er stets treu blieb. Auch deshalb ist er beim Bremen-Ligisten Brinkumer SV so hoch geschätzt, auch deshalb dürfte er in der neuen Saison schmerzhaft vermisst werden. Der 32-jährige Verteidiger wird nämlich eine Fußballpause einlegen. „Jetzt spielen erst einmal andere Dinge eine größere Rolle“, verrät er. Nach sechs Jahren am Brunnenweg schließt sich das Kapitel Brinkumer SV – erst einmal zumindest.

Jürgen Heijenga wird den Verein nicht verlassen. „Mein Pass bleibt da. Wenn irgendwann mal nur zehn Spieler da sind, dann helfe ich natürlich“, wird er seinem BSV in der Not zur Seite stehen. Fest planen sollen die Brinkumer aber nicht mit ihm. Die Zeit, die er sonst auf dem Platz verbrachte, braucht Heijenga nun unter anderem für berufliche Verpflichtungen. Der Berufsschullehrer für Metalltechnik und Mathematik möchte in Zukunft auch Sport unterrichten und belegt deshalb ein zweijähriges Seminar. Und auch seiner Familie möchte er mehr Zeit schenken.

Mit dem Gedanken kürzer zu treten habe er bereits im vergangenen Jahr nach der Meisterschaft gespielt, verrät Heijenga. Er hätte dann aufgehört, als es am schönsten war. Stattdessen verabschiedet er sich nun mit einer Saison, die mit Rang acht alles andere als nach Wunsch verlief. „Es war schon so, dass ich mich häufig geärgert habe“, ging ihm die schwierige Spielzeit an die Nieren. Mit dem Verein habe sein Ausscheiden aber nichts zu tun. Im Gegenteil, der BSV ist Heijenga ans Herz gewachsen. „Brinkum hat mir immer beigestanden, wenn etwas war. Es hat mir die ganzen Jahre sehr viel Spaß gemacht, ich bin immer gern hingegangen.“ Und das seit 2013. Heijenga wohnte bereits in Bremen, spielte aber zunächst noch in Ostfriesland beim SV Frisia Loga, der gerade aus der Landesliga abgestiegen war. „Da war ich nach dem Training meist erst gegen Mitternacht zu Hause“, erinnert sich Heijenga. Sein Nachbar habe ihm dann gesagt, er kenne den Teammanager des Brinkumer SV, Frank Kunzendorf. „Und ‚Kunze‘ hat sich dann direkt am nächsten Morgen gemeldet. Er hatte sich schlau gemacht und wusste sehr viel. Dann ging es ganz schnell“, blickt der 32-Jährige zurück, der sich beim Training einen Eindruck verschaffte und dann zusagte. Bis heute ist der Friesenjung, wie ihn der ehemalige Stadionsprecher Detlev Allroggen in Anlehnung an seine ostfriesische Herkunft und einen Otto-Waalkes-Song nennt, Brinkumer geblieben. „Ich habe hier viele Freunde gefunden, mit denen ich auch heute noch Zeit verbringe“, spielte der menschliche Aspekt für Heijenga stets eine entscheidende Rolle. Unter anderem Jannik Bender, Esin Demirkapi, Marcel Dörgeloh, Joshua Brandhoff, Maximilian Wirth und Steffen Röpke sind ihm ans Herz gewachsen. „Ich hatte das große Glück, mit den richtigen Leuten spielen zu dürfen“, sagt Heijenga.

Sportlich passte es für ihn ohnehin. „Ich wusste, dass es für mich nicht höher geht“, ordnet er seine Qualitäten nüchtern ein. Die Bodenständigkeit ist Heijengas große Stärke: „Ich weiß, was ich kann, ich weiß aber auch, was ich nicht kann“, sagt er. Auch deshalb haben seine Trainer wie Frank Thinius, Kristian Arambasic und zuletzt Dennis Offermann auf ihn gesetzt. Heijenga war immer Mister Zuverlässig, der sich auf das konzentrierte, was er beherrscht. „Spieler wie Jürgen wünscht man sich“, hat Jörg Bender, mittlerweile Manager des BSV, einmal über Heijenga gesagt. „Das zeigt, dass ich nicht so viel falsch gemacht haben kann“, freut sich der Gelobte, der für seinen Platz im Team hart arbeitete. „Es ist nicht so, dass ich nichts dafür tun musste. Ich musste immer an meine Grenzen gehen.“ Benders Aussage bezieht sich vor allem auch auf den Charakter des Verteidigers, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. In Brinkum ist er Vizekapitän hinter Jannik Bender und ein wichtiger Ansprechpartner der Verantwortlichen. Heijenga geht voran. Er selbst sagt: „Das, was ich kann, das mache ich richtig und gebe dabei einhundert Prozent.“

Dank dieser Einstellung war er stets gesetzt. Vor diesem „verfluchten Jahr“ erlebte Heijenga aber auch etliche Höhepunkte. „Die Meisterschaft natürlich, aber auch die Aufstiegsrunde mit dem Sieg in Drochtersen gegen Ottensen und unserem Heimspiel gegen Oldenburg mit rund 1000 Zuschauern“, zählt er auf. Aber auch das Lottopokalfinale 2015 war trotz der 1:5-Niederlage gegen den Bremer SV ein Glanzlicht, ebenso wie das Trainingslager in der Türkei noch unter Thinius. Viele Erinnerungen nimmt Heijenga aus seiner Brinkumer Zeit mit in die nun sportlich ruhigere Phase. „Wie mir das bekommt, das weiß ich auch noch nicht. Ich bin gespannt“, sagt der 32-Jährige, der die Spiele des Brinkumer SV schon wegen seiner zahlreichen Freunde weiterhin verfolgen wird. Dann wird er allerdings nicht wie sie auf dem Platz, sondern hinter der Bande stehen. Eines ist sicher: Am Brunnenweg wird Heijenga immer willkommen sein.

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