100 Jahre Lingk und Sturzebecher in Stuhr Ein Herz für Hydraulik

Veränderungen hat es schon viele in der Geschichte von Lingk und Sturzebecher an der Carl-Zeiss-Straße gegeben. Nun steht eine weitere an.
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Von Ulf Buschmann

Stuhr. Bastian Fuhrken hat Großes vor. Ein Firmenneubau am Autobahndreieck Delmenhorst soll es sein. Die Tage am jetzigen Standort in Stuhr sind gezählt – sozusagen. Der Neubau ist ein bisschen Notwendigkeit, denn das Unternehmen, das Eigentümer der Immobilie ist, hat andere Pläne. Vor allem aber ist es für Bastian Fuhrken so etwas wie der endgültige Aufbruch zu neuen Ufern. Genau genommen hat es den schon vor zwei Jahren gegeben: Zum 1. Dezember hat Bastian Fuhrken ein Traditionsunternehmen wiedergegründet: Lingk & Sturzebecher. Der 34-Jährige ist alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer in einer Person.

Lingk & Sturzebecher steht seit 1919 für Hydraulik. Bastian Fuhrken umschreibt es so: „Bei uns geht es um alles, was mit Öl in Verbindung ist, also Zylinder, Aggregate, Systeme, Pumpen. Da fühlen wir uns zu Hause.“ Dies gelte sowohl für den Neubau als auch für die Reparatur. Und zwar für mobile und marine Anwendungen, aber auch für Maschinen, die beim Infrastrukturbau eingesetzt werden – Vortriebsmaschinen für den Tunnelbau etwa. Dies alles seien Sonderanwendungen im Kleinserienbereich und Sondermaschinenbau, erklärt der Geschäftsführer: „Dinge von der Stange machen andere.“ Von der Entwicklung und Konstruktion über die Erprobung und den Einbau kommt bei Lingk & Sturzebecher alles aus einer Hand.

Dabei kann das Unternehmen laut Bastian Fuhrken auf einen treuen Kundenstamm bauen. Ihm und seinen Mitarbeitern seien dabei die kleinen Betriebe aus der Region genauso wichtig wie die größeren Kunden, die in die Kategorie Global Player fallen. „Der Service ist uns wichtig“, beschreibt Bastian Fuhrken die Unternehmensphilosophie. Der Landwirt aus der Nachbarschaft, dem während der Ernte ein Schlauch reißt und der deshalb sein Getreide nicht einbringen kann, sei genauso wichtig, wie der Branchenführer mit dem gewinnträchtigen Großauftrag. „Wir besorgen auch mal eine Verschraubung für 2,50 Euro“, meint Geschäftsführer Fuhrken, „das lohnt sich in dem Moment nicht, aber es kann der Kunde von morgen sein.“

Diese Philosophie war es auch, die den amerikanischen Konzern Parker-Hannifin mit Sitz in Cleveland auf den norddeutschen Mittelständler aufmerksam werden ließ – aber eben nicht nur. Besonders interessant war Lingk & Sturzebecher, weil dessen damalige Inhaber Rohre für hydraulische Anwendungen aus Kohlefaser im Programm hatten. Dies schien ein gutes Geschäft zu versprechen, also kaufte Parker-Hannifin Lingk & Sturzebecher auf. Allerdings verschwand der Name nicht vom Markt, im Gegenteil. Bastian Fuhrken weiß: „Der Name war eingeführt.“

Jedoch: Das große Geschäft mit den Kohlefaser-Hydraulikprodukten blieb aus. Da kam es der amerikanischen Konzernmutter gerade recht, dass Bastian Fuhrken eine Idee hatte. Durch ein sogenanntes Managementbuyout (MBO) kaufte er Parker-Hannifin wesentliche Teile der Produkte, des Inventars und anderer Dinge inklusive des Namens Lingk & Sturzebecher ab. Nur ein kleiner Teil blieb bei den Amerikanern. Ihnen gehört unter anderem die Immobilie.

Den Schritt von der Anstellung unter einem Konzerndach hin zum Mittelständler vollzogen acht Mitarbeiter. Inzwischen zählt Bastian Fuhrken zwölf Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte zu seinem Stamm. Ab dem kommenden Jahr hat sich Bastian Fuhrken vorgenommen wieder auszubilden. Sein Team erwirtschaftet einen Umsatz von durchschnittlich zweieinhalb bis drei Millionen Euro jährlich. „Für 2020 stehen 60 bis 65 Prozent der Aufträge schon in den Büchern“, sagt Bastian Fuhrken.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er nicht bereut, im Gegenteil. „Mir macht mein Job Spaß“, nennt er als wichtigsten Antrieb, sich in das MBO hineinzuhängen. Auf Rang zwei steht das familiäre Betriebsklima gepaart mit der Work-Life-Balance, auf die Bastian Fuhrken viel Wert legt. Zum familiären Klima gehört unter anderem, dass alle Mitarbeiter gemeinsam Pause machen. Getrennte Räume für Verwaltung und Werkstatt gibt es bei Lingk & Sturzebecher nicht. Auf Rang Nummer drei der MBO-Antriebshitliste steht der hohe Identifikationsgrad mit den eigenen Produkten. Dies gelte im Übrigen für alle Mitarbeiter.

Und dann ist da noch die Lust von Bastian Fuhrken, „selbst etwas zu machen“. Er selbst war 2008 im Betrieb in der Werkstatt angefangen, absolvierte seine Meisterschule und wechselte 2013 von der Werkstatt ins Büro. Ein Jahr später teilte er sich mit einem Kollegen die örtliche Geschäftsleitung. Der Weg zum Herauskaufen von Lingk & Sturzebecher aus dem Schoß der amerikanischen Mutter war demnach nicht mehr weit.

Nun blickt Bastian Fuhrken bereits auf das Projekt Firmenneubau in Delmenhorst. Rund zwei Millionen Euro will er sich das alles kosten lassen. Der derzeitige Standort ist von Parker-Hannifin bereits vor einem Jahr verkauft worden. Außerdem, so Bastian Fuhrken, sei das Areal für sie viel zu groß. Gerne wäre er in Stuhr geblieben, doch in der Gemeinde gebe es derzeit keine passenden Flächen. Aber der Umzug ans Autobahndreieck hat auch Vorteile, sagt der Firmenchef. So werde für einen Großteil der Mitarbeiter der Weg in die Firma kürzer.

Und Bastian Fuhrken selbst kann viel einfacher seiner neben Lingk & Sturzebecher zweiten Leidenschaft nachkommen, von der ein großes Bild an seiner Bürowand zeugt. Zusammen mit Tammo Renken gründete er 2012 den Traditionsverein SV Atlas Delmenhorst wieder.

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