Behindertenhilfe in Brinkum

Ein kleines Stück Teilhabe

Für die Familie des mehrfach schwerst behinderten Mike Schoon ist ein Kleintransporter in Brinkum dank Spenden und ehrenamtlicher Arbeit umgerüstet worden.
20.12.2019, 17:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Weßel
Ein kleines Stück Teilhabe

Britta Schoon schiebt ihren Sohn Mike in seinem Rollstuhl auf die Rampe des in Brinkum umgebauten Transporters.

Vasil Dinev

Auf den ersten Blick sieht er aus wie jeder andere. Doch im Inneren verbirgt sich sein Geheimnis. Im hinteren Bereich des Laderaums des Kleintransporters finden sich nämlich keine Sitze oder eine Ladefläche, sondern eine ausklappbare Rampe. Es ist das neue behindertengerechte, mobile Zuhause für Mike und seinen Rollstuhl, das für seine Eltern Britta Schoon und Wolle Schreiber einen großen Schritt darstellt. „Das bedeutet eine große Erleichterung“, so Schreiber.

Der Transporter ist mithilfe von Spendengeldern, die der lokale Radiosender „Radio 90.vier“ aus Ganderkesee und das Kinderhilfswerk International Children Help (ICH) gemeinsam gesammelt haben, umgebaut worden. Der Umbau fand bei dem Unternehmen Aufbau-Service-Poweleit und Petersen in Brinkum statt. Diesen leisteten die Mechaniker übrigens ehrenamtlich, sodass die Kosten um mehrere hundert Euro gedrückt werden konnten. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Umbauten für eingeschränkte Menschen.

Die Vorgeschichte der nötig gewordenen Umrüstung begann im Januar 2019. Als Britta Schoon und Wolle Schreiber gerade ihren Jahresurlaub auf Gran Canaria verbrachten, klingelte ihr Telefon, es sollte wohl das schlimmste Telefonat ihres gemeinsamen bisherigen Lebens werden.

Ihr gemeinsamer Sohn Mike ist seit seiner Geburt mehrfach schwerstbehindert, doch er vermochte bis dahin zu essen, zu trinken und konnte eigenständig laufen und stehen. Doch während seine Eltern im Urlaub waren, erkrankte ihr Sohn, der sich während der Urlaubszeit in Betreuung befand, schwer. „Hier begann wahrhaftig ein mehrmonatiges Martyrium“, erinnert sich Britta Schoon zurück. Die Eltern eilten zurück nach Deutschland, wo sie ihren Sohn in einem denkbar schlechten Zustand im Krankenhaus antrafen: Für mehrere Wochen lag Mike auf der Intensivstation, davon den Großteil im künstlichen Koma. „Die Ärzte hatten wenig Hoffnung“, weiß sie noch zu gut. Doch Mike schaffte es, er überlebte, doch die Zeit ging nicht schadlos an ihm vorbei. Trotz langer Rehabilitation, viel Mühe der Eltern und von ihm selbst bei der mehrmals die Woche stattfindenden Krankengymnastik kann er bisher nicht wieder laufen und stehen. Zudem isst er nichts, er muss per Sonde ernährt werden.

„Da war uns klar, dass wir uns verändern müssen“, sagt Wolle Schreiber. Genug Geld für ein neues Auto hatten sie, aber nicht, um auch den mitunter mehr als 10 000 Euro teuren Umbau zu bezahlen. Doch sie hatten Glück. „Wir haben, ohne es zu wissen, die richtigen Personen getroffen.“ Damit ist zum Beispiel der Verkäufer des neuen Autos gemeint, über diesen kam der Kontakt zum Radiosender „Radio 90.vier“ zustande. Dieser stellte nach einigen Gesprächen und dem Entschluss der Familie zu helfen die Verbindung zu ICH her. Einige Großspender und auch etliche Kleinspender verhalfen auf diesem Wege der Familie, die Umbaukosten von mehr als 6000 Euro zu tragen.

Von Beruf ist Britta Schoon eigentlich Krankenschwester im Klinikum Links der Weser, aber aktuell ist sie krank geschrieben. Die Ereignisse vom Januar bereiten ihr bis heute große Probleme. Wolle Schreiber arbeitet als Schichtleiter bei einer Spedition. Seine Lebensgefährtin kümmert sich derzeit Vollzeit zuhause um den gemeinsamen Sohn. „Der Tag geht von morgens acht bis abends acht“, erzählt sie. „Und dann bin auch ich platt, also wenn Mike im Bett ist, dann falle auch ich eine halbe Stunde später in die Kissen.“ Etwas Entlastung erhält sie im Alltag seit einigen Wochen durch die Arbeiterwohlfahrt, die Mike drei Stunden am Tag in einer Förderstätte aufnimmt. „Doch länger schafft er es nicht und auch ich schaffe es nicht, ihn länger loszulassen.“ Zu groß sei noch die Angst, dass etwas passieren könnte.

Das Auto soll nun dabei helfen, dass das Leben von Mike schöner wird. „Er muss wieder positive Erlebnisse sammeln“, sagt sein Vater. Die Ereignisse von Anfang des Jahres und die lange Krankheit hätten auch Mike sichtlich psychisch angegriffen. Die kleine Familie möchte während der ersten Fahrten mit dem neuen Transporter auch alle Großspender besuchen und sich persönlich bedanken, denn „nun ist wieder eine Teilhabe am Leben für Mike möglich“, freut sich sein Vater.

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