Veranstaltung auf Gut Varrel Ein Tag im Zeichen des Radfahrens

Auf dem Gutsgelände in Varrel soll am 29. Mai der erster Stuhrer Tag des Rades stattfinden. Mit der Veranstaltung soll der Fokus auf die Verbesserung des Radverkehrs in der Gemeinde gelegt werden.
10.04.2022, 15:45
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Ein Tag im Zeichen des Radfahrens
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Dass die Bedingungen für den Radverkehr verbessert werden müssen, damit die angestrebte Verkehrswende gelingen kann, da sind sich zumindest in Stuhr fast alle Beteiligten einig. Eine interparteiliche Lenkungsgruppe aus Vertretern von SPD, CDU, Grünen und FDP organisiert jetzt für Sonntag, 29. Mai, den ersten Stuhrer Tag des Rades unter dem Motto "Stuhr fährt Rad!" auf Gut Varrel. Mit der Veranstaltung mit einem umfangreichen Programm soll das öffentliche Interesse auf den Radverkehr gelenkt werden. Das gemeinsame Ziel bildet die "Förderung des sicheren Fahrradverkehrs".

"Allen Parteien liegt das Thema Fahrradfahren am Herzen", sagt Gerd Harthus aus der Lenkungsgruppe. Daher habe sich das Team "aus der Mitte des Rates" gebildet, berichtet Harthus, der für die SPD im Stuhrer Gemeinderat sitzt, weiter. Die Sozialdemokraten waren es auch, die einen Antrag zur Ausrichtung eines Tags des Rades gestellt hatten.

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Obwohl sich die Parteien einig sind, sei die Förderung des Radverkehrs in der Gemeinde "nicht so einfach", sagt Harthus. Zum einen gebe es das Problem unterschiedlicher Zuständigkeiten, erklärt Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte. Zwar seien sowohl Bund, Land, Landkreis und Gemeinde am Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer interessiert, die jeweiligen Zuständigkeiten für die einzelnen Straßen würden aber eine Koordination erschweren. "Wir wollen den Radverkehr attraktiver gestalten. Das geht nur über durchgängige Radwege", betont Korte. Dafür sei dann aber ein übergeordnetes Konzept vonnöten. So hat sich zum Beispiel schon der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen des Problems angenommen.

Zum anderen stößt die Gemeinde in ihrem eigenen Gebiet beim Ausbau von Radwegen an Grenzen. An vielen Straßen seien neue Wege schlichtweg nicht möglich, so Korte. "An vielen Stellen gibt es die Bebauung kaum her", sagt der Bürgermeister. "In der Gemeinde haben wir im Wesentlichen historische Straßen. Teils mit enger Bebauung, teils auch ausgestattet mit Alleen", ergänzt Jürgen Timm von der Stuhrer FDP. Ein Großteil der Straßen in Stuhr habe keinen Radweg, schon seit Jahren befasse sich der Gemeinderat mit dem Thema, bemängelt der ehemalige Ratsherr und jetziges Mitglied der Lenkungsgruppe. 

"Die ganze Infrastruktur ist auf das Auto ausgerichtet", fasst Wilhelm Meerkamp, ebenfalls Mitglied der Lenkungsgruppe, zusammen. An vielen Orten würden auf den Radwegen Gefahrenquellen wie Stromkästen oder Bewuchs lauern. Einige Wege seien in einem "jämmerlichen Zustand". An anderen Orten könne nicht einmal die Mindestbreite der Radwege eingehalten werden, ergänzt Jürgen Timm. Dort gebe es Probleme, wenn sich Verkehrsteilnehmer begegnen. Erst recht, wenn es sich um Lastenräder oder auch therapeutische Fahrräder handelt, unterstreichen er und Arno Büchel, der auch in der Lenkungsgruppe sitzt. Hinzu kommen Menschen mit Rollator oder Scooter. Vieles davon sei das Ergebnis von "70 Jahren fehlgeleiteter Verkehrspolitik", sagt Stephan Korte mit Blick auf die Unterentwicklung der Fahrrad-Infrastruktur.

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Aber auch das Fahrverhalten von Radfahrern habe sich durch den Trend zum E-Bike verändert. "Sie fahren längere Strecken", sagt Wilhelm Meerkamp. Ihm gehe es darum, die Radwege "auf ein anderes Niveau zu heben", erklärt er. "Wir brauchen eine Lobby für Radfahrer", betont Meerkamp und weiter: "Wir dürfen keine Lösung ausschließen." Das ist auch das Ziel der Lenkungsgruppe, die gemeinsam mit dem Rat und der Verwaltung ein Fahrradkonzept anschieben will. Die Gemeinde habe bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, das prüfen soll, was die Gemeinde selbst leisten kann, berichtet Stephan Korte. Gerade im ländlichen Bereich sei die Notwendigkeit eines Autos noch groß. Daher bedürfe es gerade dort eines attraktiven ÖPNV sowie attraktiver Radwege. "Viele sind am Radfahren interessiert. Verordnen kann man es aber nicht, nur attraktiver machen", sagt der Bürgermeister.

Dabei komme dann auch die Vernetzung mit den Nachbargemeinden ins Spiel, so Korte weiter. Anlässlich der mit der Gemeinde Weyhe geplanten Teilnahme am Leader-Förderprogramm der EU könnte auch der Radverkehr eine Rolle spielen. Zum anderen sollen auch die geplanten Haltestellen der Linie 8 radfreundlich gestaltet werden, sagt der Stuhrer Bürgermeister.

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Bei der Vernetzung der Gemeinden rücken dann auch Feld- und Wirtschaftswege ins Blickfeld. In einem Antrag forderten vor Kurzem die Stuhrer Sozialdemokraten bereits einen Ausbau des Niedersachsendamms von Erichshof hin zur Diepholzer Straße auf Stuhrer Gemeindegebiet (wir berichteten). Auch die Lenkungsgruppe selbst habe bereits ihre Fühler in Richtung Weyhe ausgestreckt. So gab es erste Gespräche mit der AG Fahrrad aus Weyhe, berichtet Arno Büchel. Möglich wäre laut ihm auch, dass der Tag des Rades immer abwechselnd in den beiden Gemeinden stattfindet.

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Über all diese Themen und noch viel mehr soll dann auch beim Tag des Rades gesprochen werden, sagt Gerd Harthus. "Wir wollen mit der Öffentlichkeit in Diskurs treten", fasst er das Vorhaben zusammen.

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Programm des ersten Stuhrer Tag des Rades

Das Programm für den Tag des Rades am Sonntag, 29. Mai, von 11 bis 17 Uhr auf Gut Varrel soll breit gefächert sein. Zwischen 11 und 11.30 Uhr soll der Tag durch Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte, der als Schirmherr agiert, eröffnet werden. Musikalisch wird die Eröffnung von der Varreler Musikschule Reckeweg untermalt. Von 11.30 bis 12.30 Uhr findet dann eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Die Perspektiven des Radfahrens in Stuhr" statt. Im Anschluss bis 13.30 Uhr folgt ein Bildervortrag unter dem Titel "Mit dem Rad vom Nordkap nach Sizilien“ von Wolfgang Pankalla im Gutshaus.

Das Musikprogramm von 13.30 bis 14.30 Uhr gestaltet der Kinder-Musiker Heiner Rusche mit seinem Programm "Live und Bike". Von 14 bis 15 Uhr gibt es einen Vortrag unter dem Titel "GPS – Radreisen und Navigation“ von Frank Heinrich und Bernd Batke vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) im Gutshaus. Zwischen 15 und 16 Uhr folgt ein Bildervortrag zum Thema "Nordsee-Cycle durch sechs Länder“ von Wolfgang Pankalla ebenfalls im Gutshaus. Für musikalische Unterhaltung soll von 14.30 bis 16.30 Uhr die Band Die Peanuts aus Bremen mit Swing, Klezmer, Schlager und Rock ’n' Roll sorgen.

Ganztägig von 11 bis 16 Uhr bietet der ADFC Stuhr das Codieren von Fahrrädern, Pedelecs und E-Bikes auf dem Parkplatz vor dem Gut Varrel an. Die Verkehrswacht baut einen Parcours auf, auf dem sowohl Kinderroller und Laufräder als auch Pedelecs und E-Tretroller getestet werden können. Außerdem schult ein Fahrradsimulator die sichere Verkehrsteilnahme von Kindern.

Bereits ab 10 Uhr veranstaltet der Radsportclub (RSC) Stuhr eine geführte Rennradtour mit Länge von rund 80 Kilometern, die gegen 12.30 bis 13 Uhr das Gut Varrel erreichen soll. Dazu werden rund 80 bis 100 Teilnehmer erwartet. Außerdem sollen verschiedene Sternfahrten des ADFC aus Syke, Weyhe und Delmenhorst das Gutsgelände als Ziel haben.

Für Kinder gibt es neben Testfahrten mit dem Fahrrad auch eine
Hüpfburg. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) begleitet die Veranstaltung mit ihrem Erste-Hilfe-Team und präsentiert einen Infostand. Die Firmen Thera Mobil, Zweirad Garmhausen und der Zweiradmarkt Huchting präsentieren außerdem Lasten- und Dreiräder, E-Bikes und andere Highlights aus ihrem Sortiment. Für das leibliche Wohl sorgen die Gastronomen der Wassermühle Gut Varrel.

Weitere Informationen gibt es online unter www.stuhrfaehrtrad.de sowie in den Sozialen Netzwerken unter www.facebook.com/stuhrfaehrtrad und www.instagram.com/stuhrfaehrtrad/. Unterstützt wird die Veranstaltung auch von der Polizei, der Brinkumer Interessengemeinschaft (Big), der Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen (Isu) und der Kreissparkasse Syke.

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