Erstes Trauercafé in Stuhr

Ein geschützter Raum für Trauernde

In der Gemeinde Stuhr startet zum 1. August das erste Trauercafé in der Gemeinde. Angeboten wird das Treffen für Trauernde in Brinkum vom Hospizverein Stuhr.
18.07.2021, 15:22
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein geschützter Raum für Trauernde
Von Esther Nöggerath
Ein geschützter Raum für Trauernde

Marianne Weyh (links) und Christina Zeiss (rechts) werden das neue Trauercafé in Brinkum zusammen mit einer weiteren Moderatorin im Wechsel führen. Die Idee für ein solches Café hatte Hospizverein-Koordinatorin Ursula Krafeld (Mitte) schon lange.

Esther Nöggerath

Stuhr. Wenn Menschen einen geliebten Angehörigen oder Freund verlieren, kann einem das den Boden unter den Füßen wegziehen. Damit man mit seiner Trauer und seiner Angst nicht allein ist, will der Hospizverein Stuhr ab sofort ein eigenes Trauercafé in der Gemeinde anbieten. "Es soll ein Ort sein, an dem Trauernde die Möglichkeit haben, sich zu äußern, über ihre Erfahrungen, Nöte und Ängste zu sprechen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen", erklärt Marianne Weyh, die als erfahrene Trauercafé-Begleiterin das Trauercafé zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern des Hospizvereins führen wird.

Angelegt werden soll das Trauercafé als eine Art Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat in Brinkum trifft. Zunächst soll es eine Begrüßungs- und Vorstellungsrunde geben, anschließend gibt es dann ein Kaffeetrinken, bei dem sich die Teilnehmer über ihre Alltagsprobleme und Sorgen austauschen können. Danach ist dann eine Gesprächsrunde über Trauerfragen angedacht. "Das wird den größten Teil einnehmen", so Weyh. Zum Ende des Treffens gibt es dann noch ein Abschiedsritual, bei dem jeder noch einmal sagen kann, was er sich Positives für die nächsten vier Wochen vorgenommen hat und mit welchem Gefühl er nun nach Hause geht. "Wir hoffen, dass sich die Menschen bei uns wohl fühlen und etwas davon mitnehmen können", erklärt Weyh, die viele Jahre ehrenamtlich bei Trauerland in Bremen gearbeitet hat.

Weyh leitet und moderiert die Treffen beim Trauercafé dann zusammen mit Daniela Pursche und Christina Zeiss, die sich dafür beide extra fortgebildet haben. "Ich arbeite seit fünf Jahren als ambulante Sterbebegleiterin", erzählt Zeiss. "Das Trauercafé ist jetzt eine neue, spannende Aufgabe für mich." Wenn sie und Pursche sich irgendwann sicher genug fühlen und einige Treffen bereits mitgemacht haben, könnten sie dann langfristig auch irgendwann ohne Weyh mal einen Termin des Trauercafés übernehmen. "Wir werden aber immer zu zweit vor Ort sein", betont Zeiss. So bestehe auch mal die Möglichkeit, bei dringenden Problemen ein Gespräch unter vier Augen mit einem Teilnehmer zu führen, während sich die andere Begleiterin mit der restlichen Gruppe beschäftigt.

Wichtig ist den Moderatorinnen auch, dass das Trauercafé ein geschützter Raum ist, aus dem nichts nach außen dringt. Auch, wer sich nicht gleich öffnen mag, ist willkommen. "Es kann sein, dass jemand direkt reinplatzt und in Tränen ausbricht, aber auch, dass jemand nur stumm da sitzt und seine Zeit braucht, bis er etwas sagt", erzählt Weyh, die beides schon erlebt hat. Wenn es ganz schwierig wird, vermitteln die Moderatorinnen aber auch an entsprechende Stellen weiter. "Wir sind ja keine Therapie", betont Weyh.

Bei den Treffen soll es aber nicht nur um die Probleme und Ängste der Teilnehmer gehen, sondern auch um positive Erlebnisse oder auch einfach um Informationen, die ausgetauscht werden. "Bei Trauercafés wird auch viel gelacht", kann Weyh aus ihrer Erfahrung berichten.

Für Hospizverein-Koordinatorin Ursula Krafeld geht mit dem Trauercafé nun ein Herzensanliegen in Erfüllung. "Ich persönlich habe schon lange den Wunsch, ein Trauercafé hier in Stuhr zu etablieren", erzählt sie. Allerdings habe der Verein bislang nicht die Möglichkeit gehabt, ein solches verlässlich anbieten zu können. Das änderte sich nun durch Marianne Weyh, die sich nach einem Zeitungsbericht bei Krafeld gemeldet hatte.

Als Veranstaltungsort für das Trauercafé ist das Haus Lohmann vorgesehen, das erste Treffen findet allerdings aufgrund der einzuhaltenden Abstandsregeln wegen der Corona-Lage wohl zunächst im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Brinkum statt. Auch ein Hygienekonzept wird es entsprechend geben. Wegen der Kontaktbeschränkungen ist die Gruppe auch zunächst begrenzt auf acht Teilnehmer plus zwei Moderatorinnen. "Wenn wir jetzt wirklich sehr viel mehr Anmeldungen bekommen sollen, müssen wir uns überlegen, wie wir das bewältigen können", erklärt Weyh. Und Krafeld ergänzt: "Das visionäre Ziel ist, irgendwann überall in den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde Trauercafés zu etablieren." Dafür bedürfe es aber auch entsprechender qualifizierter Begleiter.

Zur Sache

Anmeldung erforderlich

Das Trauercafé findet ab sofort jeden ersten Sonntag im Monat von 16 bis 18 Uhr in Brinkum statt. Erster Termin ist der 1. August. Für die Teilnahme am Trauercafé ist eine telefonische Anmeldung unter der für das Trauercafé eigens eingerichteten Rufnummer 01525/1416815 erforderlich. Bei der Anmeldung wird den Teilnehmern dann auch der genaue Ort des Treffens mitgeteilt. Für Getränke und Gebäck ist gesorgt. Das Angebot ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+