Ferienspaß in Stuhr

Bild für Bild zum Film

An der Kunstschule Stuhr drehen Kinder eigene Trickfilme mit selbst gebastelten Akteuren und Kulissen. Aus vielen Bildern, die per Handy-App aneinander gereiht werden, entsteht das digitale Daumenkino.
23.07.2020, 16:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Desiree Bertram

Wolken ziehen auf und ein Gewitter samt Blitz und Donner droht sich zu nähern. An einer viel befahrenen Straße sind einige Passanten unterwegs – der Weihnachtsmann und ein Zwerg fahren in ihren Autos vorbei. „Stopp! Das reicht schon“, ruft Timon und knipst schnell ein Foto. Luca schiebt daraufhin das Auto des Zwergs wieder ein kleines Stückchen weiter und Timon betätigt erneut den Auslöser seiner Handykamera. Gespannt schauen die beiden Geschwister Kolja und Freya ihren Gruppenmitgliedern beim Dreh zu und bringen ihre Ideen ein. Mit Hilfe einer App auf dem Handy werden die vielen einzelnen Bilder aneinandergereiht und abgespielt – so entsteht in dem Workshop an der Kunstschule Stuhr (Kuss) derzeit ein eigener Trickfilm in der Stop-Motion-Technik.

Die selbst gebastelte Kulisse aus Lego, Figuren und Pappe stellt eine heikle Verkehrssituation dar. Der Hintergrund besteht aus einem gemalten Bild mit Bäumen, Gewitterwolken und Blitzen. „Hier soll ein Drama entstehen“, erklärt der elfjährige Luca. „Ein Autounfall passiert und die Polizei kann nicht helfen. Dann kommt es zu einer Explosion“, ergänzt der neunjährige Timon. Aber das sei noch nicht alles – es finden Kämpfe statt und gefährliche Schlangen entdecken den Unfallort. Die Situation erscheint aussichtslos, doch dann kommt ein riesiger Bus aus einem Sumpf und vernichtet alle Schlangen. „Zum Schluss gibt’s ein Happy End“, sagt Luca. Einen Titel für ihren dramatischen Trickfilm wollen sich die vier Schüler noch überlegen.

Bei dem Sommerferienprojekt „Trickfilm… auf einmal bewegt es sich“ lernen die Teilnehmer den Legetrickfilm und die Stop-Motion-Technik kennen. Kulissen und Akteure entstehen aus verschiedenen Materialien und Gegenständen. Neben Knete, Lego, Papier und Wolle werden auch Marshmallows oder ein Teddy genutzt. Thematisch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – von Rittergeschichten bis hin zu verschwindenden Schokoküssen ist alles dabei.

Bereits im vergangenen Jahr war der Kurs für Trickfilme begehrt, wie Kunstpädagogin Melanie Schneider erzählt, die das Projekt gemeinsam mit Sozialpädagogin Claudia Mayr und Janka Loos, angehende Kunstpädagogin, organisiert. „Wie beim letzten Mal gibt es auch diesmal eine sehr große Nachfrage“, sagt Schneider. Das derzeitige Trickfilm-Projekt wird coronabedingt von einer Person mehr betreut. So können die 18 Teilnehmer zwischen sechs und zwölf Jahren in drei Kleingruppen mit jeweils einer Betreuerin unterteilt werden. „Die drei Gruppen sind im täglichen Wechsel immer in einem anderen Raum, in dem jeweils etwas anderes angeboten wird – beispielsweise Knete oder Papier und Wolle. Die Kinder sollen möglichst in ihren Gruppen bleiben und wir achten auf regelmäßiges Händewaschen“, erzählt sie weiter.

Durch die Einschränkungen der Pandemie werde es diesmal keine Präsentation der einzelnen Filme für die Eltern und Verwandten geben, fügt Claudia Mayr hinzu und betont: „Wir laden alle Trickfilme aber bei Dropbox hoch. So können alle darauf zugreifen.“ Diese digitale Möglichkeit biete zudem eine gute Alternative zur herkömmlichen Foto-CD, da viele neuere technische Geräte diese nicht mehr abspielen. Außerdem können die Trickfilme digital einfach verschickt werden. „Am Anfang war gar nicht sicher, ob das Programm in den Sommerferien stattfinden kann. Dann kam die Erleichterung, als die Gemeinde dies in kleinen Gruppen wieder erlaubte“, berichtet Schneider rückblickend. Die Kleingruppen seien altersmäßig gegliedert und Freunde oder Geschwister würden nicht getrennt. „Die Kinder dürfen sich aussuchen, mit wem sie in eine Gruppe möchten“, sagt Mayr.

Am meisten Freude hatten die Pädagoginnen dabei, zu sehen, wie kreativ und eigenständig die Kinder vorgehen und ihre Ideen umsetzen. „Wenn man sieht, dass die Kinder das Prinzip im Laufe der Woche verstehen, ist das toll. Sie machen einen großen Fortschritt und sehen, wie aus den vielen kleinen Schritten ein kurzer Film entsteht“, sagt Schneider mit einem Lächeln. Sie merkt an, dass es aber manchmal schwierig sei, die Kinder in ihrem Bewegungsdrang zu stoppen: „Kinder wollen von Natur aus toben.“ Da ein kurzer Trickfilm mindestens etwa 50 Bilder braucht, sei da schon Konzentration gefragt – es ist ein kreativer Prozess. Janka Loos, die sich derzeit am Ende ihres Studiums „Kunst im Sozialen“ befindet, gefällt der techniknahe Aspekt des Projekts: „Die Kinder sind motiviert, selbstständig und vor allem kreativ. Vieles ergibt sich spontan und ohne große Planung.“

Luca und Timon kannten die Produktion eines Trickfilms bereits. Im vergangenen Jahr nahmen sie an einem Roboter-Projekt der Kuss teil. „Dort haben wir am Ende auch schon Trickfilme gemacht“, erklärt Luca. Kolja und Freya sind traurig, dass nun am Freitag das Projekt endet. „Am liebsten würde ich ganz lange bleiben. Wir haben viel gelernt und Zuhause können wir auch Trickfilme drehen“, sagt Freya und Kolja stimmt zu: „Es hat Spaß gemacht, die eigenen Ideen umzusetzen.“

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