Figurengruppe im Heiligenroder Mühlenteich Seit 25 Jahren ein sprudelnder Blickfang

Ihre Abschlussarbeit wurde zur Dauerausstellung: Vor 25 Jahren schuf die damalige Kunststipendiatin Petra Förster die wasserspeiende Figurengruppe im Heiligenroder Mühlenteich.
07.08.2020, 17:40
Lesedauer: 3 Min
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Seit 25 Jahren ein sprudelnder Blickfang
Von Claudia Ihmels

Das Wasser sprudelt aus diversen Körperöffnungen: Aus dem Mund, aus der Nase, aus den Ohren, aus dem Kopf und aus den Brüsten. Jede Figur ist unterschiedlich, doch gemeinsam bilden sie ein Kunstwerk, das mittlerweile neben dem Mühlenensemble zu einer Attraktion in Heiligenrode geworden ist. Die Installation „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ wurde vor 25 Jahren von der Braunschweiger Künstlerin Petra Förster geschaffen. Sie war damals Stipendiatin der Künstlerstätte Heiligenrode und erinnert sich auch heute noch gut an ihre Zeit in der Gemeinde Stuhr. Mehr noch: Eine zufällige Begegnung in Heiligenrode hat sie bis heute geprägt.

Petra Förster lebte 1995 als Stipendiatin in der Künstlerstätte Heiligenrode. Kurz vorher hatte die damals 30-Jährige ihr Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig abgeschlossen. „Es war eine sehr wertvolle Zeit“, sagt Petra Förster über ihren zehnmonatigen Aufenthalt in Heiligenrode. „Ich mag die Natur und fand es einen sehr schön gelegenen Ort“, fügt sie hinzu.

Ihr Interesse galt außerdem schon während des Studiums dem Element Wasser. „Ich wollte schon immer einen Brunnen bauen“, sagt die Künstlerin. So wuchs die Idee, den nur wenige Meter von der Künstlerstätte entfernt gelegenen Mühlenteich in ihre Abschlussausstellung einzubeziehen. Die Verbindung von Wasser und Mensch wollte sie thematisieren ebenso wie den Kreislauf des Wassers. Spielerisch habe sie an das Thema herangehen wollen. Wie dabei ein schönes Bild entstehen kann, sei ihr ebenfalls wichtig gewesen. Das Wasser sollte auch als Verbindung zwischen der Skulptur und der Umgebung dienen.

Die Keramikfiguren haben dabei tatsächlich existierende Menschen zum Vorbild. Zwar nicht optisch, aber mit ihrem Verhalten haben sie Petra Förster inspiriert. Zeitgleich mit ihr war zum Beispiel Tom Otto Stipendiat in Heiligenrode. „Er hat bei der Arbeit immer Musik gehört“, erinnert sich die Künstlerin und erklärt, dass deshalb bei einer Figur das Wasser aus den Ohren sprudelt. Die Idee zu der Figur, bei der das Wasser aus dem Kopf kommt, hatte Petra Förster durch den Kontakt zu der Bürsteler Bildhauerin Anke Nesemann, die sie während des Stipendiums kennengelernt hatte. „Anke ist immer auf Sinnsuche“, erklärt Petra Förster ihren Gedanken dahinter. Als Selbstporträt ist hingegen die Figur entstanden, bei der das Wasser aus den Brüsten fließt. Petra Försters Söhne waren damals noch klein, in der Skulptur hat sie sich mit ihren beiden Rollen als Mutter auf der einen und der Künstlerin auf der anderen Seite auseinandergesetzt.

Heute sind die Figuren auf Stelen fest im Mühlenteich verankert – zumindest während der wärmeren Monate, im Winter werden sie eingelagert. Vor 25 Jahren, zu Petra Försters Abschlussausstellung, handelte es sich jedoch um ein schwimmendes Kunstwerk. „Es war sehr aufwendig“, berichtet die Künstlerin, die dabei von ihrem Vater unterstützt wurde. Die Schwimmkörper seien auf selbstgebauten Flößen befestigt gewesen. „Der Nachteil an den Stelen ist, dass man den Rand sieht, wenn das Wasser im Teich niedrig ist“, sagt sie.

Auch ahnte sie damals nicht, dass das Kunstwerk zur Dauerausstellung in Heiligenrode werden sollte. Denn mit Hilfe einiger Sponsoren kaufte die Gemeinde Stuhr anschließend die wasserspeiende Figurengruppe. „Das Material ist vergänglich, Bronze wäre besser, hätte aber auch nicht diesen Effekt“, spielt sie darauf an, dass die Figuren von Weitem fast als badende Menschen erscheinen. Umso mehr freut es die Künstlerin, dass die Keramikfiguren von der Gemeinde Stuhr gepflegt werden und so immer noch in einem guten Zustand sind. „Es ist toll, dass es so wirken kann. Mich freut, dass die Leute sich daran freuen“, ist sie auch stolz.

Ihr eigenes Leben hat die Zeit in Heiligenrode aber noch auf ganz andere Art und Weise geprägt. Neben vielen guten Erinnerungen – an die netten Kontakte im Ort etwa im Buch- und Schreibwarenladen nebenan, an den Heimatverein und seinen frisch gebackenen Butterkuchen sowie die Unterstützung durch den damaligen Stuhrer Kulturkoordinator Edgar Wöltje – war das vor allem ein Kurs über Zen-Buddhismus. Der Dozent habe damals auf der Suche nach den Kursräumen bei ihr geklingelt, sie kamen ins Gespräch und Petra Förster nahm spontan an dem Kurs teil. Das Thema lässt sie bis heute nicht mehr los. „Ich habe zu Tonfiguren geforscht und sogar ein Institut gegründet“, verrät Petra Förster, die in Braunschweig lebt. Dort befindet sich auch das Institut, an dem der Bau vom Buddha-Statuen erlernt werden kann. Zudem hat Petra Förster seit 2013 einen Lehrauftrag für Keramische Plastik an der Fachhochschule Hannover.

Eine Sache, die sie in ihrer Zeit in Heiligenrode dann doch nicht realisieren konnte, fällt ihr aber auch noch ein. „Ich will immer noch einen Brunnen bauen“, sagt sie. Denn der war in Heiligenrode mit dem Mühlenteich ja quasi schon da.

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