Fußball

Brinkumer SV greift ins richtige Regal

Mit Can Ercan und Eugen Uschpol sichert sich Bremen-Ligist Brinkumer SV zwei ehrgeizige Neuzugänge aus der Oberliga Niedersachsen.
02.06.2020, 15:35
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
Brinkumer SV greift ins richtige Regal

Einen überragenden linken Fuß bescheinigt Mike Gabel dem Defensivspieler Eugen Uschpol, der vom Arenkamp an den Brunnenweg wechselt.

Björn Hake

Wenn es darum geht, neue Spieler zu verpflichten, spricht man im Fußballjargon gern vom Griff ins Regal. Das ist es ein bisschen wie beim Shoppen: Je nach Klasse und Qualität wird sortiert. Wenn der Preis stimmt, und wenn sie sich – und das ist der große Unterschied im Vergleich zum Gang in den Einkaufsladen – denn mit den Akteuren einig werden, können die Klubs zugreifen. Als Coach des Bremen-Ligisten Brinkumer SV weiß zum Beispiel Mike Gabel, dass es Spieler gibt, die für den Klub vom Brunnenweg eigentlich unerreichbar sind. Die zu gut sind, die zu viel Klasse für die fünfte Liga haben, die manchmal aber auch schlicht und ergreifend zu teuer sind. Auch das ist wie im realen Leben. Das Budget ist begrenzt. Doch manchmal finden sich im Regal auch Überraschungen. Spieler also, die eigentlich unerreichbar scheinen und nun doch zu haben sind. Dann muss man da sein, mit Ideen, Konzepten und Visionen überzeugen und vor allem: zugreifen. So wie im Fall Can Ercan, der vom niedersächsischen Oberligisten Heeslinger SC nach Brinkum wechselt. Und auch Eugen Uschpol, der den TB Uphusen verlässt, um wieder mit Gabel und seinem Co-Trainer Kevin Artmann zusammenzuarbeiten.

Can Ercans Weg zeigte bereits Richtung Regionalliga – wenn nicht sogar Profifußball. Der 21-Jährige spielte unter anderem in der Jugend des SV Werder Bremen, ehe er im Jahr 2016 in Heeslingen in den Herrenbereich aufrückte. „Eigentlich hätte ich schon nach einer halben Oberliga-Saison nach oben gehen können“, blickt er zurück. Der BSV Rehden wollte ihn, sogar Hannover 96. Doch es kam anders: Immer wieder warfen Ercan Verletzungen zurück, unter anderem ein Kreuzbandriss. Nie konnte er eine komplette Saison durchspielen, die 17 Liga-Einsätze im ersten Herrenjahr 2016/17 waren für ihn das höchste der Gefühle. Insgesamt stand er in Liga und Pokal 42-mal für die Heeslinger auf dem Platz. „Seit meiner ersten Saison hatte ich Probleme, viele Verletzungen, viele Stopps“, schildert Ercan seine Leidenszeiten.

Ercan will sich neu beweisen

Diese waren letztlich auch ein Grund für ihn, Heeslingen nun zu verlassen – und zugleich die einzige Chance für Brinkum, ihn zu bekommen. „Ich brauche einfach eine Veränderung und den Reiz, mich beweisen zu müssen, zeigen zu müssen, was ich drauf habe“, erklärt Ercan. Brinkum wird eine Art zweiter Bildungsweg für den hochveranlagten zentralen Mittelfeldspieler, der sowohl Mike Gabel als auch Kevin Artmann kennt. „Mike wollte mich schon, als er in Uphusen und Ottersberg war“, erinnert er sich noch gut an die Bemühungen seines zukünftigen Coaches. Artmann fühlt sich Ercan bereits verbunden, „weil wir vom Typ ähnlich sind“, wie der Neuzugang sagt. Nicht nur, was das fußballerische Potenzial und die Position auf dem Feld angeht, sondern auch durch die Verletzungshistorie. Auch Artmann wurde immer wieder von seinem Körper ausgebremst. „Kevin kann mir helfen und viele Tipps geben“, ist Ercan überzeugt, einen Mentor in fußballerischer und gesundheitlicher Hinsicht gefunden zu haben. Generell habe er das Gefühl, sich unter dem Brinkumer Trainerduo sehr gut weiterentwickeln zu können. „Ich will den nächsten Schritt machen“, sagt er mit Nachdruck.

Can Ercan wechselt von Heeslingen nach Brinkum.

Can Ercan wechselt von Heeslingen nach Brinkum.

Foto: Brinkumer SV

Ercan, der mittlerweile problemlos trainiert, will weiter hoch hinaus. „Das Ziel kann nur der Aufstieg sein“, blickt er auf die kommende Serie voraus. So offensiv würde es Gabel, der in dem 21-Jährigen jede Menge Potenzial sieht, sicher nicht formulieren, doch der Ehrgeiz des Bauingenieurwesen-Studenten imponiert ihm. „Wir suchen genau diese total motivierten, zielstrebigen Spieler. Unsere Jungs sollen hungrig sein“, sagt er.

Eine Aussage, die auch auf Eugen Uschpol zutrifft. Er ist wie Ercan 21 Jahre jung, beide spielten sogar gemeinsam in der Werder-Jugend. Und auch er kennt seine zukünftigen Coaches bereits aus gemeinsamen Zeiten in Uphusen. Nun zieht es ihn also vom Arenkamp an den Brunnenweg. Er wird im Gabel-Team die Innenverteidigung verstärken, kann aber auch auf der Linksverteidigerposition spielen. Gabel ist von den Qualitäten Uschpols, der bei Werder III bereits Bremen-Liga-Erfahrung gesammelt hat, überzeugt: „Eugen hat eine sehr gute Grundausbildung, eine Wahnsinns-Geschwindigkeit, einen überragenden linken Fuß und ist unwahrscheinlich zweikampfstark“, schwärmt er. Brinkum gewinnt also nicht nur einen Verteidiger, der sofort helfen kann, sondern auch einen richtig guten Freistoßschützen. „Das habe ich bei einem Innenverteidiger noch nicht gesehen“, sagt Gabel. Tatsächlich kann sich auch Uschpol gut daran erinnern, als U21-Spieler bei Werder den einen oder anderen Freistoß versenkt zu haben. „In Niedersachsen hat es dann nicht mehr ganz so gut geklappt, aber vielleicht darf ich in Brinkum ja ein paar Mal ran“, sagt er und schmunzelt.

Uschpol will allerdings nicht nur als Freistoßschütze gefragt sein. „Ich will Stammspieler werden. In Uphusen hat man häufiger auf erfahrenere Spieler gesetzt. Das kann ich als Innenverteidiger sogar verstehen, aber ich hätte schon gern öfter gespielt“, erklärt er, wobei er in fast zwei Jahren beim TBU immerhin auf 31 Einsätze zurückblicken kann. „Ich denke, dass ich mich in Brinkum eher durchsetzen werde“, will er am Brunnenweg zu einer unverzichtbaren Größe werden. Aber auch der BSV ist in der Innenverteidigung mit etwa Esin Demirkapi und Hasan Dalkiran, aber auch dem jungen Max Degenhardt durchaus gut aufgestellt. Doch Uschpol traut sich eine tragende Rolle zu.

Die Top drei im Blick

Aber auch im Team verfolgt der angehende Veranstaltungskaufmann ehrgeizige Ziele und äußert sich ähnlich forsch wie Ercan. „Ich will mit Brinkum auf jeden Fall oben angreifen und in die Top drei“, sagt er. Für den Aufstieg müsse schon alles stimmen. „Die Bremen-Liga ist in den letzten Jahren stärker geworden“, sieht er eine große Konkurrenz, vor der sich die Brinkumer allerdings nicht verstecken müssten. Die Regionalliga ist für Uschpol ein Ansporn. „Wenn ich die Möglichkeit hätte und das auch mit der Ausbildung machbar ist, dann würde ich es auf jeden Fall machen.“ Davor, das weiß er nur zu gut, steht aber noch jede Menge Arbeit an – auf die er sich im Brinkumer Dress bereits freut. „Da ist richtig was entstanden. Ich kenne Mike ja schon aus Uphusen. Ich wollte unbedingt noch einmal mit ihm zusammenarbeiten.“

Uschpol ist ein weiteres Beispiel dafür, wie kurz die Wechselwege zwischen Brinkum und Uphusen geworden sind. Nicht nur Gabel und Artmann waren bis vor Kurzem noch beim TBU, sondern unter anderem auch Mert Bicakci, Kerem Sahan und Hyoung-bin Park. In die andere Richtung wechselten in dieser Saison Tom-Cedrik Gronewold und Kevin Kuhfeld.

20 Spieler ist der Brinkumer Kader für die neue Serie nun stark. Gabel plant mit 22 Akteuren. Es ist also noch Platz im Aufgebot. Gesucht werden ein Torhüter und ein weiterer Feldspieler. Das wären dann sechs Neuzugänge. Kein Vergleich mit den insgesamt 18, die im vergangenen Sommer und Winter an den Brunnenweg wechselten. Schon da hat Gabel bewiesen, dass er im richtigen Regal die richtigen Spieler finden kann. Dass er auch mit ihnen nicht daneben liegt, wollen Uschpol und Ercan in naher Zukunft beweisen.

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