Fußball

Brinkums Lars Goebel: Der Kilometersammler

Beim Brinkumer SV hütet Lars Goebel seit Beginn dieser Saison das Tor. Doch auch beruflich beschäftigt er sich mit Sport: Er ist Bundesfrewilligendienstleistender bei der Sportregion Diepholz-Nienburg.
01.12.2020, 14:19
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup

Affinghausen. Lars Goebel verbringt viel Zeit im Auto: Sein Alltag führt ihn von Barver über Affinghausen bis nach Brinkum. Im ersten Ort wohnt er, im zweiten arbeitet er, im dritten spielt er normalerweise Fußball. „Da kommt einiges an Kilometern zusammen“, sagt der 20-Jährige mit Blick darauf, dass allein ein Weg mit allen Stationen mehr als 60 Kilometer lang ist. Für Goebel ist das allerdings kein Problem. Im Gegenteil: Er ist zufrieden, wie es ist. Schließlich ist sein Leben komplett auf Sport ausgerichtet – wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven. Denn während er beim Bremen-Ligisten Brinkumer SV das Tor hütet, lernt er als Bundesfreiwilligendienstleistender (BFDler) der Sportregion Diepholz-Nienburg derzeit auch die organisatorische und administrative Seite kennen.

Im Sommer hat Lars Goebel die Erfahrung gemacht, dass nicht alles so kommt, wie man es gern hätte. Sportlich verließ er den Regionalligsten BSV Rehden, um bei einem anderen Klub mehr als die sieben Minuten Spielzeit zu bekommen. Beruflich, und das wog ein bisschen schwerer, zerschlug sich die Hoffnung auf eine Polizeilaufbahn. Doch – und das war eine weitere Lektion – wo eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere: Aus sportlicher Sicht trat Mike Gabel, der Trainer des Brinkumer SV auf den Plan und überzeugte ihn von einem Wechsel, und eine berufliche Perspektive zeigte ihm Steffen Osterbrink auf. Der kommt nicht nur wie Goebel aus Barver, sondern ist auch ein Freund des Fußballers. Und noch besser: Osterbrink hat vor drei Jahren selbst als BFDler für die Sportregion gearbeitet. „Er hat mir einiges erzählt. Das klang sehr spannend“, verrät Goebel, der sich kurzerhand bewarb und nach einem Gespräch mit Tjarden Lohmeier-Kraus, Sportreferent für Bildung und Sportjugend, Planungssicherheit für ein Jahr hatte.

Mehr als ein Plan B

Sein Bundesfreiwilligendienst, der im August begann, hat sich schnell zu mehr entwickelt als ein Plan B. Wenn sich Geschäftsführer Uwe Drecktrah und Heinz Logemann, Sachbearbeiter für Sportstättenbau, in der Geschäftsstelle in Affinghausen über die Förderrichtlinien unterhalten, „dann ist das eine andere Welt“, sagt Goebel. Sport bedeutete für ihn bis zu diesem Sommer, auf dem Platz zu stehen. Sei es in Rehden, jetzt in Brinkum oder einst in Osnabrück, wo er in der U17 des VfL auflief. „Nun bekomme ich in einen Einblick in das, was hinter den Kulissen passiert“, sagt Goebel.

Dabei spielt der Sportstättenbau allerdings eine untergeordnete Rolle. In erster Line unterstütze er Lohmeier-Kraus „überall da, wo ich kann“, verrät der BFDler. Bislang fielen darunter etwa die Leitung der Juleica-Ausbildung oder das Management der Aktion „Ehrenamt überrascht“, mit der die Arbeit der freiwillig und ehrenamtlich Engagierten im Sport gewürdigt wird, oder auch der Sportunterricht in der Jugendwerkstatt Marklohe, der einmal pro Woche stattfand, bis die Halle wegen der Corona-Pandemie schließen musste. Ohnehin hat das Virus einiges verändert. So sollte Goebel in diesem Monat eigentlich in Zusammenarbeit mit den Schulen beim Waldsportabzeichen dabei sein: Sport im Wald und gleichzeitig etwas über die Natur lernen, so war der Plan.

Obwohl vieles derzeit ruht, hat der 20-Jährige dennoch genug zu tun. Er gestaltet ein Projekt zum Thema Vielfalt. „Ich trage da gerade Ideen zusammen“, sagt er. Ein Inklusionstag ist so eine Idee, auch etwas mit Flüchtlingen schwebt ihm vor. „Das Spektrum ist sehr groß. Den Begriff Vielfalt kann jeder für sich selbst interpretieren“, macht Goebel deutlich, dass er viele Möglichkeiten zur Gestaltung hat. Die werden ihm in Affinghausen auch eingeräumt. „Es ist sehr cool, dass mir so viel Eigenverantwortung übertragen wird. Ich bekomme recht viele Freiheiten und kann mich einbringen“, schildert der Torhüter seine Eindrücke. Die sind rundum positiv. Genau wie die Rückmeldungen, die er bekommt, wenn er zum Beispiel bei den Ehrungen ein paar Worte sagt. „Man hat mir nach einer Veranstaltung nahegelegt, Priester zu werden, weil ich eine Predigerstimme habe“, sagt er und grinst. Das, gibt er zu, sei aber dann doch eher weniger etwas für ihn.

Zwischen Boßlern und Faltbootwander

Schon jetzt habe er sehr viel gelernt, sagt Goebel. Und darüber hinaus viele Sportarten und Vereine kennengelernt, denen er zuvor weniger Beachtung geschenkt hatte. Von den Wiking Faltbootwanderern aus Kirchweyhe hatte er jedenfalls noch nie etwas gehört. „Tatsächlich gab es Vereine, die ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, manche sogar aus der direkten Umgebung von Barver. Die Boßler aus Wehrbleck zum Beispiel kannte ich nicht“, gibt er zu. Die Vielfalt des Sports im Kreisgebiet habe ihn durchaus überrascht. Jetzt weiß er sie zu schätzen.

Ein weiterer Vorteil seines freiwilligen sozialen Jahres: Es lässt sich mit dem Fußball verbinden. Als das Training noch erlaubt war, durfte Goebel später anfangen und konnte direkt von Affinghausen nach Brinkum fahren. Das spart ein paar Kilometer im Vergleich zur Fahrt von Barver in den Nordkreis. Längere Anreisen für den Sport sind Goebel seit seiner Zeit in Osnabrück nicht fremd. In Brinkum passt es für ihn, also nimmt er sie gern in Kauf. Schon jetzt hat er mehr Einsätze gehabt als in der vergangenen Saison in Rehden: Viermal stand er in acht Begegnungen zwischen den Pfosten. „Für einen jungen Spieler sind Einsätze das wichtigste“, war die Aussicht auf Spielzeit ein entscheidendes Wechselkriterium für ihn. Sollte sich Gabel auf einen Stammkeeper festlegen, so war die Idee, dass auch die Nummer zwei einige Einsätze bekommt.

Ob und in welcher Form dieser Plan nach der Corona-Pause Bestand hat, steht noch nicht fest. Dass sich Goebel fit halten muss, dagegen schon. Die Spieler haben einen Laufplan bekommen. Goebel hat zwischen den längeren Ausdauereinheiten zuletzt auch eine kleine Runde eingelegt: drei Kilometer in 11:22 Minuten. Eine Zeit, mit der er nicht nur seine Mitspieler beeindrucken kann, sondern auch die Aktiven der gesamten Sportregion. Denn die hat Goebel via Instagram dazu aufgerufen, seine Zeit zu toppen. Ein Screenshot mit einer besseren Zeit als Antwort fehlt bis heute. Ein Indiz für den 20-Jährigen, dass seine Leistung nur schwer zu knacken ist, und zugleich ein Musterbeispiel dafür, wie sich die Arbeit als BFDlder bei der Sportregion und die Rolle als Fußballtorhüter in Brinkum miteinander verbinden lassen. Und dann wäre da ja noch die Frage nach der persönlichen Zukunft. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, Sport zu studieren“, sagt Goebel. In sein Leben passt das perfekt. Seine Zeit in Brinkum und Affinghausen dürfte nicht die schlechteste Vorbereitung darauf sein.

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