Fußball Das Vorzeige-Duo des TV Stuhr wird gesprengt

Christian Meyer hört am Saisonende als Trainer des TV Stuhr auf, sein Partner Stephan Stindt macht weiter.
15.02.2021, 18:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup

Christian Meyer und Stephan Stindt sind so etwas wie das Vorzeigemodell eines Trainerduos im Landkreis Diepholz. Beim TV Stuhr haben sie seit Sommer 2014 gemeinsam nicht nur eine erfolgreiche Mannschaft geformt, sondern mit dem Aufstieg in die Landesliga vor drei Jahren auch Geschichte geschrieben. In der kommenden Saison wird das Erfolgsduo allerdings gesprengt: Christian Meyer wird seinen Trainerposten nach mehr als einem Jahrzehnt im Amt abgeben. Stindt dagegen wird weitermachen. Ihm zur Seite stehen werden Jan-Hendrik Schwirz und Daniel Bischoff als spielende Co-Trainer.

Wenn Christian Meyer sagt, dass ihm dieser Schritt nicht leichtgefallen sei, dann ist das sicherlich mehr als eine dieser Floskeln, die auch im Amateurfußball längst präsent sind. Denn Meyer war in Stuhr nie ein Durchreisender oder nur mit halbem Herzen bei der Sache. Im Gegenteil: Er hat den Klub in den vergangenen Jahren geprägt. Im Jugendbereich lief er selbst für die Rot-Weißen auf, war darüber hinaus eine längere Zeit als Jugendleiter aktiv. Mit nur 29 Jahren stieg er im Jahr 2009 zum Erste-Herren-Trainer auf. Sein interner Weg nach oben war gleichbedeutend mit einem Stuhrer Weg nach oben. Unter Meyer stieg der Nordkreis-Klub im Sommer 2011 in die Bezirksliga auf und etablierte sich dort, ehe er sieben Jahre später – dann bereits mit Stindt – den Sprung in die Landesliga schaffte. „Das waren tolle Zeiten“, sagt Meyer. „Es gibt eine ganze Menge, auf das ich stolz bin.“ Dazu zähle auch, eine Mannschaft geformt zu haben, „mit der man sich immer und überall problemlos blicken lassen kann“.

Viele Erfolge feierten Meyer und Stindt gemeinsam. Seit 2014 sind sie ein Duo – und es schien immer so, als könne sie nichts trennen. Was also bewegt Meyer zu seinem Rückzug? „Ich bin jetzt seit meinem 17. Lebensjahr Trainer. Das sind 23 Jahre. Es wird guttun, auch mal eine Pause zu machen.“ Mal durchschnaufen also, Abstand gewinnen, mal nur Zuschauer sein. Beruf, Familie und das zeitintensive Trainergeschäft in der Bezirksliga unter einen Hut zu bringen, sei auch nicht immer einfach, ergänzt der Familienvater, der als Herrenfußballer größtenteils beim TuS Varrel spielte.

Gereift sei sein Entschluss über einen längeren Zeitraum, sagt Meyer. Tatsächlich habe er im vergangenen Sommer schon einmal darüber nachgedacht. Jetzt sei er froh, dass er Fakten geschaffen habe. Warten bis kurz vor dem Saisonende – wann auch immer das während der Pandemie sein wird – wollte er auf keinen Fall. Er wollte stattdessen reinen Tisch machen. „Die Entscheidung fühlt sich momentan richtig an“, ist er mit sich im Reinen. Wobei es dabei bleibt: Leicht fällt ihm der Schnitt am Saisonende nicht.

„Knatsch“, das betont Meyer, „hat es nicht gegeben.“ Die Beziehung zu Trainerkollege Stindt, mit dem er den Stuhrer Weg geprägt hat, und zur Mannschaft war ohnehin harmonisch. Deshalb war er auch eingebunden, als es darum ging, wie es ohne ihn weitergeht. Die Lösung, die die Stuhrer gefunden haben, gefällt ihm. „Ich glaube, das ist genau der richtige Weg“, sagt er mit Blick auf die neue Konstellation mit Stindt als Chef und Bischoff und Schwirz an dessen Seite.

Für Stindt stand fest, dass er auch ohne seinen Partner in Stuhr weitermachen will. „Ich habe weiterhin große Lust, mit der Mannschaft zu arbeiten“, reizt es ihn, den Umbruch fortzuführen, der bei den Rot-Weißen in dieser Saison begonnen hat. Zahlreiche junge Spieler wie Moritz Sagehorn, Constantin Godt oder auch Jesco Wehrhahn haben den Sprung in den Kader des Bezirksligisten geschafft und sollen in den kommenden Jahren zu einer festen Größe im Stuhrer Spiel aufsteigen. Diesen Weg zu begleiten, „daran habe ich enorm viel Spaß“, blickt Stindt gespannt in die Zukunft.

Anders sein wird es für ihn allerdings schon, wenn er nicht mehr mit Meyer Regie führt. „Es wird mit Sicherheit eine Umstellung“, blickt er in die Zukunft. Noch einmal einen Partner wie Meyer zu finden, das wäre kaum möglich, glaubt er. „Es muss fußballerisch und zwischenmenschlich super passen. Man verbringt viel Zeit miteinander. Das hat mit Christian alles hervorragend funktioniert. Ich hätte am Anfang selbst nicht gedacht, dass es so perfekt läuft.“

Jetzt erhofft sich Stindt, auch dank der Zusammenarbeit mit Führungsspieler Schwirz und Keeper Bischoff, der ohnehin als Torwarttrainer zum Trainerstab zählt, noch näher an die Mannschaft zu rücken. „Ich erhoffe mir von den beiden auch neue Gesichtspunkte und Initiative“, will er das Duo ebenso wie das Team mitnehmen. Er selbst werde wieder mehr in der Verantwortung stehen als zuvor, weiß er, dass er stärker in den Fokus rückt. „Ich muss mehr nach vorn treten“, bekräftigt er. Fremd wird ihm die Rolle als Chef nicht sein, hat er sie doch bereits in Weyhe und Bassum bekleidet.

Er freue sich auf die neue Saison, sagt Stindt. Dann beginnt an der Pillauer Straße eine neue Zeitrechnung. Ohne Meyer. Allerdings hoffen sowohl der scheidende Trainer als auch der bleibende Coach darauf, die aktuelle Saison noch beenden zu können. „Ich will mich auf dem Platz verabschieden“, bekräftigt Meyer. „Und wir wollen alles dafür tun, dass es erfolgreich ist“, ergänzt Stindt. Das Duo tickt auch vor dem Abschied noch gleich.

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