Fußball

Zurück in der Heimat

Einer der Aufstiegshelden trägt wieder das Trikot des TV Stuhr: Nach seiner Zeit in Augsburg ist Fynn Rusche zurück im Norden und hat sich direkt wieder den Rot-Weißen angeschlossen.
08.07.2020, 16:29
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Thorin Mentrup
Zurück in der Heimat

Beim FC Augsburg durfte Fynn Rusche Erfahrungen in der Administration des Nachwuchsleistungszentrums sammeln. Nun kehrt er in den Norden zurück und wird die Fußballschuhe wieder für den TV Stuhr schnüren.

Privat

Stuhr. Wenn Fynn Rusche vor einigen Monaten seine Familie besuchen wollte, dann musste er für die Anreise sehr viel Zeit einplanen. Denn zwischen Varrel, wo sein Elternhaus steht, und Augsburg, wohin es ihn im Rahmen seines Sportmanagement-Studiums verschlug, liegen mehr als 700 Kilometer. Dementsprechend selten war Rusche im Diepholzer Nordkreis anzutreffen – und damit auch beim TV Stuhr. Dort war er lange eine feste Größe, ehe es ihn in den Süden zog. Jetzt aber ist Rusche zurück. Und wird wieder ein Rot-Weißer.

Die vergangenen Tage hat Rusche genutzt, um klar Schiff zu machen, seine Wohnung in Augsburg aufzulösen, alles vorzubereiten für die Rückkehr. Besuch bekam er auch noch: Fabian Bischoff schaute vorbei und damit einer seiner langjährigen Mitspieler in Stuhr. „Die Verbindung ist nie abgerissen“, liegt der TVS Rusche noch immer am Herzen. Dort hat er sportlich tolle Zeiten erlebt mit dem Landesliga-Aufstieg vor zwei Jahren als Höhepunkt. Die Sechstklassigkeit konnte er dann nur ein knappes halbes Jahr genießen, ehe sein Praktikum im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) beim FC Augsburg begann. Es war zunächst ausgelegt auf ein halbes Jahr, das er dann aber um ein weiteres Jahr verlängerte. Damit war es erst einmal vorbei mit dem Fußball in der Landesliga Hannover und beim TV Stuhr, der die Klasse nach nur einer Saison wieder verlassen musste. „Das war dann einfach nicht mehr möglich“, unterstreicht Rusche, der dennoch genau verfolgte, wie sich seine Mitspieler schlugen. Natürlich wollte er auf dem Laufenden bleiben.

Abstriche hatte Rusche bereits vor seinem Praktikum machen müssen: Von seinem Studienort Salzgitter im Harzvorland konnte er nicht zum Training kommen, deshalb setzte das TVS-Trainerduo Christian Meyer/Stephan Stindt meist in der Innenverteidigung auf ihn. Dabei sieht sich der 27-Jährige selbst eher im Mittelfeld. Doch auch in defensiverer Rolle wusste er zu überzeugen, sowohl in der Bezirks- als auch in der Landesliga. Sein letztes Spiel für die Stuhrer bestritt er am 18. November 2018 bei der 1:3-Niederlage gegen den TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Seitdem sind keine weiteren Pflichtspiele für ihn im rot-weißen Dress dazugekommen. Das wird sich aber bald wieder ändern. „Ich bin glücklich, dass ich wieder mehr Zeit für meine Freunde und mein Hobby habe. Ich freue mich total auf die Jungs“, sagt er.

Die meisten seiner Wieder-Mitspieler kennt Rusche seit vielen Jahren, mit Torben Drawert wechselte er einst vom TuS Varrel zu den Stuhrern. Aber auch Riccardo Azzarello, Fabian Bischoff und Co. ist er seit Jahren eng verbunden. Die Freude auf den Rückkehrer ist deshalb auch im Lager der Stuhrer groß: „Für uns ist Fynn eine Riesenverstärkung. Nicht nur in der Aufstiegssaion war er ein absoluter Leistungsträger“, sagt Coach Christian Meyer. „Von seiner ganzen technischen Veranlagung her und seinem Spielverständnis ist er sicherlich einer der Besten bei uns.“ Dass Rusche zurückkehrt ins Team und sich nicht eine neue Herausforderung gesucht hat, freut ihn auch aus einem anderen Blickwinkel: „Das ist sicherlich auch ein Beleg dafür, dass wir als Gemeinschaft in den letzten Jahren nicht so viel falsch gemacht haben“, kann Meyer auf ein völlig intaktes Teamgefüge verweisen. Es stimmt nicht nur sportlich in Stuhr, sondern auch menschlich.

In Augsburg war Rusche in die Organisation beziehungsweise Administration des NLZ eingebunden. „Ich habe mich unter anderem um den Spieltagsbetrieb gekümmert und die NLZ-Mannschaften koordiniert“, erklärt er. Wer trainiert wann? Wer macht wann ein Trainingslager? Unter anderem mit diesen Fragen setzte er sich auseinander, als er ein Stück weit eintauchte in die Welt der Talente, die der Traum vom Fußballprofi antreibt. Auch im Gebäudemanagement gab es für Rusche einiges zu tun. „Das Aufgabengebiet war sehr, sehr breit gefächert. In einem NLZ fällt immer etwas an“, verdeutlicht er. Zwei Monate lang war er zudem Co-Trainer der U13-Mannschaft. Da habe er seine C-Lizenz zum ersten Mal richtig nutzen können, sagt er. Nach der Arbeit raus auf den Platz, am Wochenende Spiele und Turniere – das sei ganz schön zeitintensiv gewesen. „Aber es hat auch Spaß gemacht“, sagt Rusche. Generell habe ihm die Zeit beim FCA sehr gut gefallen. „Es war cool, dass ich eigene Ideen einbringen konnte.“

Vergleichen lassen sich der FCA und der TVS kaum. „Allein schon, was die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter angeht, ist das ein großer Unterschied“, verweist Rusche auf professionellere Strukturen bei den Fuggerstädtern. Die Augsburger verfügen im Nachwuchsleistungszentrum über Teams von der U9 bis zur U23, arbeiten also vom Grundlagen-, über den Aufbau- lückenlos bis hin zum Leistungs- und Übergangsbereich. „Die Kinder werden von kleinauf auf einem anderen Level ausgebildet. Die Dimensionen sind viel größer“, weiß Rusche, dass ein Verein wie Stuhr, der wie so viele Klubs im ländlichen Raum vom Herzblut der Mitglieder lebt, in dieser Hinsicht nicht mithalten kann. Er könne sich durchaus vorstellen, mal in einem Verein zu arbeiten, sagt er. Bei Werder, bei Hannover 96, aber vielleicht auch in einem ganz anderen Bereich. Festlegen will er sich noch nicht. Er könne sich zum Beispiel auch den Sportartikelmarkt vorstellen und wolle sich auch von diesem ein Bild verschaffen. Jetzt schreibt Rusche erst einmal seine Bachelorarbeit zu Ende.

Während seine berufliche Laufbahn also noch offen ist, ist die sportliche geklärt. Rusche wird seine Fußballschuhe wieder für den TV Stuhr schnüren. Dabei hat er in der Fuggerstadt Augsburg auch höherklassigeren Fußball gespielt: Für den TSV Schwaben Augsburg lief er in der Bayernliga Süd auf, der fünfthöchsten Spielklasse, direkt unterhalb der Regionalliga. „Da wird Fynn sicherlich einiges mitgenommen haben“, ist Meyer davon überzeugt, dass diese Erfahrungen nun auch den Stuhrern zugute kommen werden. Rusches Trainer bei den Schwabenrittern war immerhin niemand Geringeres als Ex-Profi Halil Altintop, der nun Assistenztrainer in der U16 des FC Bayern München wird.

Das Niveau, bestätigt der 27-Jährige, sei in der Bayernliga höher gewesen als in der Bezirksliga. „Der Ball läuft viel schneller, man hat auch nicht viel Zeit im Mittelfeld, um Entscheidungen zu treffen. Man muss technisch viel stärker sein, weil die Gegenspieler im Schnitt auch deutlich stärker sind. Auch die Geschwindigkeit ist höher“, waren die fußballerischen Anforderungen an den Landkreisdiepholzer sehr hoch. „Das macht schon Bock“, hat er durchaus Blut geleckt. Warum orientiert er sich dann nicht auch in Niedersachsen oder in Bremen nach oben? „Ich habe schon kurz darüber nachgedacht“, gibt er zu. „Aber mir ist der Kontakt zu den Jungs einfach wichtiger“, fühlt er sich bei seinem TV Stuhr am besten aufgehoben.

Außerdem warte bei seinem Klub darüber hinaus auch sportlich eine spannende und reizvolle Aufgabe auf ihn. „Wir bekommen einige junge Gesichter dazu“, sagt er mit Blick auf die Talente, die in den Herrenbereich aufrücken werden. Ihnen will Rusche gemeinsam mit den anderen erfahreneren Spielern helfen, diesen Übergang so schnell wie möglich zu meistern. „Ich sehe mich mit 27 Jahren in der Pflicht, dass ich da ein Ansprechpartner für sie bin“, will er Verantwortung übernehmen. Auf dem Feld sieht er sich weiterhin als Mittelfeldspieler. „Da muss ich mit Stephan und Christian noch mal sprechen, wie sie planen“, betont er. Meyer ist jedenfalls offen: „Als Verteidiger hat Fynn eine ganz besondere Note reingebracht mit seiner Spieleröffnung und seinen langen Diagonalbällen. Aber wenn er fit ist, kann er uns sicher auch im Mittelfeld helfen.“ Der Trainer sieht es pragmatisch und fügt mit einem Grinsen an: „Es ist immer besser, darüber zu reden, wie man Fynn am besten einsetzt, als ihn gar nicht einsetzen zu können.“ Das dürfte Rusche ähnlich sehen. Er hat längst gespürt, was er am Norden, an Varrel, am TV Stuhr und seinen Freunden hat: „Hier ist es noch ein bisschen schöner. Hier ist meine Heimat.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+