Fußball

Auf einem höheren Level

Marcel Pfaar verließ Brinkum als Talent, im Sommer kehrt er zwei Jahre später als gestandener Schlussmann an den Brunnenweg zurück.
06.04.2020, 17:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Auf einem höheren Level

Marcel Pfaar ist beim BSC Hastedt gesetzt. Zur neuen Saison kehrt er nach Brinkum zurück.

Frank Thomas Koch

Marcel Pfaar standen viele Türen offen. „Ich hatte viele Möglichkeiten und habe mir deshalb auch ganz viel Zeit gelassen mit der Entscheidung“, verrät der 21-Jährige. Bei dieser Entscheidung, von der er spricht, ging es um seine sportliche Zukunft. Der Torhüter spielt momentan beim BSC Hastedt in der Fußball-Bremen-Liga. Dort bleiben wird er allerdings nicht. Nicht wenige Klubs wollten ihn haben. Das Rennen gemacht hat jedoch der Brinkumer SV, der Klub, für den Pfaar in der Spielzeit 2017/18 die ersten Schritte im Herrenbereich machte.

Ein Unbekannter wird Pfaar also nicht sein, wenn er im Sommer an den Brunnenweg zurückkehrt. Doch er wird dieses Mal nicht wie im Sommer 2017 als vielversprechendes Talent aufschlagen, sondern als gestandener Bremen-Liga-Schlussmann. „Ich habe einen großen Schritt nach vorn gemacht“, sagt er. „Mit Yasin Orhan hatte ich einen Torwarttrainer, der alles mit mir gemacht hat. Wir sind sogar zusammen ins Fitnessstudio gegangen, haben mehrfach in der Woche gemeinsam auf dem Platz gestanden.“ Der Keeper, der eine Ausbildung zum Erzieher macht, war gesetzt. Er wird ein selbstbewusster Rückkehrer sein. Darauf freut sich auch sein zukünftiger Trainer Mike Gabel, der seinen neuen Torhüter einige Male live gesehen hat. „Marcel ist ein Top-Torhüter der Bremen-Liga“, schwärmt er.

Zweimal ohne Gegentor gegen Brinkum

Kontakt zueinander haben beide schon länger, nachhaltig ins Gedächtnis gerufen hat sich der Schlussmann noch einmal mit einer starken Leistung bei der 0:1-Niederlage seines Teams gegen Brinkum im vergangenen Oktober. „Da hat er ganz stark gehalten“, erinnert sich Gabel. Es war übrigens im dritten Duell gegen seinen ehemaligen Klub die erste Niederlage für Pfaar – und auch das einzige Gegentor. Im Vorjahr hatte er beim 2:0 und beim 3:0 seines BSC jeweils die weiße Weste gewahrt. „Das waren immer spezielle Spiele für mich“, erinnert sich der ehemalige Jugendspieler des ATS Buntentor. Ob das vierte Duell gegen seinen künftigen Klub, das laut Spielplan noch im April über die Bühne gehen soll, stattfinden kann, ist derweil äußerst unwahrscheinlich. Wenn es aber doch so kommt, vielleicht auch zu einem späteren Zeitpunkt, „dann würde es aber noch ein bisschen spezieller werden“, sagt Pfaar. Schenken würde er den Brinkumern dann allerdings nichts. Dafür ist er zu sehr Sportsmann. Denn auch mit Hastedt hat er noch Ziele bis zum Ende der Saison: „Wir wollen noch unter die besten Acht, damit die Jungs im Winter in der Halle beim Lotto-Masters dabei sind.“

Mit Brinkum wird Pfaar dort sicher vertreten sein. Automatisch gesetzt ist er aber nicht bei seinem zukünftigen Verein. „Das haben wir auch klar so besprochen. Es wird ein offener Kampf um die Nummer eins sein. Jeder muss sich seinen Platz erarbeiten. Das gilt für unseren Kapitän, der seit zehn Jahren hier ist, genauso wie für den Torwart“, unterstreicht Gabel. Und was sagt der Neue dazu? „Das ist kein Problem für mich, darüber haben wir offen gesprochen. Ich nehme diesen Zweikampf gern an, denn ich weiß um meine Qualitäten.“ Klar ist auch: Ein Schritt zurück soll der Wechsel für Pfaar nicht werden. „Es ist mein Anspruch zu spielen“, unterstreicht er.

Gute Gespräche

Gabel traut ihm das zu, sonst hätte er sich wohl nicht so lange um den Keeper bemüht. Dass Brinkums Trainer drangeblieben ist, immer wieder nachhakte und das Interesse fortwährend hinterlegte, hinterließ Eindruck: „In den Gesprächen mit Mike hatte ich ein sehr, sehr gutes Gefühl. Brinkum hat mich am Ende am meisten überzeugt, gerade weil man sich so intensiv bemüht hat um mich. Die Wertschätzung war sehr hoch“, sagt Pfaar, der sich zudem bei einigen seiner zukünftigen Mitspielern schlau machte. Viele Akteure kennt er noch von seiner ersten Zeit am Brunnenweg, unter anderem Esin Demirkapi oder auch Jannik Bender. In Hastedt hat er zum Beispiel mit den jetzigen Brinkumern Hasan Dalkiran, Diyar Kücük und Dennis Krefta zusammengespielt, mit Letztgenanntem teilte er sich bei der Abschlussfahrt sogar ein Zimmer. „Ich könnte mir vorstellen, dass ich knapp die Hälfte der Mannschaft sehr, sehr gut kenne“, dürfte Pfaar keine Probleme haben Anschluss zu finden. Zu den ihm bekannten Gesichtern gehört auch Torwarttrainer Torsten Degenhardt. „Ich freue mich schon darauf, wieder mit ihm zu arbeiten“, blickt Pfaar voraus.

Dass es in Brinkum in dieser Saison steil bergauf gegangen ist, hat den 21-Jährigen nicht allzu sehr überrascht. „Ich wusste ja, was für Qualität da ist. Einige, die in meinem ersten Herrenjahr dort waren, sind heute noch da. Ich glaube, sie haben jetzt mit Mike den Trainer gefunden, den es gebraucht hat. Vielleicht kommt das Team individuell nicht ganz an Oberneuland und den Bremer SV heran, aber dort hat sich eine große, große Mannschaft und Mentalität entwickelt.“

Ein Teil davon will auch Pfaar sein. Sechs Spiele bestritt er bis zu seinem Wechsel zum BSC für Brinkum, wo er hinter Benjamin Schimmel die Nummer zwei war, und blieb dabei stets ohne Gegentor – beim 5:3 über Hastedt kam er als Feldspieler auf den Platz. Besonders erinnert er sich an die einzige Partie, die er nicht gewann: das 0:0 gegen die Leher TS. „Das war der stärkste Gegner, gegen den ich für Brinkum im Tor stand. Das Spiel ist mir im Kopf geblieben, weil es echt Spaß gemacht hat.“ Sein größtes Spiel war das freilich nicht. Das war der DFB-Pokaleinsatz gegen Borussia Mönchengladbach. Trotz des 1:11 „ein Ereignis, dass ich nicht mehr vergessen werde“. Logisch, dass Pfaar gern noch einmal in den DFB-Pokal einziehen will. Doch auch in der Liga hat er ehrgeizige Ziele: „Wir sollten in beiden Wettbewerben angreifen“, sagt er. Am besten mit ihm zwischen den Pfosten.

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