Fußball

Ein neues Abenteuer in der Bundesliga

Sie hat noch hohe Ziele: Mia Bastian vom TSV Heiligenrode wagt den Schritt nach Aurich. Dort wird sie in der B-Juniorinnen-Bundesliga spielen.
19.07.2020, 19:01
Lesedauer: 4 Min
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Ein neues Abenteuer in der Bundesliga
Von Jannis Klimburg

Sie klatschten, spendeten tosenden Applaus. Eine Verabschiedung ist wahrlich nie leicht. Mia Bastian wurde bei ihrer letzten Trainingseinheit von ihren Mitspielern gehörig gefeiert. Und das zurecht. Denn die 15-jährige Fußballerin vom TSV Heiligenrode sucht sich in der kommenden Saison 2020/21 eine neue Herausforderung, wechselt nach Aurich ins Jugendinternat und wird in Ostfriesland dann in der B-Juniorinnen-Bundesliga kicken.

„Das traue ich ihr auf alle Fälle zu, dass sie dort Fuß fassen wird. Sie ist vielleicht nicht die schnellste Spielerin, aber sie besitzt den unbedingten Willen und Ehrgeiz, dass zu packen und sich dort durchzusetzen“, bekräftigt Alexander Stoll, der die B-Junioren des TSV Heiligenrode trainiert und somit auch Bastians Coach ist. Bis zur Unterbrechung der Spielzeit durch Corona kickte die 15-Jährige bei den C-Junioren sowie B-Junioren. Als ob das noch nicht genug ist, nutzte Bastian ihr Zweitspielrecht und agierte auch bei den C-Juniorinnen des BV Cloppenburg. Fußball pur für die junge Schülerin. „Sie ist total verrückt nach dem runden Ball. Für sie gibt es nicht anderes“, betont ihre Mutter Claudia.

Doch vergleichsweise spät – erst mit neun Jahren – fand Mia Bastian den Weg zum Fußballverein. „Ich wollte schon immer spielen, doch irgendwie habe ich mich nicht getraut und außerdem war ich noch ständig beim Judo“, erzählt sie. Doch die Kampfsportart zog den Kürzeren, Bastian schloss sich der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst an. „Ein Klassenkamerad machte mich darauf aufmerksam und dann bin ich einfach mal zum Training mitgegangen“, erinnert sie sich. Drei Jahre lang kickte sie dann für die Rot-Schwarzen, bevor es dann zum TSV Heiligenrode weiterging. Eine gute Anlaufstelle, ist der Verein doch dafür bekannt, immer wieder Mädels bei sich in den Jungenteams aufzunehmen und zu entwickeln. „Sie hat bei uns in den drei Jahren einen sehr großen Sprung gemacht“, unterstreicht Stoll. „Mia spielt sehr beständig, du kannst dich immer auf sie verlassen. Sie ist sehr aufnahmefähig und versteht den Fußball sehr schnell. Da ist Mia einigen Jungs Meilen voraus.“ Auch in Zukunft will Alexander Stoll den Kontakt mit seinem Schützling halten. „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Mia, den Sprung zu wagen. Ich werde mir dann auch mal die Zeit nehmen und mir ein paar Spiele angucken. Wir sind alle sehr stolz im Verein.“

Mia Bastian will noch hoch hinaus

Nun beginnt also ein neues Kapitel für Mia Bastian bei der SpVg Aurich. „Ich hab noch höhere Ziele und das ist einfach eine große Chance für mich. Die musste ich dann wahrnehmen“, erklärt die 15-Jährige ihren Wechsel. „Es ergeben sich dann in Aurich auch neue Möglichkeiten für mich. Viele Spielerinnen wechseln dann irgendwann auch zu höheren Vereinen wie VfL Wolfsburg.“ Doch erst einmal wird sie gegen solche Kaliber in der B-Juniorinnen-Bundesliga spielen. In Zukunft geht es nicht mehr gegen den SV Marhorst, TSV Bassum oder FC Sulingen. Sondern bald stehen unter anderem Auswärtsspiele beim Hamburger SV, Turbine Potsdam oder eben VfL Wolfsburg an. „Mein Ziel ist es natürlich, Aurich als Sprungbrett zu nutzen. In zwei bis drei Jahren strebe ich dann an, bei einem noch besseren Verein zu spielen“, gibt sich Bastian ehrgeizig.

Doch die neue Herausforderung bringt auch viel Eigenverantwortung mit sich. Denn im 120 Kilometer entferntem Aurich werden die Eltern dann nicht mehr ständig mit von der Partie sein, Mia Bastian ist auf sich allein gestellt. Beziehungsweise nicht ganz. Nur wenige Minuten von den Trainingsplätzen entfernt lebt sie mit anderen Spielerinnen aus der Mannschaft in einer Wohngemeinschaft. „Wir versorgen uns selber. Aber jeder hat auch sein eigenes Zimmer. Und die Schule ist auch nur wenige Minuten mit dem Fahrrad entfernt“, sagt sie. Aber für jede Wohngemeinschaft ist auch eine Betreuerin verantwortlich. „Wenn es zum Einkaufen geht oder man vielleicht mal zum Arzt muss“, ergänzt Mutter Claudia.

Der Kontakt kam über einen ehemaligen Co-Trainer zustande, der jetzt in Aurich als Übungsleiter fungiert. „Wir haben dann eine Einladung zum Probetraining bekommen und danach eigentlich auch direkt eine Zusage vom Verein erhalten. Ehrlich gesagt musste ich dann auch nicht lange überlegen“, meint Mia Bastian mit einem breiten Grinsen. „Denn es ist schon mein großer Traum, irgendwann mal in der Bundesliga aufzulaufen.“

Das Gesamtpaket überzeugt

Große Zweifel hat sie nicht, auch wenn sie ihre Mitspieler, den Verein und vor allem ihre Familie in Aurich sehr vermissen wird. „Ich bin immer noch sehr sicher, dass ich es weiterhin machen will. Und das wird auch so bleiben. Ich freue mich jetzt einfach auf die neue Aufgabe“, so Bastian. Unterstützung wird sie natürlich von ihren Eltern erhalten, die zu jedem Heimspiel vorbeikommen wollen. „Eine andere Alternative gab es auch nicht. Wir hätten sie schließlich nicht vier Mal die Woche zum Training fahren können. Dafür ist die Strecke zu lang“, meint Mutter Claudia. Auch der SV Werder Bremen war eine mögliche Option für Mia Bastian. Aber dennoch entschied sie sich für die SpVg Aurich. „Das Gesamtpaket hat mich einfach auf Anhieb überzeugt. Ich habe keinen langen Weg zum Fußballplatz, zur Schule. Das ist dann schon weitaus einfacher für mich.“

Nun genießt die fußballverrückte Mia Bastian noch ihre restliche Zeit in der Heimat. Und wer weiß, vielleicht muss sie in zwei bis drei Jahren dann wieder eine große Verabschiedung über sich ergehen lassen. Wenn es dann zum VfL Wolfsburg geht? Beschweren würde sie sich zumindest nicht. Doch ein Kapitel nach dem anderen. Jetzt steht erst einmal das Abenteuer Aurich an.

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