Brinkumer SV

Kontaktsport auf Distanz

Nach fast zwei Monaten Zwangspause trainieren die Fußballer des Brinkumer SV wieder – allerdings unter ungewohnten Bedingungen. Trainer Mike Gabel will den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft legen.
10.05.2020, 15:21
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Niklas Golitschek
Kontaktsport auf Distanz

Beim Trainingsauftakt zeigten sich Gordy Mumpese (r.) und die Spieler des Brinkumer SV noch ein wenig „eingerostet“.

Niklas Golitschek

Unter normalen Umständen hätte Mike Gabel wohl geflucht und deutliche Töne angeschlagen. Doch die Umstände waren nicht normal – und so lachte der Coach des Fußball-Bremen-Ligisten Brinkumer SV herzlich auf, nachdem er am Sonnabend die erste Trainingseinheit nach fast zwei Monaten Zwangspause wegen der Coronavirus-Pandemie abgeschlossen hatte.

„Die Jungs sind noch ein bisschen eingerostet“, sagte Gabel und merkte an: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schlimm aussieht.“ Denn auch bei den lockeren Pass- und Schussübungen war so manche Ungenauigkeit zu sehen, die Gabel sonst nicht durchgehen lassen würde. „Aber das ist nicht schlimm“, kommentierte der ambitionierte Trainer. Denn im Vordergrund stand bei dieser Einheit, überhaupt wieder zusammenzukommen.

Doch selbst das war nur eingeschränkt möglich. Kein Körperkonktakt, Kleingruppen von maximal fünf Spielern und Mindestabstand – diesbezüglich hielten die Verantwortlichen zu Beginn eine klare Ansprache. Und obwohl aufgrund der kurzfristigen Ansetzung ein paar Spieler fehlten, begrüßte Gabel 18 Teilnehmer, darunter zwei chinesische Gastspieler – sie wollen in der kommenden Saison bei Werders A-Jugend in der Bundesliga mitmischen und sich am Brunnenweg vorerst fit halten. Genau darum ging es Gabel auch: dass seine Schützlinge einfach wieder den Ball am Fuß haben und sich bewegen. „Es ist überragend, dass alle sofort wieder wollen“, schwärmte er von der Mentalität und dem Zusammenhalt seines Teams.

Auch Kapitän Jannik Bender freute sich sichtlich über die Zusammenkunft auf Distanz. „Wir waren jetzt fast zwei Monate ausschließlich zu Hause“, betonte er die für die Spieler besonders ungewohnte Situation. Auch wenn es sich anfühle, als ginge bald eine neue Saison los und die Voraussetzungen gewöhnungsbedürftig seien, sei klar: „Jetzt auf dem Platz zu stehen, ist ein Highlight in der aktuellen Lage.“ Jeder Spieler freue sich über die Bewegung und wolle sich fit halten – obwohl das jetzt nicht die bekannte Art des Fußballs sei.

Trotz der lockeren Grundstimmung steckte dennoch eine ernste Note in dieser Übungseinheit. „Halligalli“, wie Gabel gerne sagte, soll es am Brunnenweg trotz der andauernden Saisonunterbrechung nicht geben. „Wir versuchen, die Zeit zu nutzen und den Jungs andere Blickwinkel zu geben“, führte er aus. Ein Augenmerk werde in den kommenden Wochen etwa auf Technik und Genauigkeit liegen – Aspekte, die sonst eher in der Jugendarbeit im Fokus stünden. Um die Motivation auch ohne Wettkampfbedingungen hochzuhalten, hat Gabel kurzerhand ein eigenes Ziel formuliert: „Wir müssen uns weiterentwickeln, um uns nächste Saison zu verbessern. Dafür nutzen wir jede Einheit.“

Gemeinsam mit Lauftrainer Klaus Lange will Gabel in den kommenden Wochen die Sprints über 20 bis 30 Meter genauer unter Lupe nehmen. Den Leichtathletik-Experten brauchte er nicht zweimal fragen, um ihn für die Idee zu begeistern. „Ich freue mich schon darauf, bei Klaus kann ich mir noch einiges abgucken“, sah Gabel in dieser Prioritätensetzung auch einen Gewinn für sich als Übungsleiter. Im regulären Trainingsbetrieb fehle dafür ansonsten die Zeit.

Mit Blick auf die von ihm angesprochene Entwicklung – und die nun gewonnenen ersten Eindrücke – trauerte Gabel der verlorenen Zeit dann doch etwas hinterher. Klar: Um die Meisterschaft hätte der Brinkumer SV in dieser Saison kaum mehr mitgespielt. Doch die bisher makellose Rückrundenbilanz mit sechs Siegen in sechs Partien, mit der die Brinkumer als einziges Team noch verlustpunktfrei sind, hätte er gerne noch ausgebaut. „Das Ziel war, die Rückrunde für uns zu entscheiden. Das sollte Schwung für die neue Saison bringen, doch der ist jetzt raus“, erklärte er.

Ein solcher Abschluss hätte für die kommende Spielzeit ein anderes Selbstverständnis geschaffen. Statt eines furiosen Marsches durch die Liga muss Gabel nun bilanzieren: „Diese sechs Wochen haben viel Arbeit gekostet. Wir waren vorher deutlich schneller, genauer und weiter.“ Immerhin rechtfertige dieser Umstand, in der Vorbereitung im Sommer vier- bis fünfmal pro Woche zu trainieren. Am Sonntag dürfte so mancher Spieler Muskelkater gehabt haben, mutmaßte Gabel.

Trotzdem spricht sich der Brinkumer SV für einen Saisonabbruch aus. „Wir haben im Verein alle Trainer befragt, die meisten möchten einen Abbruch“, bestätigte Gabel. Entsprechend werde sich der Verein auch bei einer Besprechung nebst Abstimmung am kommenden Mittwoch positionieren. Eine endgültige Entscheidung werde jedoch erst bis zum 5. Juni erwartet. Bis dahin wollen sich die Kicker vom Brunnenweg auf das große Ungewisse vorbereiten.

Die Spieler haben damit offenbar kein Problem. Vom Trainer gefragt, ob sie schon am Mittwoch oder erst wieder am Sonnabend trainieren wollten, stimmten sie sofort für den Mittwoch.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+