Fußball

Einst Gegenspieler, heute Trainerkollegen

Serkan Savran und Iman Bi-Ria wollten seit längerer Zeit zusammenarbeiten - jetzt tun sie es seit einigen Wochen im Trainerstab des Bezirksligisten bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst.
04.11.2020, 15:39
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup
Einst Gegenspieler, heute Trainerkollegen

Angekommen in Seckenhausen: Serkan Savran ist bei der TSG sehr schnell heimisch geworden und trägt seinen Teil zum Erfolg bei.

Fotos: Thorin Mentrup

Seckenhausen. Sie sind Freunde. Beste sogar. Iman Bi-Ria und Serkan Savran kennen sich seit vielen Jahren. Auf dem Fußballplatz standen sie sich bereits gegenüber, als sie an eine Freundschaft noch keinen Gedanken verschwendeten. In gemeinsamen Bremen-Liga-Zeiten waren sie nämlich Gegner: auf der einen Seite Savran, der Innenverteidiger, auf der anderen Seite Bi-Ria, der Stürmer. „An manche Spiele habe ich gute Erinnerungen, an manche schlechte“, sagt der 42-jährige Savran und lacht. Nichts haben sich die beiden damals auf dem Platz geschenkt. Dafür waren sie zu ehrgeizig. Mittlerweile aber verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: Sie arbeiten Hand in Hand für eine erfolgreiche Zukunft der ersten Fußballherrenmannschaft der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst.

Den Wunsch, gemeinsam für einen Klub tätig zu sein, hegt das Duo bereits seit längerer Zeit. Der 36-jährige Bi-Ria holte seinen Freund in seiner Funktion als Sportlicher Leiter im vergangenen Jahr zum BSC Hastedt, um Teammanageraufgaben bei der ersten Herrenmannschaft zu übernehmen. Kurz darauf trat er zurück – und Savran mit ihm. Gemeinsam oder gar nicht. So eng ist die Verbindung zwischen den beiden mittlerweile. Ausschlaggebend für die Freundschaft waren ihre Familien: „Unsere Frauen kennen sich sehr gut, unsere Kinder sind außerdem im selben Jahr geboren. Dadurch ist der Draht ganz eng geworden“, erzählt Bi-Ria. Bei seiner Hochzeit im Jahr 2006 habe er Savran noch gar nicht richtig gekannt. Nur als Gegenspieler vom Fußballplatz. Jetzt gehen beide durch dick und dünn.

Nach dem Ende in Hastedt war deshalb klar, dass beide auch sportlich noch einmal zueinander finden würden. „Dass es so schnell ging, habe ich aber nicht gedacht“, gibt Savran zu. Dabei ist er lange genug im Geschäft, um zu wissen: Im Fußball kommt es oft anders als erwartet. Bi-Ria wechselte zur TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, stieg als Spieler mit dem Team von der Kreis- in die Bezirksliga auf und übernahm zur laufenden Serie das Traineramt. Da wurde es Zeit, sein Versprechen einzulösen. „Wenn ich irgendwo einen Posten aufnehme, werde ich dich wieder dazuholen“, hatte Bi-Ria zu seinem Freund gesagt. Und er hielt Wort.

Wieder Seite an Seite

Seit einigen Wochen nun ist Serkan Savran offiziell Co-Trainer an der Seite Bi-Rias. Als es darum ging, einen neuen Mitstreiter für den Trainerstab zu finden, habe er sofort seinen Freund ins Spiel gebracht, verrät der Coach. „Weil wir uns blendend verstehen. Wir sprechen eine Sprache“, verdeutlicht er, dass sie ähnlich ticken. Aber nicht nur deswegen und um des alten Versprechens willen wollte er unbedingt wieder mit Savran zusammenarbeiten. „Vor allem hat Serkan sehr viel Fachwissen, was Fußball angeht. Deshalb war er mein absoluter Wunschkandidat“, erklärt der Cheftrainer. So überzeugte Savran auch die Spartenleitung.

Was auf ihn zukommen würde bei der TSG, das wusste der 42-Jährige bereits. Nicht nur aus etlichen Gesprächen mit Bi-Ria. Er hatte auch einige Spiele seines jetzigen Klubs gesehen. „Ich bin ja quasi auch ein Seckenhauser“, sagt er und lacht. Oft genug ist er schließlich bei seinem Freund, der direkt am Sportplatz wohnt, zu Besuch. Dann drehen sich die Diskussionen allzu oft um Fußball. „Unsere Frauen verdrehen manchmal vielleicht die Augen, wenn sie uns wieder reden hören. Aber Fußball ist unser Ding“, sagt Savran. Die gemeinsame Leidenschaft verbindet ihn und Bi-Ria.

Savran durfte als Jugendlicher von einer großen Karriere träumen, schaffte es über den VfB Komet, wo er seine Laufbahn begann, zum SV Werder Bremen. Dort spielte er in der B-Jugend unter anderem mit Alexander Nouri zusammen, dem späteren Cheftrainer der Profis. „Den ganz, ganz großen Sprung habe ich aber nicht geschafft“, sagt er. Eine durchaus beachtliche Karriere hat er dennoch hingelegt, nicht nur im Bremer Raum etwa beim SC Vahr-Blockdiek, Vatan Sport oder OT Bremen gespielt, sondern auch in Niedersachsen mit dem TB Uphusen in der Landesliga. „Eine echt schöne Zeit“, blickt Savran zurück.

Fußball, das war immer seine Leidenschaft – und das ist sie noch heute, zwei Schicksalsschläge später: Vor zwei Jahren, als er für Hastedt auflief, brach er zusammen und verschluckte seine Zunge. Eine halbe Minute lang war er bewusstlos. „Danach habe ich eine Pause eingelegt. Ein ganzes Jahr lang, obwohl ich schneller wieder auf dem Platz hätte stehen können“, erzählt er. Dann, im September 2019, spielte er mit Buntentors Ü40 gegen Werder Bremen und sackte erneut zusammen. Zwei Spieler retteten ihm das Leben. Wegen seiner Herz-Rhythmus-Störungen ist Savrans Laufbahn auf dem Feld nun vorbei. „Mittlerweile geht es mir besser, aber ich bin nach wie vor vorsichtig“, sagt er.

Kein unbeschriebenes Blatt

So ganz ohne Fußball aber geht es nicht. „Ich habe als Sechsjähriger angefangen, spiele also seit 36 Jahren. Für mich stand schnell fest, dass ich wieder etwas machen muss“, sagt Savran über die Zeit nach der zweiten Pause. Da kam die Anfrage seines Freundes gerade recht. Eine Aufgabe im Trainerstab reizte Savran nicht erst seit diesem Zeitpunkt. Spielender Co-Trainer war er bereits, die Hastedter Ü32 trainierte er sogar. Er ist also kein unbeschriebenes Blatt auf dieser Seite des Fußballlebens. Eine Lizenz hat er nur deshalb noch nicht, weil die gesundheitlichen Probleme ihn ausbremsten. „Aber das hole ich nach“, sagt Savran. Er bleibt sich treu: „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“

Diese Einstellung haben die Seckenhauser schnell zu schätzen gelernt. „Wir telefonieren täglich miteinander“, erklärt Bi-Ria. Die Aufstellung für das am vergangenen Wochenende abgesagte Heimspiel gegen den TSV Okel war bereits fünf Tage zuvor ein wichtiges Thema zwischen dem Duo. „Es ist klar, dass Iman der Chef ist. Aber er hört sich meine Meinung an“, fühlt Savran sich wertgeschätzt. Für seinen Vorgesetzten an der Seitenlinie ist das eine Selbstverständlichkeit: „Ich habe immer gesagt, dass ich die Mannschaft mitnehmen will, und das gilt auch für das Trainerteam. Ich hole Serkan, André (Schmitz, Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) und Arne (Budelmann, Co-Trainer) immer mit ins Boot.“

Weil beide sowohl privat als auch sportlich eng zusammengewachsen sind, ist der Draht des Cheftrainers zu Savran besonders eng. Dieses Vertrauen will der „Co“ rechtfertigen. Sein Einstand beim Tabellenführer war mit den Siegen über den SV Bruchhausen-Vilsen (2:0) und den SC Twistringen (5:2) perfekt. „Dass wir Herbstmeister geworden sind, hat mich echt glücklich gemacht“, bekräftigt Savran. Er identifiziert sich mit der TSG. „Ich fühle mich jetzt schon pudelwohl. Hier ist richtig etwas zusammengewachsen", schwärmt er. Damit meint er nicht nur die Mannschaft, die die sportlichen Schlagzeilen bestimmt, sondern auch das gesamte Drumherum. „Die Leute sind richtig aktiv. Hier passt sehr viel zusammen. Sie tun alles für den Verein. Ich kannte das von meinen vorherigen Vereinen nicht in diesem Maß. Das ist schon überragend.“

Diese Begeisterung sieht er als Verpflichtung an, sich für die TSG auch in Zukunft reinzuknien. Mit den ersten beiden Niederlagen der Spielzeit haben sich die Seckenhauser in die Pflichtspiel-Zwangspause verabschiedet. Es ist die erste schwierigere Phase der Saison. „Das war nicht schön, aber wir werden jetzt nicht in ein Loch fallen“, glaubt Savran. Stattdessen will er dazu beitragen, dass nach dem Neustart die Wende gelingt. Und das ist mehr als nur ein Freundschaftsdienst für Bi-Ria – schließlich ist Seckenhausen zur sportlichen Heimat Savrans geworden.

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