Fußball

Gabel fordert Herz und Leidenschaft

Die Saison des Umbruchs beginnt für den Brinkumer SV mit dem Heimspiel gegen den Topfavoriten Bremer SV.
01.08.2019, 18:10
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Von Thorin Mentrup
Gabel fordert Herz und Leidenschaft

Nachdenklich, aber nicht pessimistisch: Mike Gabel startet mit dem Brinkumer SV am Sonnabend in die neue Spielzeit.

Thorin Mentrup

Sie kommen aus Uphusen, aus Etelsen, aus Weyhe, aus Stuhr oder auch aus dem gemeinsamen Jugendförderverein mit dem TSV Weyhe-Lahausen: Wer die Neuzugänge des Fußball-Bremen-Ligisten Brinkumer SV aufzählen oder gar noch ihren ehemaligen Vereinen zuordnen will, der muss schon ein echter Kenner sein. Angefangen beim Trainerteam, das nun Mike Gabel und Kevin Artmann anführen, hat sich beim Klub vom Brunnenweg in der Sommerpause fast alles verändert. Die Mannschaft hat ein komplett neues Gesicht bekommen, der Umbruch läuft – und mit ihm auch die Findungsphase des neuen Teams, bei dem 14 Spieler gekommen und gegangen sind. Mitten in diese Phase hinein fällt der Saisonstart, der es mit den Brinkumern alles andere als gut meint: Denn der erste Gegner ist der amtierende Meister, der Bremer SV, der am Sonnabend (Anstoß: 14 Uhr) in Brinkum gastiert.

Mike Gabel sieht in der Bremen-Liga zwei Mannschaften, die zu stark für diese Klasse sind. Das ist zum einen der Bremer SV und zum anderen der FC Oberneuland, am kommenden Dienstag der zweite Brinkumer Gegner. „Der Start ist brutal schwer“, ordnet der Trainer das Hammerprogramm zum Auftakt ein. Der Spielplan kennt keine Gnade mit Brinkum. Wobei die Gastgeber nicht der einzige Klub waren, der sich ein komplett neues Gesicht verpasst hat. Auch der Bremer SV ist im Vergleich zum Vorjahr kaum wiederzuerkennen. Auch dort war der personelle Umbruch nach dem erneut verpassten Aufstieg in die Regionalliga riesig. Allerdings gibt es zwischen der Elf vom Brunnenweg und der vom Panzenberg einen Unterschied, wenn es darum geht, neue Spieler an Land zu ziehen. „Der Bremer SV greift da in ein ganz anderes Regal als wir“, verdeutlicht Gabel die finanziellen Unterschiede. Die Bremer holen etwa einen Jasin Jashari, der beim SC Paderborn bereits unter Profibedingungen trainierte und nun beim Team von Ralf Voigt das Tor hütet – für Brinkum ist so ein Transfer nicht zu stemmen. „Die Gegebenheiten sind eben andere, das müssen wir akzeptieren“, macht Gabel deutlich.

Die wirtschaftlichen Unterschiede lassen sich nicht wegdiskutieren, auch die Qualität der Einzelspieler ist aufseiten der Gäste sicherlich höher. „Da wächst vieles etwas schneller zusammen“, musste Brinkums neuer Coach erkennen. Er beobachtete den Gegner bei dessen 5:0-Sieg über den Regionalligaabsteiger VfL Oldenburg. Sackstark, sagt er, sei der Bremen-Liga-Meister gewesen. Gabels Schlussfolgerung: „Wir sind krasser Außenseiter, der Bremer SV ist wieder der absolute Topfavorit. Es muss viel zusammenpassen bei uns.“ Chancenlos sieht er seine Mannschaft dennoch nicht. „Wir wollen mit Herz und Leidenschaft ins Spiel gehen. Wenn wir es schaffen, das Spielfeld mit positiven Emotionen zu füllen, dann werden wir ein sehr unangenehmer Gegner sein.“ Das ist das Mindeste, was die Gastgeber im Duell der vergangenen beiden Meister reinwerfen müssen. „Und Selbstvertrauen zeigen“, wirft Gabel noch ein. „Ich erwarte, dass wir uns nicht direkt geschlagen geben, sondern gestanden Männerfußball spielen.“ Er will sehen, dass seine Elf dagegen hält, sich nicht ergibt, alles auf dem Platz lässt. Kämpfen, das weiß Gabel, kann man immer – und genau das erwartet er auch. Diskussionen über die Einstellung der Mannschaft soll es in Brinkum nicht erneut geben.

Dass es auf anderen Ebenen noch Defizite gibt, daraus macht der Trainer keinen Hehl. „Wir konnten nicht alles umsetzen, was Kevin und ich uns vorgenommen hatten.“ Einige angeschlagene Spieler und eine Trainingsbeteiligung, die teilweise für den Geschmack des Übungsleiters zu gering ausfiel, haben dafür gesorgt, dass er mit der Vorbereitung nicht zufrieden ist. Im Herbst, vielleicht sogar erst im späten, werde das Team körperlich auf dem Level sein, dass er am liebsten jetzt schon sehen würde. Das zeigt: Der Umbruch ist ein mühsamer Prozess. Und doch stimmen laut Gabel die Richtung und die Entwicklung: „Wir haben im Spiel mit dem Ball einen Schritt nach vorn gemacht und auch nicht so viele Gegentore kassiert. Das stimmt uns zuversichtlich. Auch körperlich sieht es schon besser aus als zu Beginn. Wir machen regelmäßig Leistungstest, um das zu überprüfen.“ Was ihn ebenfalls positiv stimmt: „Die Jungs ziehen super mit, sie nehmen alles an und sind sehr aufgeschlossen. Sie versuchen alle Dinge umzusetzen.“ Das ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Jahr des Umbruchs – und letztlich auch für eine Überraschung zum Auftakt.

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