Gemeinderatswahl in Stuhr

Viele neue Gesichter in den Fraktionen

Fast die Hälfte der künftigen Mitglieder im Stuhrer Gemeinderat ziehen erstmals in das Gremium ein. Der Generationswechsel wird von den Parteien jedoch unterschiedlich bewertet.
13.09.2021, 16:36
Lesedauer: 3 Min
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Viele neue Gesichter in den Fraktionen
Von Claudia Ihmels
Viele neue Gesichter in den Fraktionen

Die Grünen haben künftig acht statt bisher fünf Sitze im Rat, die Freude darüber war bei Kristine Helmerichs, Michael Wischniewski-Purrmann, Anne Kahle-Greffrath und Susanne Buchholz (von links) groß.

Claudia Ihmels
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Die Grünen haben künftig acht statt bisher fünf Sitze im Rat, die Freude darüber war bei Kristine Helmerichs, Michael Wischniewski-Purrmann, Anne Kahle-Greffrath und Susanne Buchholz (von links) groß.

Foto: Claudia Ihmels

Stuhr. Die CDU bleibt die stärkste Fraktion im Stuhrer Gemeinderat – wenn auch mit deutlichen Verlusten. Zugelegt hat dagegen vor allem Bündnis 90/Die Grünen, die Partei ist künftig mit drei Sitzen mehr im Rat vertreten. Auch die FDP bekommt einen Sitz mehr, die Fraktion Besser muss hingegen zwei abgeben. Mit einem Sitz zieht zudem die AfD erstmals in den Stuhrer Rat ein. Die SPD konnte ihre elf Sitze halten.

Die CDU hat insgesamt zwar Stimmen verloren, stellt mit Finn Kortkamp aber dennoch den Wahlsieger. Der 29-Jährige erhielt 1227 Direktstimmen – und damit deutlich mehr als die SPD-Kandidaten Dennis True (889) und Susanne Cohrs (863) mit den zweit- und drittmeisten Direktstimmen. "Das motiviert mich", so Kortkamp, der vor einem Jahr auch den CDU-Fraktionsvorsitz übernommen hatte. Den Verlust von 7,3 Prozentpunkten im Gesamtergebnis seiner Partei sieht er auch am Montagmorgen zum einen im Generationswechsel unter den CDU-Kandidaten begründet. "Gerade die jüngeren Kandidaten müssen sich erst etablieren", sagte Kortkamp. Er selbst war 2011 mit gerade 19 Jahren zum ersten Mal in den Stuhrer Rat eingezogen. In Stuhr gut vernetzte CDU-Lokalpolitiker wie Frank Schröder, Marliese Brandes, Bernd-Artin Wessels und auch Lars Nordbruch seien nicht wieder angetreten, diese Stimmen würden fehlen. Zum anderen spiegele das Ergebnis den Bundestrend wider. "Die SPD hat sich stabilisiert, die Grünen haben Rückenwind bekommen", so Kortkamp.

Das sah die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Cohrs ähnlich. "Vielleicht hat der Bundestrend uns auch ein wenig geholfen", sagte sie und fügte hinzu: "Ich bin froh, dass wir unsere Stimmenanzahl gehalten haben." Ihr persönliches Ziel, wieder direkt gewählt zu werden, habe sie auch erreicht, ebenso hätten ihre Mentees Ilse Zeineddine und Sonja Blaß den Sprung in den Gemeinderat geschafft.

Bei Bündnis 90/Die Grünen sind gleich sechs Kandidaten neu im Rat, zusammen mit der Fraktionsvorsitzenden Kristine Helmerichs und ihrem Mann Bernhard Helmerichs kommt die Partei nun auf acht Sitze, bislang waren es fünf. "Das ist einfach toll", freute sich Kristine Helmerichs. Den Zuwachs wertete sie als Ergebnis "aus vielen Anträgen und der tollen Politik der letzten fünf Jahre". Themen wie das Schwimmbad und das Haus der Gesundheit hätten geholfen. "Und wir hatten einen tollen Wahlkampf", ergänzte sie. 

Hochzufrieden mit dem Wahlergebnis ist auch Alexander Carapinha Hesse, Fraktionsvorsitzender der FDP. Zehn Prozent seien das Ziel gewesen, das hätte man "übererfüllt". Die FDP sei mit ihren nun vier Sitzen außerdem künftig die U40-Fraktion im Rat, der Generationswechsel sei geglückt. Gleichzeitig sprach er von einer großen Zäsur, denn mit Jürgen Timm und Jan-Alfred Meyer-Diekena haben es zwei langjährige FDP-Ratsmitglieder nicht erneut in das Gremium geschafft. Besonders das Aus für Meyer-Diekena im Wahlbereich 2 sei überraschend gekommen, aber Jonas Thomsen habe im Wahlkampf einfach "mega performed". Der Fahrenhorster Politik-Neuling schaffte mit 311 Stimmen den Direkteinzug in den Rat. Als Grund für das gute Abschneiden der FDP wertete Carapinha Hesse außerdem, dass man im Wahlprogramm vieles aufgenommen hätte, was von den Bürgern an die Kandidaten herangetragen worden sei.

Als "schlecht" beurteilte hingegen Besser-Fraktionschef Gerd-Wilhelm Bode das Abschneiden des Vereins. Besser büßte über vier Prozentpunkte ein und wird künftig nicht mehr mit vier Politikern, sondern nur noch mit Bode und Joachim Döpkens im Rat vertreten sein. "Aber wir beide sind ein eingespieltes Team", gab sich Bode optimistisch. Dennoch müsse der Verein in den kommenden Jahren daran arbeiten, politischen Nachwuchs zu finden. Für eine umfassende Analyse sei es noch zu früh, aber er befürchtete, "dass wir ein wenig unter die Räder der Bundestagswahl gekommen sind". Auch die Pandemie habe dem Verein sicher mehr Schaden zugefügt als den Parteien, die auf ganz andere Strukturen zurückgreifen könnten. Ebenfalls als "schlecht" kommentierte Bode den erstmaligen Einzug der AfD in den Stuhrer Rat.

2,24 Prozent der Stimmen hatte deren Kandidat Michael Schnieder erhalten. "Mit meinem persönlichen Ergebnis bin ich zufrieden", sagte Schnieder, der in den vergangenen fünf Jahren als Kreistagsabgeordneter der AfD erste kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt hatte, nun aber den erneuten Einzug in den Kreistag verpasste. Im Stuhrer Gemeinderat wolle er nun "im Sinne der

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Schon beim Eintrudeln der ersten Wahlergebnisse zeichneten sich am Sonntagabend Verluste für die Stuhrer CDU ab, dementsprechend verhalten verfolgten Heiner Lampe, Finn Kortkamp und Uwe Schweers (von links) das Geschehen.

Foto: Claudia Ihmels

Sache und zielorientiert" mit den anderen Fraktionen zusammenarbeiten. "Ich freue mich auf gute Diskussionen", so Schnieder.

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