Handball

„Ich habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen“

Nach 14 Jahren ist Sven Engelmann nicht länger Handball-Trainer der HSG Stuhr. Im Interview bewertet der 53-Jährige die aktuelle Situation und er blickt auf seine Zeit am Brunnenweg zurück.
29.05.2020, 16:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Jürgen Prütt
„Ich habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen“

Trainer Sven Engelmann verlässt die HSG Stuhr nach 14 Jahren.

Braunschädel

Die Handball-Saison 2019/2020 ist inzwischen von allen Verbänden für beendet erklärt worden. Profitiert vom vorzeitigen Aus hat auch die HSG Stuhr. In der veröffentlichten Abschlusstabelle der Landesliga stehen die Männer aus dem Kreis Diepholz auf dem letzten Rang. Dennoch werden die Stuhrer auch in der kommenden Spielzeit in der Landesliga starten. Der Grund: Es gibt in dieser Spielzeit keine Absteiger. Für Trainer Sven Engelmann war das 14. auch das letzte Jahr bei der HSG. Im Interview bewertet der 53-Jährige die aktuelle Situation und er blickt auf seine Zeit am Brunnenweg zurück.

Herr Engelmann, da es keine Absteiger gibt, hat die HSG Stuhr vom vorzeitigen Ende der Saison profitiert. Ihr Team ist mit einem dicken blauen Auge davongekommen. Wie bewerten sie die Entscheidung?

Sven Engelmann: Mit Blick auf unseren Tabellenstand – da bin ich ehrlich – kann ich da natürlich gut mit leben. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass wir den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft geschafft hätten. Wichtige Spieler wie etwa Torwart Aschkan Sadeghi wären bei einer Wiederaufnahme der Saison in den Kader zurückgekehrt und von den Top-Teams hätten wir nur noch den TV Oyten als Gegner gehabt. Dass Oyten am Ende aufgestiegen ist, hat sich die Truppe verdient. In der Verbandsliga werden sie aber zulegen müssen.

Sie hatten früh ihren Abschied kommuniziert. Nun haben Sie das Ende nach 14 Jahren quasi auf der Couch verlebt. Schon ein komisches Gefühl?

Ich hatte mir das tatsächlich etwas anders vorgestellt. Ich gehe aber mal davon aus, dass der Verein eine Verabschiedung nachholen wird, wenn es die Umstände wieder zulassen. Auf jeden Fall werden meine Frau und ich die Spieler noch zu einem Grillabend zu mir nach Hause einladen.

Die nun abgebrochene Serie war schon eine zum Vergessen?

Die Belastung war tatsächlich groß für uns Trainer. Man will von Außen ja immer für positive Energie sorgen. Das ist nicht immer gelungen. Am Ende habe ich in den Spielen und Trainingseinheiten nur noch wenig korrigiert.

In 14 Jahren gab es bestimmt das eine oder andere Highlight?

Noch zu Brinkumer Zeiten, nach unserem Abstieg aus der Oberliga der sofortige Wiederaufstieg – das war schon eine besondere Saison. Anders als in diesem Jahr haben wir damals viele Spiele knapp für uns entschieden. Ich habe in all den Jahren viele tolle Menschen kennenlernen dürfen. Das ist hängen geblieben. Mir fällt kaum jemand ein, für den es sich nicht gelohnt hätte, in die Halle zu kommen.

Ab der kommenden Saison nimmt Mike Owsianowski ihren Platz ein. Was trauen Sie der HSG unter ihrem Nachfolger in der kommenden Serie zu?

Der Kader wird durch externe Zugänge und die Rückkehr von Oliver Link breiter aufgestellt sein. Das ist schon mal ein wichtiger Schritt. In diesem Jahr ist uns unsere dünne Personaldecke zum Verhängnis geworden. Ein guter Auftakt wird wichtig sein für Mike. Als ehemeliger Spieler ist er nah dran am Team. Läuft es gleich zu Beginn nicht rund, dann könnte der nicht vorhandene Abstand zur Mannschaft schnell zu einem Problem werden.

Sie selber wollten eine Pause einlegen. Bleibt es dabei?

Ich habe in Sachen Handball aktuell nichts auf dem Zettel. Da wir Corona bedingt im Zweischichtsystem arbeiten, mache ich mich früh morgens auf den Weg nach Lohne. Nach Feierabend muss ich telefonisch erreichbar sein. Über mangelnde Auslastung kann ich mich aktuell nicht beklagen. Und das eine oder andere private Projekt steht dann auch noch an.

Aber Angebote gab es schon?

Tatsächlich kaum. Nur ein paar Anfragen aus dem Jugendbereich.

Wenn ihnen dann doch irgendwann die Decke auf den Kopf fallen sollte, was für ein Angebot würde Sie reizen?

Eine junge Mannschaft mit Ehrgeiz, die in einem guten Umfeld etwas erreichen möchte. Auf solch ein Projekt hätte ich Lust.

Das Gespräch führte Jürgen Prütt.

Info

Zur Person

Sven Engelmann

hat bei der SG Marßel zunächst Fußball gespielt. Als B-Jugendlicher wechselte er zum Handball. Mit dem TV Grambke war der Linkshänder in der 2. Bundesliga unterwegs. Bei den Nordbremern sammelte der 53-Jährige auch erste Erfahrungen als Trainer. Beim FTSV Jahn Brinkum, der 2016 mit der TSG Seckenhausen/Fahrenhorst und dem TV Stuhr zur HSG Stuhr verschmolzen ist, saß der Siebdruckmeister 14 Spielzeiten auf der Bank, vier Jahre coachte Sven Engelmann parallel noch die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg. Der Vater eines erwachsenes Sohnes lebt mit seiner Frau Carmen in Lemwerder.

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