Hansa-Talent Lea Jerkovic

Von Dämpfer zu Dämpfer

Das Sportjahr 2020 hielt für Lea Jerkovic keine Erfolgserlebnisse parat: erst eine Verletzung, dann die Kontaktbeschränkungen. Dennoch will sie in diesem Jahr noch einmal gute Leistungen zeigen.
19.02.2021, 14:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Stuhr. Allzu viele Möglichkeiten hatte Lea Jerkovic nicht, um sich im Sportjahr 2020 zu beweisen. Persönliche Bestleistungen blieben für die Langstrecken-Läuferin des LC Hansa Stuhr ebenso aus wie gute Platzierungen bei wichtigen Wettkämpfen.

Immerhin: In der Landesbestenliste führt sie über 2000 Meter Hindernis das dreiköpfige Teilnehmerfeld mit ihrer Zeit von 7:51,95 Minuten an, die sie in Dortmund gelaufen war. Für einen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich fehlte der 19-Jährigen jedoch noch knapp eine Minute. Über 3000 Meter reichte ihre Zeit von 11:10,59 Minuten niedersachsenweit noch für Rang vier.

Für das Hansa-Talent stand schon früh fest, dass sie die selbst gesteckten Ziele nicht erreichen würde. „Ich hatte eigentlich mit der Saison abgeschlossen“, beschreibt sie ihre gemischten Gefühle. Denn nachdem sie im Jahr 2019 bei der Deutschen U20-Meisterschaft trotz Schuhverlusts noch in 7:23,65 Minuten als Siebte und mit persönlicher Bestleistung die Ziellinie überquert hatte, wollte sie im vergangenen Jahr eigentlich unter den besten Fünf abschließen.

Doch daraus wurde in einem chaotischen Jahr nichts. Bei ihrem einzigen Wettkampf in dieser Disziplin in Dortmund verpasste sie die Norm von 7:35,00 Minuten. Selbst wenn sie noch U18-Starterin gewesen wäre, hätte sie das Ticket nach Heilbronn nicht gelöst. „Es lastete ein sehr großer Druck auf mir vor Dortmund“, rekapituliert Jerkovic.

Nur teilweise lässt sich dieses verbrauchte Jahr 2020 für die 19-Jährige mit der Coronavirus-Pandemie erklären. Erschwerend kam für Jerkovic noch eine Verletzung und ein zusätzlich verspäteter Trainingsbeginn für sie hinzu. Die Meniskus-Beschwerden führt sie auf eine Überlastung zurück. „Ich habe mir nach meinem Aufenthalt in den USA keine Pause benommen, da hat mir mein Körper ein Zeichen gegeben“, beschreibt sie.

Sich in dieser Konstellation auf eine ungewisse Saison vorzubereiten, erschien dann gleich doppelt kompliziert. „Man musste mit sich selbst zurechtkommen und dann kam noch die Verletzung“, sagt Jerkovic über das das Frühjahr. Zunächst hieß es deshalb, Fahrradfahren, Spinning und Cross-Trainer statt die gewohnten Läufe über längere Strecken. Für eine talentierte Athletin, die zuvor noch nicht mit körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte, eine ungewohnte Situation. „Das war eine ganz neue Erfarhung“, bestätigt Jerkovic. Als wegen der Kontaktbeschränkungen dann auch noch der Sportplatz zwischenzeitlich gesperrt war, musste sie sich mit Bergläufen mit Crossläufen im Fahrenhorster Wald begnügen – auch das dämpfte die Motivation.

Später Einstieg, wenig Vorbereitung, keine Wettkampfpraxis – das waren gewiss keine Voraussetzungen, um bei den Deutschen Meisterschaften ganz vorne anzugreifen. „Ich wusste nicht, wo ich stehe“, sagt Jerkovic über ihre Motivation, in Dortmund den Leistungsvergleich zu wagen und vielleicht doch das DM-Ticket zu lösen: „Ich wollte es wenigstens probieren – es hat nicht geklappt.“

An eine richtige Hallensaison ist angesichts der abermaligen Beschränkungen nicht zu denken. Das dürfte Jerkovic auch gar nicht ungelegen kommen. So kann sie sich erst einmal voll und ganz auf ihr anstehendes Abitur konzentrieren. Deshalb habe sie vorerst das Trainingspensum reduziert. „Ein bisschen dabei bleiben“, gibt sie vorerst als Motto aus.

Die derzeitige Sparflamme soll voraussichtlich zur kommenden Freiluft-Saison wieder aufgedreht werden. Der Plan sei, nach dem Abitur ein Jahr Pause einzulegen, da sie noch nicht genau wisse, welcher Studiengang der passende sein könnte. „Das will ich herausfinden und mich mehr auf den Sport konzentrieren“, sagt Jerkovic. Sie sei sich durchaus bewusst, dass es mit zunehmenden Alter schwieriger werde, in der Leistungsklasse mitzumischen. „Ich will die Ziele nicht zu hoch stecken und nicht alles dem Sport unterstellen“, sagt sie mit Blick auf ihre Ambitionen. Als Ziel gibt sie deshalb aus, die Leistungen wieder zu verbessern – vielleicht klappt es dann auch noch einmal mit der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft.

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