E-Sport

Hochleistungssport am Computer

Der Brinkumer Tobias Schrepfer leitet das E-Sport-Team Aequilibritas eSports. Bei der ESL-Wintermeisterschaft 2018 in Oldenburg erreichte das Team den dritten Platz.
30.03.2019, 20:23
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Hochleistungssport am Computer
Von Eike Wienbarg
Hochleistungssport am Computer

Das E-Sport-Team Aequilibritas eSports erreichte in der ESL-Wintermeisterschaft 2018 in Oldenburg den dritten Platz.

Janina Rahn

Das Phänomen E-Sport wächst und wächst. Immer mehr Menschen sind fasziniert vom wettbewerbsbetonten Spielen am Computer. Während in einigen Ländern E-Sport schon eine Art Volkssport ist, fristet er in Deutschland noch immer ein wenig ein Nischendasein. Viele Spieler setzen sich aber trotzdem engagiert für ihre Sparte ein.

So wie der 25-Jährige Tobias Schrepfer aus Brinkum. Im Jahr 2016 gründete er mit Mitstreitern das E-Sport-Team Aequilibritas eSports, das mittlerweile zu den deutschen Top-Teams der Szene gehört. So qualifizierte es sich im Winter sogar für die Finalspiele der ESL (Electronic Sports League), der Bundesliga für das Spiel League Of Legends (LOL), in der Weser-Ems-Halle in Oldenburg.

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Mit 13 Jahren begann Schrepfer mit dem E-Sport. Zunächst spielte er den Ego-Shooter Counter Strike und das Online-Rollenspiel World Of Warcraft. Später kam er dann zu League Of Legends. „Meine Eltern fanden es erst gar nicht gut“, erzählt er. Dabei sei E-Sport genau so ein Hobby wie Hand- oder Fußball. So kickte er in seiner Jugend ebenfalls.

Über Foren stieg Schrepfer in die E-Sport-Szene ein. Online treffen sich die Spieler, um miteinander zu spielen, berichtet Schrepfer, der sich im Spiel Kappoby nennt. Später folgte dann die Gründung des eigenen Teams, um das er sich als „Organisator im Hintergrund“ kümmert. Selbst dafür zu spielen, schafft er mittlerweile nicht mehr, berichtet Schrepfer über seine Aufgabe, zu der auch die Sponsorengewinnung gehört.

Ziel ist es das gegnerische Hauptgebäude zu zerstören

Aequilibritas eSports (AEQ) hat sich in LOL an die deutsche Spitze gekämpft. Bei LOL, einem Moba (Multiplayer-Online-Battle-Arena-Spiel), treten immer fünf Spieler gegen ein anderes Team an. Ziel ist es, durch Taktik und Absprache das gegnerische Hauptgebäude, den Nexus, zu zerstören. Über verschiedene Pfade (Lanes) erreichen die Figuren die Gegner. Dabei kommt es vor allem auf die Taktik an, so Schrepfer. „Das Spiel braucht Absprachen, strategisches Denken und Antizipation“, sagt der Groß- und Außenhandelskaufmann. Kognitive Fähigkeiten und Reaktionsschnelligkeit werden ebenso gefordert und gefördert. „Die Spieler müssen Prozesse super schnell verarbeiten“, sagt er.

Anfang 2017 stieg das Team in die ESL auf. In der Wintermeisterschaft 2018 folgte dann das bisherige Highlight: So qualifizierte sich das Team für die Finalspiele, gemeinsam mit Szenegrößen wie den Teams Mousesports und SK Gaming. Dort spielten sie vor rund 1000 Zuschauern in der Halle und bis zu 10 000 Zuschauern über Streaming-Plattformen. „Das war eine großartige Erfahrung für die Jungs“, sagt Schrepfer, auch wenn es für das internationale Team mit den Deutschen Marc-André „Fynnek“ Meyer, Johannes „Fun K3y“ Werner, Nils „hammann“ Hammann, dem Israeli Elad „Change Name“ Eliyahu und dem Niederländer Jochem „Rabble Arouser“ van Graafeiland nur für den geteilten dritten Platz reichte.

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AEQ setzt in seiner Philosophie auf Nachwuchstalente. Schrepfer beschreibt es als „Ausbildungsteam“. Im Gegensatz zu den Größen der Szene fehlen die großen Sponsoren, die den E-Sport zunehmend als Werbebereich entdeckt haben. Dazu gehören neben Elektronik- und Kommunikationsfirmen auch Unternehmen aus der Automobil- und Versicherungsbranche. Schwerpunkte der Teams sind Berlin und Köln. „Wir sind das einzige Team aus dem Nordwesten Deutschlands“, sagt Schrepfer. Neben LOL sind die Spieler von AEQ auch in anderen Spielen wie Counter Strike, Fortnite oder Rainbow 6 aktiv.

Auch Sportvereine entdecken E-Sport für sich

Aber auch Sportvereine entdecken den E-Sport zunehmend für sich. In der Liga um AEQ ist so mittlerweile ein Team des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 vertreten. Andere Vereine wiederum scheuen noch den Schritt in den E-Sport. Vor allem aufgrund des schlechten Rufs von Ego-Shootern wie Counter-Strike. „Da wird oft der Begriff ,Killerspiel‘ wieder aus der Mottenkiste geholt“, bemängelt Schrepfer. Wettkämpfe in der Fußball-Simulation Fifa könnten manche Vereine aber mit sich vereinbaren lassen.

Auch die Diskussion um die Anerkennung des E-Sports durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verfolgt Schrepfer. Dessen ablehnende Haltung sieht er aber nicht als Problem. „Der E-Sport braucht nicht unbedingt die politische Anerkennung. Die Szene spricht für sich“, findet er. Der E-Sport stehe für „Menschlichkeit und Toleranz“. Gerade durch die internationale Szene gebe es keinen Platz für Rassismus. „Der E-Sport ist auf einem sehr guten Weg“, findet Schrepfer.

Weitere Informationen zu AEQ gibt es unter https://aeq-esports.de.

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