Jubiläum im Gasthaus Nobel

In Familienhand

Die Nobels haben in Moordeich eine lange Familiengeschichte. Vor 150 Jahren erhielt ihr Gasthaus die Lizenz zum Branntweinausschank.
29.12.2019, 16:40
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In Familienhand
Von Eike Wienbarg

Alles fing im Jahr 1709 mit der Geburt von Otto Hinrich Nobel an: Dessen landwirtschaftliches Anwesen in Moordeich wuchs und wuchs damals stetig. Sein Sohn Johann Wilhelm sowie dessen Sohn Andreas Nicolaus Eilhardt führten den Hof weiter. Mit dem Wachstum des Betriebs und der Familie war aber bald ein zweites Standbein nötig: Menschen mit Getränken und Speisen versorgen. Wie bei so vielen Landwirten damals entstand aus kleinen Anfängen nach und nach ein eigenes Gasthaus. 150 Jahre nach Otto Hinrich Nobel, ab dem Jahr 1860, begannen Johann Segelke Nobel und dessen Frau Anna auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Moordeich Veranstaltungen auszurichten, 1869 folgte die Konzession für den Branntweinausschank. Auch heute, wiederum 150 Jahre später, ist das Gasthaus Nobel am Neuen Weg 13 noch immer seiner Familientradition treu. Und das Haus kann sein Jubiläum feiern.

Von Holland nach Stuhr

Heute führt mit Klaas Nobel die achte Generation der Moordeicher Familie das Gasthaus. Der Gastronom ist sich der Tradition des Hauses und seiner Familie bewusst. Bis ins Detail hat er sich mit der Geschichte seiner Familie, die ihre Wurzeln in den heutigen Niederlanden hat, beschäftigt. „Die Holländer haben Moordeich urbar gemacht“, erzählt Klaas Nobel von den Anfängen des heutigen Stuhrer Ortsteils. Auch eine Familie Nobel fand dort ihr Zuhause. „In Holland wohnen viele Nobels“, weiß der Gasthausinhaber weiter zu berichten. So hat Klaas Nobel Kontakt zu einer Familie mit gleichem Namen, die in den Niederlanden ebenfalls ein Hotel und eine Brennerei betreibt. Den dortigen Schnaps hat Nobel auch in Moordeich im Angebot.

Seine Vorfahren betrieben, wie beschrieben, zunächst Landwirtschaft. Später folgten sie dann, wie andere auch, dem Ruf zur Gastwirtschaft. „Damals gab es Probleme, im Winter zu feiern“, erzählt Klaas Nobel. So waren die Tiere dann meist auf der Diele und es war kein Platz vorhanden. Die Nobels betrieben in den kommenden Jahren beide Wirtschaftszweige parallel und professionalisierten ihre Tätigkeit. Ab 1860 wurden auf der neuen Diele des Bauernhauses auch Veranstaltungen ausgerichtet. Klaas Nobels Vorfahre Johann Segelke Nobel holte dann neun Jahre später die Konzession für den Branntweinausschank ein. 1871 wurde die erste Gaststube eingeweiht. „Vermutlich dort, wo heute der Saal steht“, so Klaas Nobel.

Beliebtes Ausflugsziel für die Städter

Bis zum Bau der vorderen Bierstube dauerte es dann noch ein paar Jahre. Diese wurde unter der Regie von Claus Heinrich Nobel um 1910 fertiggestellt, berichtet Klaas Nobel. Unter dem Namen „Zur Erholung“ begann Claus Heinrich Nobel mit dem Betrieb. Der Name hat dabei eine ganz bestimmte Bedeutung: So sollte er die Bremer aus ihrer Stadt herauslocken, erklärt Klaas Nobel. Die Städter kamen dann häufig zu Ausflügen mit der Kutsche aufs Land und ließen es sich dort gut gehen. Ein Trend, der bis in die 1980er- und 1990er-Jahre anhielt – dann allerdings mit dem Rad. „Alle nahmen Erdbeerkuchen mit Sahne“, erzählt Klaas Nobel mit einem Schmunzeln. Mit dem Bau der Gastromeile Schlachte am Ufer der Weser in der Hansestadt ebbten die Besucherströme in Richtung Bremer Umland ab, so der Gastronom.

1930 folgte der Saalbau am Neuen Weg 13. Die Gaststätte bekam den Namen Nobel's Central Palast. Mit dem Aufkommen des Vereinswesens ab 1900 wurde ein Saal ständig gebraucht. Dort wurde geturnt und getanzt, die Stuhrer Schützen nutzten die Räumlichkeiten für ihren Schießstand, die Kegelbahn war laufend in Betrieb, erzählt Klaas Nobel. „Es wurde alles hier gemacht“, sagt er. So diente das Gasthaus später auch als Trauzimmer, Sitzungsort für politische Gremien und zur Auszahlung des Arbeitslosengeldes.

Im Jahr 1937 übernahmen dann die beiden Schwestern Gretchen (Grete) Anna Nobel, die Großmutter von Klaas, und Lisa Nobel sowie Gretes Mann Karl die Gaststätte. In den 1960er-Jahren gab die Familie die Landwirtschaft auf und widmete sich voll und ganz dem Gasthaus. Als im Jahr 1965 Karl Nobel – der Mann von Grete hatte ihren Namen angenommen – starb, musste Sohn Heinz (kurz für Heinrich) schon in jungen Jahren in den Betrieb einsteigen. Im Jahr 1946 geboren ging Heinz Nobel bereits mit 14 Jahren in die Lehre und lernte als Hotelpage und Kellner im Bremer Überseehotel. Später ging er in die Kochlehre im Lloyd Hotel. Seine erste Stelle hatte er in Bad Zwischenahn.

Von heute auf morgen musste er sich aber um das Moordeicher Familiengasthaus kümmern. Ab 1971 bekam er dabei Unterstützung von seiner Frau Edith. Heinz Nobel bildete sich parallel immer weiter, bildete selbst aus und auch das Gasthaus wurde immer wieder erweitert und modernisiert. In dem Saal fanden mehr als 300 Gäste Platz, so Klaas Nobel, der im Jahr 1972 das Licht der Welt erblickte. 1980 stand die Feier zum 111-jährigen Bestehen an.

Bewährtes Konzept bleibt

2003 stiegen Klaas Nobel und dann auch seine Ehefrau Iris, die ebenfalls aus einer Gastronomiefamilie stammt, selbst in den Betrieb ein. Der gelernte Koch und studierte Betriebswirt begann seine Ausbildung ebenfalls recht früh mit 15 Jahren, sammelte Erfahrungen im In- und Ausland, kam viel herum, probierte viel aus. Seit 2013 führt er das Gasthaus als Inhaber. Trotz kleiner Veränderungen blieb das Konzept des Gasthauses und Restaurants über die Jahre hinweg gleich. „Wir bleiben deutsch mit mediterranem Einfluss“, erklärt Nobel, der auch in Frankreich gelernt hat.

Was sich allerdings verändert hat, sind die Gäste. Während diese früher teilweise bis zu vier Stunden mit mehreren Gängen in einem Restaurant verbrachten, bleiben sie heute nur noch rund 90 Minuten, hat Nobel beobachtet. Auch das klassische Tresengeschäft eines Gasthauses reduzierte sich. So nahm wie bei vielen Gaststätten die soziale Funktion der Einrichtung ab. „Das Tresengeschäft ist noch da, aber mit früher nicht mehr vergleichbar“, sagt Klaas Nobel. Daher müsse sich ein Gasthaus immer weiterentwickeln. „Ein Gasthaus lebt vom Dorf“, erklärt der Gastronom weiter. Pläne für die Zukunft hat Nobel schon im Gepäck, ohne zu viel verraten zu wollen.

Das 150-jährige Jubiläum soll allerdings nicht groß gefeiert werden, berichtet der Vater von zwei Kindern. Vielmehr soll gemeinsam mit den Gästen über das kommende Jahr verteilt gefeiert werden. Und zwar mit verschiedenen Partys zu unterschiedlichen Anlässen. „Kohl, Spargel“, zählt Klaas Nobel auf und blickt trotz großer Herausforderungen hoffnungsvoll in die Zukunft des Familienunternehmens.

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