Trauer und Bestattung im MGH

Infomesse, um dem Tabu zu trotzen

Bei der Veranstaltung im Mehr-Generationen-Haus Brinkum drehte sich alles um eher unangenehme Themen.
30.09.2019, 12:15
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Von Gerald Weßel
Infomesse, um dem Tabu zu trotzen

Einiges los auf der Infomesse "Und dann?!". Den Besuchern bot sich an vielen Ständen die Möglichkeit, Wege des Trauerns und der Bestattung zu entdecken.

Braunschädel

Stuhr-Brinkum. Es ist kein Thema für jedermann. Und doch muss sich irgendwann ein jeder Mensch mit dem, was nach dem Leben kommt, auseinandersetzen. Entweder für sich selbst oder um seine Angehörigen. In Brinkum bot sich am Sonntag eine Chance, sich vorab mit vielen Fragen rund um Bestattung und Trauer zu beschäftigen. Im Mehr-Generationen-Haus (MGH) Brinkum fand die Infomesse „Und dann?!“ statt. Florian Krause, Mitveranstalter und Bestatter aus Eydelstedt, erklärte den Titel: „Wir beschäftigen uns mit dem, was danach kommt.“ Sie seien die logische Ergänzung zur Messe „Leben und Tod“, die regelmäßig in Bremen stattfindet.

Die Bestattung im Sarg sei noch immer die beliebteste, doch auch die in der Urne nimmt stark zu. Allerdings bieten sich bei dieser weit mehr Optionen, als sie nur in die Erde zu setzen. Zum Beispiel Seebestattungen: Hierbei wird die Asche aber in eine spezielle Urne umgelagert, da sich die aus einem Biokunststoff bestehende Standard-Urne, die bei Erdbestattungen zum Einsatz kommt, sich im Wasser nicht auflöst. Denn es habe schon Fälle gegeben, bei denen unseriöse Anbieter für Seebestattungen die normalen Urnen genommen hätten. Das Ergebnis: Die Urne wurde wenige Tage später am Strand gefunden. Die spezielle Urne für Seebestattungen löst sich innerhalb von wenigen Minuten auf und gibt die Asche ins Meer.

Der Umgang mit dem Tod und die Entscheidung für eine Art der Bestattung bleibt kaum jemandem erspart, aber auch Trauer ist ein Teil des Prozesses. So bietet Florian Krause mit seiner Frau Trauerbegleitungen an. Allerdings sind die Methoden zu Umgang und Bewältigung der Trauer sehr verschieden. Dies ist auch im MGH sichtbar. So gibt es etwa einen Stand, bei dem aus Kleidung Verstorbener Erinnerungsstücke angefertigt werden.

Mit einem besonders oft tabuisierten Unterthema der Trauer beschäftigt sich Gaby Küpper. Sie ist für den Verein „AGUS Angehörige um Suizid“ tätig und berät auch im MGH die Hilfesuchenden. Von diesen gebe es sehr viele, da nur sehr wenige Organisationen sich um die Probleme der Hinterbliebenen einer Selbsttötung kümmerten. „Zum Teil kommen die Menschen aus über 60 Kilometer Entfernung“, berichtete sie. „Es gibt schlicht keine anderen Angebote, um sich über dieses Thema auszutauschen.“ So seien die Kurse auch immer sehr schnell voll. Die Gründe der Menschen seien vielfältig. „Sie reichen von Fragen zu Bürokratie über religiöse Probleme oder eben auch die klassische Trauerbewältigung“, zählte sie auf. Das Thema ist laut Küpper immer noch sehr tabuisiert, und die Betroffene verlieren oft nicht nur einen geliebten Menschen, sondern auch Freunde, da diese sich reflexartig zurückziehen. Auch diese wüssten nämlich nicht, wie sie mit dem Thema umgehen können. Vielleicht ist diese Messe ja dank der vielen Besucher ein Schritt hin zu einem offeneren Umgang mit diesen, uns alle betreffenden Themen.

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