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Die größte Überraschung

Jost-Eike Behrens wollte in seinem ersten Jahr beim Brinkumer SV vor allem eins: jede Menge lernen. Doch für den aus der A-Jugend des JFV Weyhe-Stuhr zum Team gestoßenen Rechtsverteidiger läuft es viel besser.
08.12.2020, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup
Die größte Überraschung

Jost-Eike Behrens im blauen Brinkumer Dress (hier im Spiel gegen Habenhausen) hat sich schnell seinen Platz im Team erspielt. Er überzeugt als Rechtsverteidiger mit Offensivdrang.

Thorin Mentrup

Einen seiner wichtigsten Spieler des Vorjahres hat der Brinkumer SV in der Sommerpause verloren: Kerem Sahan, der mit dem FC Oberneuland nun in der Regionalliga Nord spielt, war auf der Rechtsverteidigerposition eine Bank, einer der stärksten Brinkumer der vergangenen Serie. Wenn nicht sogar der stärkste. Beim FCO hat er noch keine Ligaminute verpasst – ein Beleg dafür, wie schnell er sich im Team von Kristian Arambasic etabliert hat, und ein weiterer Nachweis seiner Qualität. In Brinkum galt die Rechtsverteidigerposition deshalb als große Sommerbaustelle. Dass davon mittlerweile überhaupt nicht mehr die Rede ist, daran hat einer, den wohl niemand so recht auf dem Zettel hatte, einen entscheidenden Anteil: Jost-Eike Behrens.

So ganz kann auch der Jungspund selbst nicht glauben, was ihm da in den vergangenen Monaten gelungen ist: Er hat sich einen festen Platz auf der rechten Seite des Spitzenreiters erarbeitet. In sieben von neun Pflichtspielen der Brinkumer stand er in der Startformation. Auf einer Position zudem, die im modernen Fußball einen enormen Stellenwert hat. Den Sahan-Nachfolger hat Brinkum zumindest in großen Teilen beim JFV Weyhe-Stuhr gefunden. „Dass es für mich so gut läuft, konnte ich vor der Saison wirklich nicht erwarten“, sagt Behrens.

Pflichtspielpremiere im Pokal

Vielleicht dämmerte ihm am Ende der Vorbereitung, dass da doch einiges möglich ist für ihn. Sein Trainer Mike Gabel erklärte den frisch aus der A-Jugend aufgestiegenen Verteidiger in einem Interview mit unserer Zeitung zur Überraschung. Ganz nah dran sei er an der ersten Elf. Letztlich war Behrens dann sogar ein bisschen mehr als nur ganz nah dran. Bei der Generalprobe beim Regionalligisten SSV Jeddeloh durfte er von Beginn an ran und zählte dann auch im Pokalspiel beim Bezirksligisten SV Eintracht Aumund zur Startelf. Den Ligastart bei der SG Aumund-Vegesack erlebte er dann zwar von der Bank aus, feierte aber bereits eine Woche später beim Sieg über die BTS Neustadt seine Bremen-Liga-Premiere. In allen weiteren Partien kam Behrens ebenfalls zum Zug, nur einmal von der Bank aus. „Das ist mehr, als ich mir erhofft hatte“, ist das Talent mit seinen Zahlen mehr als zufrieden.

Denn nach Brinkum war Behrens nicht etwa mit dem Gedanken gekommen, direkt eine tragende Rolle einzunehmen. „Ich wollte hauptsächlich mit richtig guten Spielern auf hohem Niveau trainieren und mich weiterentwickeln“, erklärt er den Hauptgrund seines Wechsels. Allein die Einheiten mit Kevin Artmann, Jannik Bender, Ramien Safi, Esin Demirkapi, Eugen Uschpol und Co. würden ihn weiterbringen, war er überzeugt. „Das sind überragende Fußballer“, findet Behrens lobende Worte für seine Mitspieler. Für den Jungspund, der auch für den TSV Weyhe-Lahausen hätte auflaufen können, hat sich der Schritt nach Brinkum schnell ausgezahlt. Die Lernbereitschaft seines Schützlings beeindruckt Gabel: „Josi saugt wie ein Schwamm alles auf. Wenn er ein paar Sekunden Zeit hat, fragt er, wie er sich in gewissen Situationen verhalten soll. Das ist ein klares Zeichen, dass er sich richtig mit dem Spiel auseinandersetzt. Das gefällt mir.“ Einer Sache kann sich der Coach sicher sein: Was er und sein Trainerstab in Behrens' Richtung loswerden, kommt definitiv an. „Ich will mich in jeder Situation verbessern und weiterentwickeln. Wenn ich Tipps von so erfahrenen Trainern oder von meinen Mitspielern bekommen kann, dann bin ich dankbar dafür“, unterstreicht Behrens.

Früher im Sturm

Gabel schätzt den Außenbahnspieler auch für seinen Drang nach vorn: „Josi kann lange viel Tempo bringen. Gegen tiefstehende Gegner ist es wichtig einen Spieler wie ihn zu haben, der nonstop die Flügel bearbeitet und bissig ist“, weiß der Trainer um die Qualitäten, die Behrens im Brinkumer Spiel einbringen kann. Die offensiven Fähigkeiten des Rechtsverteidigers kommen nicht von ungefähr: „Ich war früher Stürmer. Als wir einmal keinen Verteidiger hatten, hat mein ehemaliger Trainer Rainer Dismer mich hinten rechts aufgestellt. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich da überhaupt nicht mehr weg wollte.“ Vorne Flanken schlagen, hinten einen Gegenspieler dem Ball weggrätschen – das ist genau Behrens' Ding.

Auch wenn der vermeintliche Lehrling sich schnell erste Meriten erworben hat, ist er weiterhin „in der Lernphase“, wie Gabel betont. Auch Behrens hat schnell gespürt: „Es ist eine ganz schöne Umstellung vom Jugend- in den Herrenbereich. Das Niveau ist viel höher, und die Gegenspieler sind ein ganz anderes Kaliber als in der A-Jugend-Verbandsliga. Es ist etwas ganz anderes, aber es macht mir auch viel mehr Spaß.“ Ohnehin spricht er voller Begeisterung über seine ersten Monate als Brinkumer. Mit Mitspieler Jonas Knüppel stand er bereits in der Jugend auf dem Platz, darüber hinaus unternimmt er viel mit Nicolai Gräpler und Julius Rahmig. Und auch mit seinen weiteren Teamkollegen versteht er sich blendend. Was ihm besonders imponiert: „Auch wenn ich mal einen Fehler mache, bauen mich alle wieder auf.“ Wut auf den Unerfahrenen verbietet sich laut Gabel allerdings auch. „Josi darf sich mehr Fehler erlauben als ein gestandener Spieler“, verdeutlicht er.

Lernen, lernen, lernen

Allzu häufig belastet hat Behrens das Nervenkostüm seiner Mitspieler allerdings nicht. Die Fehler, die ihm unterlaufen, will er in Zukunft schneller abschütteln: „Sie beschäftigen mich oft noch ein bisschen. Ich muss lernen, mein Spiel weiterzuspielen“, nennt er einen Punkt, in dem er sich verbessern will. Sein Lern- und Entwicklungsprozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Ich kann mich in allen Bereichen steigern“, weiß Behrens. Doch er wird auch nicht müde werden, an sich zu arbeiten, darin können sich alle Brinkumer sicher sein. Wenn der Ball wieder rollt, will der Überraschungsmann erneut für Furore sorgen – damit die Sahan-Lücke auch weiterhin kein großes Thema am Brunnenweg ist.

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