Kleingarten-Boom in Stuhr Kleingärten blühen auf

Die Nachfrage nach Kleingärten in Stuhr ist in den vergangenen Monaten besonders gestiegen, auch wegen der Corona-Pandemie. Ein Kleingarten heißt aber nicht nur Grillen, sondern auch Verantwortung und Arbeit.
07.07.2020, 17:39
Lesedauer: 3 Min
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Kleingärten blühen auf
Von Desiree Bertram

Blumen in den verschiedensten Farben, selbst angebautes Obst oder Gemüse und jede Menge Ruhe – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist diese Vorstellung für viele ein Traum. Das Interesse an Kleingärten in der Gemeinde blüht seit März geradezu auf. „Die Nachfrage ist tüchtig gestiegen“, berichtet Ulla Göcking, Vorsitzende des Kleingartenvereins Stuhr. Freie Gärten gibt es derzeit im Kleingartengebiet Stuhr nicht, deshalb wurde bereits eine Warteliste eingeführt. Diese ist inzwischen aber schon wieder Geschichte, weil es einfach zu viele Interessenten gab, um sie abarbeiten zu können.

Das war nicht immer so. Früher haben sich Angebot und Nachfrage etwa die Waage gehalten, berichtet Göcking. Derzeit gebe es dagegen reichlich Kandidaten, aber keinen Platz. In dem Kleingartenverein an der Stuhrer Landstraße gibt es 45 Gärten und derzeit 68 Vereinsmitglieder. Manche haben schon seit vielen Jahren ihren Garten, andere sind neu dabei. Das Bewusstsein der Menschen für Ökologischen Gartenbau nehme zu und auch die Gärten als solche haben sich verändert, hat Göcking beobachtet. Gärten würden immer individueller gestaltet werden. Zudem sind Kleingärten auch für die Allgemeinheit gedacht und Passanten dürfen sich etwa bei einem Spaziergang an den vielen, verschiedenen Gärten erfreuen, erklärt sie weiter. Auch immer mehr junge Familien haben Interesse an den Schrebergärten.

In der Regel pachten meistens Leute einen Kleingarten, die Zuhause keinen eigenen Garten haben oder zu wenig Platz, sagt Göcking. Die Brinkumerin selbst hat seit zwölf Jahren ihre Parzelle, nachdem sie über die Anlage gestolpert war: „Ich habe mich mit dem Fahrrad verfahren und dann durch Zufall das Gebiet hier entdeckt.“ Zuvor kannte die Gartenliebhaberin die Kleingärten in Stuhr nicht. Inzwischen ist sie dort fest verwachsen; ihr Schrebergarten ist liebevoll im Detail gestaltet: Ein kleiner Weg führt vorbei an bunten Rosen, Obstbäumen und einer gemütlichen Sitzecke. Das Gärtnern und Werkeln in ihrem kleinen Paradies ist ihr Hobby. Insbesondere zu den Zeiten der Pandemie bietet die Beschäftigung einen Ausgleich.

Wenn sich neue Interessenten melden, sucht Göcking erst einmal das Gespräch mit ihnen. Aufklärung sei sehr wichtig, denn viele unterschätzen, was in einem Kleingarten für Arbeit auf sie zukommt oder wissen gar nicht, dass man als Vereinsmitglied auch Pflichten hat, wie etwa die Gemeinschaftsarbeit, sagt sie. Zudem muss ein Drittel der Fläche des eigenen Gartens bepflanzt werden, beispielsweise mit Kräutern, Obst oder Gemüse. „Darauf werden neue Mieter hingewiesen“, erzählt die 59-Jährige. Es komme drauf an, was man wolle, deshalb sollte man sich die persönlichen Beweggründe überlegen, sagt sie und weiter: „Wenn es nur die Verlockung ist, bei dem schönen Wetter draußen zu sein und in nettem Umfeld zu Grillen, dann ist für manchen ein Campingplatz oder ein Wochenendhaus vielleicht sinnvoller.“

Eine von denen, die noch nicht so lange dabei sind, ist Tanja Koß. Sie hat ihren Kleingarten erst seit rund einem Jahr. Sie wohnt in Weyhe in einer Dachgeschosswohnung und ist mit ihren beiden Hunden „am liebsten immer draußen“, erzählt sie. Durch ihren Onkel hat sie von dem Kleingartengebiet erfahren und es sich angeschaut. Direkt stand fest, dass sie auch einen eigenen Garten dort möchte, sagt die 45-Jährige. „Das ist das Schönste in meinem Leben – auch für meine Hunde ist das toll.“ Sie pflanzt in ihrem Garten derzeit unter anderem Kräuter, Salate, Erdbeeren, Sauerkirschen und Kartoffeln an. „Gerade Berufstätigen muss bewusst sein, dass es mehr Arbeit ist, als manche denken. Da wird Einsatz gefordert“, sagt sie.

Sie und Göcking sind sich einig, dass die Reize an einem Kleingarten vor allem der Spaß in der Natur, die Bewegung und auch die frische Luft sind. Auch das Ernten sei toll und die Freude an den Blumen, berichtet Göcking. „Man darf es nicht als Arbeit ansehen, sondern als Hobby, das einem Spaß macht“, sagt sie weiter. Wer in der Kleingartenkolonie neu ist, werde aber niemals alleine gelassen, betont die Gartenliebhaberin. Die Gemeinschaft spielt unter den Kleingärtnern eine große Rolle. Zur Unterstützung und für Fragen gibt es in jedem Verein einen Gartenfachberater. Und auch die Ernte wird hier untereinander geteilt. Am Eingang zum Kleingartengebiet steht das Vereinsheim mit einem Spielplatz und Sitzgelegenheiten. Eine der Bänke wird von den Gärtnern als eine Art Tauschbörse genutzt oder, um Sachen zu verschenken. Oft ernte man im eigenen Garten mehr, als man selbst verbrauchen kann, erklärt Koß. Das, was von einem selbst nicht gebraucht wird, kann auf die Bank gelegt werden. Das Obst oder Gemüse können die anderen Kleingärtner oder Passanten mitnehmen und auch selbst etwas dort ablegen, wenn sie möchten.

Von einer „dramatischen Änderung“ berichtet Göcking in Bezug auf die Gemeinschaft unter den Corona-Bedingungen: „Wir mussten zwischenzeitlich den Spielplatz absperren und es gibt keine Vereinsveranstaltungen mehr.“ Im Kleingartengebiet sei dies auch derzeit nicht möglich, da kein Platz ist, um die Abstandsregelungen einhalten zu können. „Das Vereinsleben ist schwieriger geworden“, sagt sie. Normalerweise finden Grillfeste, Feiern oder auch ein Kinderfest statt. Zudem musste wegen der Pandemie der „Tag des Gartens“, der seit 1984 jährlich bundesweit im Juni stattfindet, abgesagt werden.

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