Neuer Sprachtreff im Brinkumer MGH

Klönen auf Russisch

Im Brinkumer MGH gibt es einen neuen Sprachtreff: Olga Kannewischer und Angelika Schumacher bieten ab Dienstag ein Angebot für die russische Sprache.
17.09.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Ulbricht

Stuhr-Brinkum. Gemütlich Beisammensitzen, vielleicht ein paar russische Spezialitäten kosten und dabei auf eben dieser Sprache klönen – so soll es künftig beim russischen Sprachtreff im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) an der Bremer Straße 9 zugehen. Das erste Treffen ist für kommenden Dienstag, 21. September, in der Zeit von 9.30 bis 11 Uhr geplant. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich, es gelten die 3G-Regeln. Die Leitung übernehmen Olga Kannewischer und Angelika Schumacher. Erstere ist gebürtige Kasachin, Schumacher hat lange in Russland gearbeitet. Beide heißen aber auch ungeübte Sprecher willkommen, wie sie betonen.

„Wir haben viele Sprachtreffs bei uns im Hause“, sagt Daniela Gräf, Leiterin des MGH, die sich über das neueste Angebot freut, denn „Sprachen sind Brücken“, glaubt sie. Olga Kannewischer ist Muttersprachlerin und wohnt erst seit Kurzem in Brinkum. In Deutschland lebt sie allerdings schon seit 1996, wie sie erzählt. Über 20 Jahre lang habe sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen im Raum Hamburg gelebt und als Fleischereifachverkäuferin gearbeitet. „Ich habe mich schnell integriert und auch schnell einen Job gefunden“, erzählt sie und weiter: „Ich bin sehr offen.“

Nachdem ihr Mann und der älteste Sohn verstorben sind, zog es die 70-Jährige nach Stuhr, wo der jüngste Sohn mit seiner Familie lebt. Das war im Mai dieses Jahres. Ins MGH sei sie gekommen, weil sie die Menschen in ihrer neuen Heimat kennenlernen wollte, sagt sie. Auch deswegen würde sie sich über viele Teilnehmer des Sprachtreffs freuen, betont sie. „Wir können klönen und schnacken und uns gerne auch privat kennenlernen“, so Kannewischer, die sich darauf freut, ihre künftigen Gäste mit selbst Gebackenem und Gekochtem verwöhnen zu können.

Engagiert sei sie jetzt schon im MGH, verrät Daniela Gräf. Kannewischer habe bereits den Mittagstisch betreut, in der Küche und im Service geholfen. Gerne sei sie auch kreativ tätig, ergänzt Olga Kannewischer, die in ihrem Elternhaus mit der deutschen Sprache aufgewachsen ist.

„Meine Eltern waren Wolga-Deutsche“, erklärt sie. Der Vater habe österreichische Vorfahren gehabt, die Mutter hessische. „Bis ich fünf Jahre alt war, habe ich gar kein Russisch gesprochen.“ Das habe sich dann geändert, als der erste Schultag kurz bevorstand: Ein russisches Nachbarkind habe sie beim gemeinsamen Spielen schnell mit der Sprache vertraut gemacht. „Je älter ich wurde, desto schwerer fiel es mir, Deutsch zu sprechen“, erinnert sich Kannewischer. Irgendwann habe sie dann aber doch wieder damit angefangen. „Ich denke und spreche deutsch“, sagt sie. „Aber mein Inneres ist russisch.“ Auch die russische Literatur sei ihr lieber als die deutsche. Das sei vielleicht auch eine Idee für den Sprachtreff, überlegt sie.

Mit ihren beiden Söhnen habe sie stets ein Gemisch aus beiden Sprachen gesprochen. „Das versteht kein Russe und kein Deutscher“, sagt sie mit einem Lachen. Die russische Sprache sei viel gefühlvoller als die deutsche, findet sie. Schließlich habe Russisch ja auch 33 Buchstaben, sagt sie schmunzelnd.

Ihre Mitstreiterin Angelika Schumacher hingegen ist durch ihre Arbeit an die russische Sprache gekommen. „Gelernt habe ich es nie“, sagt sie. „Nur phonetisch.“ Russisch sei eine sehr schöne, aber gleichzeitig auch sehr schwere Sprache, findet sie. „Ich spreche sie sehr gerne, jedoch nicht ganz fehlerfrei“, räumt sie ein und lässt sich von Kannewischer die einzelnen Laute erklären. 20 Jahre lang hat Schumacher bei einer Spedition für internationale Messen in Russland gearbeitet und weitere 25 Jahre für einen internationalen Messeorganisator. Im Gegensatz zu ihrer Mitstreiterin engagiert sich Schumacher schon lange im MGH. Sie helfe zwei Mal in der Woche im Büro, organisiere das Reparatur-Café und betreue den Englisch-Kurs, erzählt sie. „Sie kennt sich also aus mit unseren Treffs“, resümiert Gräf.

Beim Sprachtreff im MGH könne man Erinnerungen austauschen, überlegen die beiden Frauen und kommen direkt ins Schwärmen über die typische Landesküche. Aber auch Sitten und Kultur könnten mögliche Themen sein, finden sie.

Zum ersten Sprachtreff, der keinen Kurscharakter haben soll, wie Gräf betont, bringt Olga Kannewischer selbst gebackene russische Kekse, „petschenije“, mit, wie sie verspricht. Außerdem gibt es kalte sowie warme Getränke. Wer mag, kann auch im MGH frühstücken oder ebenfalls selbst gemachte russische Spezialitäten für die Gruppe mitbringen.

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