Kunststipendiatin Maria Visser Eine Brücke zwischen den Gattungen

Maria Visser aus Bielefeld ist seit November die neue Stipendiatin in der Künstlerstätte Heiligenrode. Ihr Schwerpunkt liegt auf Mode, aber auch in der Herausgabe eines Magazins.
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Eine Brücke zwischen den Gattungen
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Heiligenrode. Auf dem Arbeitstisch von Maria Visser in der Heiligenroder Künstlerstätte liegen verschiedene Stoffe. Lederimitat, Trikot-Stoff oder auch der Stoff, aus dem die Matten beim Turnen sind. Daneben steht eine Nähmaschine. An der Wand hängen zahlreiche Zeichnungen. An einer Ankleidepuppe findet sich ein Oberteil, das aus verschiedenen Stoffen in einer Quilt-Technik zusammengeschneidert ist. In gleicher Optik sind auch Bilder und Möbelstücke wie Bänke zu sehen. "Die habe ich für eine Ausstellung entworfen", berichtet Visser mit Blick auf den Werkzyklus "Complete Agents“, den sie im September und Oktober in einer Galerie in Bielefeld ausstellte. Seit Anfang November ist Visser nun die neue Stipendiatin in der Künstlerstätte der Gemeinde Stuhr.

Auch für ihre Zeit in Heiligenrode hat sich die 1990 in Bielefeld geborene Künstlerin die Beschäftigung mit Stoff und Mode vorgenommen. Dabei startete sie eigentlich in einem anderen Kunst-Bereich. „Ich habe malend das Studium begonnen“, berichtet Visser, die von 2009 bis 2015 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studierte und mit dem Diplom abschloss. Während eines Aufenthalts im niederländischen Den Haag kam sie nach eigenen Angaben aber auch zusätzlich mit anderen Kunstgattungen in Kontakt. „Ich war dort in einer Performance-Klasse“, erzählt sie weiter. Auch andere Disziplinen habe sie im Laufe ihres Studiums kennengelernt. So kreierte sie für ihr Diplom eine Laufsteg-Arbeit. Ihr Meisterjahr absolvierte Maria Visser dann bei Olav Christopher Jenssen.

Das Interesse an der Mode und damit kombinierten Kunstperformances beschäftigten Visser auch weiter. So startete sie ein eigenes Magazin unter dem Titel „Chic“. Darin sind dann unter anderem ihre Werke, aber auch die von befreundeten Künstlern zu sehen, sagt Visser. Das fördere den Austausch zwischen den Künstlern. Die Gestaltung des Magazins ist dabei an klassische Mode-Zeitschriften wie „Vogue“ angelehnt. In ihrer Zeit in Heiligenrode möchte Visser die dritte Ausgabe ihres Magazins herausgeben.

Im Fokus hat Visser dabei „Kleidung, die Identität stiftet“, wie sie selbst sagt. „Mode ist wie eine Fassade, eine zweite Haut“, erklärt die Nachwuchskünstlerin. Darin ist auch schon eine weitere Idee von Visser zu erkennen. So denke sie über Parallelen zur Architektur nach. „Häuser sind wie eine dritte Haut“, erzählt die neue Stipendiatin, wie sich die Bereiche Mode und Architektur ergänzen könnten. Ob ihre Mode irgendwann mal zu kaufen sein wird? „Die Kleidung ist aktuell eher noch eine Art Attrappe. Sie hat noch nicht die richtige Funktion wie klassische Kleidung“, erklärt Visser. An sich sei eine Kollektion aber eine „spannende Idee“.

In Heiligenrode will sich die Künstlerin drei Hauptschwerpunkten widmen. Neben dem Magazin gehören dazu skulpturelle und plastische Arbeiten, aber eben auch die Performance-Kunst. Allerdings macht die Corona-Pandemie Visser da aktuell einen Strich durch die Rechnung, denn Treffen mit eventuellen Teilnehmern funktionieren gerade nicht. So sei sie seit Beginn der Pandemie – wie so manch anderer Künstler – in ihrem Wirken eingeschränkt. Einige Projekte werden verschoben, anderen ganz beiseite gelegt, berichtet Visser. „Es ist erschreckend“, sagt die Künstlerin über die Situation ihres Berufsstandes in der Pandemie.

Die ersten Tage im neuen Zuhause auf Zeit hat Maria Visser nach eigenen Angaben gut verlebt. „Ich musste mich erstmal ausruhen“, sagt die Künstlerin mit Blick auf den vergangenen Sommer, in dem sie „im dreifachen Tempo“ das nachholen musste, was der Lockdown im Frühjahr vereitelt hatte. Beim Ankommen habe ihr auch die zweite Stipendiatin Nora Olearius geholfen, die bereits seit August in Heiligenrode ist (wir berichteten). „Sie konnte mir ein paar Orte zeigen“, erzählt Visser. Auch gemeinsame Spaziergänge durch die Umgebung standen bereits an.

In ihrem Atelier im Erdgeschoss der Künstlerstätte hat sich Maria Visser bereits eingerichtet. Spätestens um 16 Uhr – nach der nötigen Büroarbeit – mache sie sich an die Arbeit. Manchmal auch bis spät in die Nacht. „Das ist eine ganz ungestörte Zeit“, findet die Künstlerin. „Ich habe auch schon ein bisschen Heiligenrode gezeichnet“, erzählt Visser weiter. Für sie sei die ländliche Umgebung eine neue Erfahrung. In den vergangenen Jahren habe es für sie keinen festen Ort gegeben, erzählt die Künstlerin von Aufenthalten in Berlin oder zu Recherchezwecken in New York sowie von einem vorangegangen Stipendium in Lemgo. Die Ruhe in Heiligenrode sei für sie aber eher positiv. „Es ist für mich gerade sehr gut“.

Neben ihrer sich immer erweiternden künstlerischen Arbeit hat sich Maria Visser auch anderen Bereichen des Kunstbetriebes zugewandt. Für die Artists Unlimited Galerie in Bielefeld übernimmt sie auch kuratorische Arbeit. So organisiert sie aktuell eine Ausstellungsreihe zum Thema Textil. „Eine Ausstellung war für März geplant. Die mussten wir dann in den Sommer verschieben“, sagt sie. Im Januar soll es eigentlich eine weitere Schau geben – sofern es Corona zulässt. „Das ist eine ganz spannende Arbeit und eine andere Perspektive“, sagt Visser.

In Heiligenrode ist die Abschlussausstellung der mittlerweile 56. Stipendiatin für September 2021 geplant. Dann endet ihr zehnmonatiger Aufenthalt in Stuhr, der mit 1400 Euro im Monat gefördert wird. Für die Ausstellung sei eine Performance angedacht, gibt Visser einen Ausblick und hofft, dass sich bis dahin die allgemeine Lage rund um die Pandemie gebessert hat.

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