Kunstwerk auf der Mühlenwiese

Ein neuer Hingucker zum Verweilen

Die Heiligenroder Mühlenwiese ist um eine Attraktion reicher: Am Tag der Regionen wurde dort eine besondere Sitzgelegenheit, bei der auch Sänger Herbert Grönemeyer seine Finger mit im Spiel hatte, eingeweiht.
04.10.2020, 18:59
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Ein neuer Hingucker zum Verweilen
Von Jürgen Juschkat
Ein neuer Hingucker zum Verweilen

Die Übergabe der Sitzgelegenheit übernahmen Bürgermeister Stephan Korte (l.) und Viola Dahnken vom Heimatverein. Künstler Hossein Razagi hatte die Bank gestaltet.

Vasil Dinev

Stuhr-Heiligenrode. Es ist eine drehbare Sitzgelegenheit mit Überdachung, die am Sonntag anlässlich des Tages der Regionen auf der Mühlenwiese in Heiligenrode eingeweiht und übergeben wurde. Das vom Künstler Hossein Razagi gefertigte Kunstobjekt ist aber ein ganz besonderes, denn das Dach der Konstruktion besteht aus der Motorhaube des ersten Kleinbusses der Grönemeyer-Linie 113, die auch durch Heiligenrode verkehrt. Außerdem wurde die Haube vom Sänger und Schauspieler Herbert Grönemeyer signiert.

„Unter die Haube kommen“, lautet der Titel des Kunstobjektes, für das nach längerer Suche nun ein geeigneter Standort gefunden wurde. Durch die Initiative des örtlichen Heimatvereins wurde mit der Mühlenwiese am Mühlenensemble ein passender Platz ausgewählt, denn dort stehen bereits besondere Objekte. So die vor Kurzem eingeweihte Litfaßsäule, das runde Bienenhotel, der Handwerkerbaum und der Reisegarten mit dem Schutz-Häuschen und seinen Liegebänken. Der Baubetriebshof der Gemeinde Stuhr vollendete die drehbare Sitzgelegenheit in Zusammenarbeit mit dem Künstler. Gefördert wurde das Projekt zu 50 Prozent durch den Landschaftsverband Weser-Hunte.

Der in Dötlingen lebende Deutsch-Iraner Hossein Razagi fertigte die ungewöhnliche Sitzgelegenheit an. Entstanden war der Kontakt mit dem Künstler, der in der Gemeinde mit Jugendlichen viele Objekte gefertigt hat, über die Kunstschule Stuhr (Kuss). „Eigentlich sollte die Bank beim Rathaus stehen, doch dann wurde das Vorhaben geändert“, erklärte Razagi und weiter: "Die Größe musste noch geändert werden, damit das Objekt zu den anderen passt.“ Ein rostfreies Metallgestell trägt die lindgrüne Motorhaube. Die rustikale Sitzbank besteht aus dem Holz einer Robinie. „Die Bank ist sehr stabil und hält ewig, weil es ein steinhartes Material ist – viel härter als Eiche“, fügte der Künstler an.

„Nicht nur frisch verheiratete oder verliebte Paare können auf dem ungewöhnlichen Werk Platz nehmen und verweilen“, heißt es von der Gemeinde Stuhr zu der neuen und besonderen Sitzgelegenheit. Und auch Viola Dahnken, Vorsitzende des Heiligenroder Heimatvereins, unterstrich diese Möglichkeit, weil sich viele Brautpaare am Heiligenroder Mühlen-Ensemble fotografieren lassen.

Die Motorhaube zur Überdachung hat dabei eine ganz besondere Geschichte. Als der erste Bus der Grönemeyer-Linie durch einen neuen ersetzt werden musste, stellte Leo Wilmering, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Diepholz Nord (VDN) der Gemeinde Stuhr die Haube als Spende zur Verfügung.

Die Haube gehörte zum ausrangierten Kleinbus, der Linie, die seit zehn Jahren einige Ortsteile der Gemeinde Stuhr mit dem Roland-Center in Bremen-Huchting verbindet. Der Gemeinde-Mitarbeiter Hartmut Martens bewies dann Entschlossenheit und ergatterte beim Bremen-Auftritt des Sängers und Schauspielers sowie Namenspatrons der Buslinie Herbert Grönemeyer ein begehrtes Autogramm für die Haube.

Beim Tag der Regionen am Sonntag übergab dann Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte das Kunstwerk an den Heimatverein. „Dass sich etwas dreht, ist auch in unserer Gemeinde das Motto“, sagte der Verwaltungschef in Bezug auf die Liedzeile, die über dem Grönemeyer-Autogramm geschrieben steht.

Viola Dahnken erklärte dazu: „Ich finde es gut, wenn auf der Mühlenwiese kulturelle Dinge etabliert werden und ich hoffe, dass die Bank länger so stehen bleibt, wie sie ist.“ Bei böigem und kühlem Wind hielt sich das Zuschauer-Interesse bei der feierlichen Übergabe jedoch in Grenzen.

Die ganze Zeremonie hielt Joachim Staubach, Mitglied in der Stuhrer Medienwerkstatt und im Heimatverein, mit seiner digitalen Filmkamera fest. „Man vergisst doch schnell“, sagte er und schuf mit seinem Film wieder einmal ein Dokument für die Zukunft.

Der Heimatverein verkaufte an diesem Tag erneut seinen beliebten Butterkuchen, aber auch frisches Brot sowie Wickel- und Mohnkuchen. „Bereits um vier Uhr haben die Heizer den Ofen angeheizt, drei Stunden später sind die Bäcker angefangen und waren sehr zufrieden mit der Temperatur. Der Verein ruft häufiger zu Backtagen auf – so letztens beim Tag des offenen Denkmals, aber auch zur Sommermusik. Geplant ist das Backen auch zu Weihnachten, doch dafür steht noch kein Termin fest“, berichtete Ulrich Brauer, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die unbedingt Nachwuchs braucht. Interessenten sind gern eingeladen, einmal beim Heizen zuzusehen“, fügte Brauer an und lud dazu ein.

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