Las Llonoras im Stuhrer Rathaus

Musik verzaubert von Anfang an

Das Trio Las Llonoras ist am Freitagabend im Stuhrer Rathaus aufgetreten. Mit ihrer Weltmusik begeisterten sie das Publikum von Anfang an.
03.10.2021, 15:23
Lesedauer: 2 Min
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Von Dagmar Voss

Stuhr. Harmonische Klänge und sanfte Stimmen haben dem Publikum am Freitagabend im Rathaus Stuhr einen gelungenen Einstieg ins Wochenende bereitet. Knapp zwei Stunden konnten die Zuhörer – wegen der Corona-Regeln mit großen Abständen zwischen den besetzten Plätzen wesentlich weniger Besucher als gewöhnlich – mit dem Trio Las Llonoras eine kleine musikalische  Weltreise antreten. Auf den Schwingen von spanischem Folk, Blues- und Klezmerklängen, Chanson, Hip Hop-Beats und balladesken und auch schon mal Rhythmen im dreiviertel-Takt – bis auf ein traditionelles spanisches Stück alles eigene Kompositionen.

Im Rahmen des Festivals „Women in emotion“ (das in Zusammenarbeit mit diversen Kulturstätten in Bremen und umzu stattfindet) waren sie eingeladen worden. Das Trio aus den beiden Gründerinnen Amber in t’Veld (Gesang, Gitarre, Ukulele) und Sura Solomon (Gesang, Ukulele, Akkordeon) und der kurz danach dazu gestoßenen Klarinettistin Marieke Werner fand sein erstes Publikum vor rund drei Jahren noch als Sraßenmusikerinnen. Mit ihrer Weltmusik verzauberten sie von Anfang an die Gäste im Ratssaal. So mit dem Auftaktstück „Lágrimas“, eine träumerische Ode ans Weinen (Lagrimas im Spanischen: Tränen) und mit Melancholie, dann wieder mit unbändiger Lebenslust. Singend tasteten sie sich durch den Dschungel des Lebens, mal soft, mal leidenschaftlich und dazu gesprochene Wort-Passagen, deren Sprache nicht ganz eindeutig war, sodass das Zuhören eher bei den Klängen als den Worten blieb.

Manches Mal erzählten sie puzzleartig Geschichten, die allerdings ebenfalls wegen des bunten Sprachenmixes aus Spanisch, Englisch, Französisch, mehr dem Hören des Instrumentalen gehörten – oder dem auch dem A-capella-Gesang.

Da gab es eine Geschichte, die sie im Vorfeld länger erklärten: „La bruja Mariposa“, der Hexenschmetterling. „Sind wir nicht alle solche Schmetterlinge, die nicht wissen, wie sie sind?“, fragte Solomon, von der der Text stammt, und fuhr fort: „Als Frauen sind wir doch vielen Erwartungen ausgesetzt, wie man zu sein hat, der Hexenschmetterling bahnt sich einen eigenen Weg dadurch, ist halt nicht so einfach, ein Schmetterling zu sein.“ Ein Lied zum Mitmachen mit Fingerschnippen und lautem oder leisem Summen, dazu gedacht, dass man sich „ein bisschen frei machen und weniger steif sein müsste.“ Wie die Musik, immer ein bisschen spontan und unperfekt, aber sehr liebenswert. Nicht nur bei diesem, auch den anderen Songs ernteten die drei Musikerinnen Pfeifen und Johlen zu langanhaltendem Beifall.

Solomons jüdische Wurzeln mit Anleihen an Nordafrika, Spanien, Polen traten immer mal wieder hervor. Eine Kindheit, in der sie Ladino erlebte, die Sprache der sefardischen Juden, Klezmermusik und liturgische Gesänge. Besonders bei dem Stück „Bukra“ wurde es deutlich, es bedeutet Morgen auf Arabisch und Solomon beschrieb darin ihre Sehnsucht nach Frieden im Nahen Osten und eigentlich überall auf der Welt. Mal flüsterte die Musikerin auf Arabisch und Hebräisch, dann wieder schrie sie ihre Wut über den nicht enden wollenden Konflikt heraus.

Ihr neu erfundenes Genre, den Akustischen Folk Slam, hatten sie in der Corona-Warteschleife entwickelt, als sie höchstens mal auf Straßen und Plätzen in Spanien auftreten konnten. Von ihrer Sehnsucht nach einem Bad in der Menge sangen sie bei ihrem „Sea sick“, auch bei "Bien Sage“, in denen sie von dieser Isoliertheit erzählen, von dem auf sich selbst zurückgeworfen sein.

Für das Konzert in Stuhr waren sie am Vortag angereist und freuten sich riesig, endlich wieder in einem Saal auftreten zu dürfen. Für ihre begeisterten Zuhörer präsentierten sie noch Zugaben wie ein kleine A-Capella-Pantomime, bevor sie dann zugeben mussten, dass sie keine weiteren Stücke mehr dabei hatten.

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