Projekt im Brinkumer MGH Lasset die Puppen wieder tanzen

Die Puppenspielgruppe im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus hat sich vor vielen Jahren aufgelöst. Nun soll ihr neues Leben eingehaucht werden.
22.03.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Lasset die Puppen wieder tanzen
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Brinkum. Eins habe dem Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH) noch gefehlt, findet dessen Leiterin Daniela Gräf. „Ein MGH ohne Puppenspiel geht gar nicht“, sagt sie. Daher war Gräf auch ziemlich begeistert, als sich vor wenigen Wochen der Kirchweyher Reinhard Krokat bei ihr meldete. Der langjährige Puppenspieler schickt sich an, im MGH wieder eine Handpuppenspielgruppe ins Leben zu rufen. Dafür sucht er derzeit nach Mitspielern.

Vor vielen Jahren habe es im MGH bereits eine Puppenspielgruppe gegeben, berichtet Daniela Gräf. Die große, schwere Bühne befinde sich immer noch vor Ort, stand aber aufgrund der Auflösung der Truppe immer mal wieder kurz vor dem Sperrmüll, erzählt sie weiter. Jedoch gab Gräf die Hoffnung nicht auf, die Gruppe wiederzubeleben. Und genau dieser Retter scheint nun mit Reinhard Krokat gefunden.

Der 70-Jährige ist nach eigenen Angaben vor 20 Jahren zum Puppenspiel gekommen. Damals absolvierte er zunächst ein Seminar bei der Steffensbühne der St.-Stephani-Gemeinde in Bremen. „Dort bin ich in der Puppenspielgruppe hängen geblieben“, erzählt Krokat. Mit der Bühne bestritt er zehn bis 20 Auftritte im Jahr. Doch auch er werde älter, sagt der pensionierte Lehrer mit einem Schmunzeln.

Wo also hin mit dem großen Fundus an Stücken, Ideen und Puppen? Über die Zeitung kam Krokat auf das MGH mit seinem vielfältigen Angebot. „Das ist genau das, was ich gesucht habe“, sagt er. Kurz darauf meldete er sich dann schon bei Daniela Gräf, die die Idee einer neuen Puppenbühne begeistert aufnahm. „Wir haben in kürzester Zeit das ganze Haus einspannen können“, freut sie sich.

So bringe Krokat als Regisseur die Stücke und Ideen mit. Zweiter Schritt ist dann eine neue, leichte und transportable Bühne. Und da kommt das Handwerkerteam des MGH um Günter Meyer mit ins Spiel. Auf Grundlage von Krokats Zeichnungen ist er dabei, aus ganz viel Holz eine zusammensteckbare Bühne zu bauen, berichtet Meyer. Um auch an unterschiedlichen Orten auftreten zu können, soll das Ganze möglichst leicht sein, berichtet der Handwerker.

Damit die neue Bühne auch etwas hermacht, wurde die Nähgruppe des MGH um Jutta Bischoff und Elke Kröger miteinbezogen. Die Gruppe soll sich darum kümmern, die blanke Holzbühne mit schickem Stoff zu verkleiden, die Hintergründe zu schneidern, den roten Vorhang zu gestalten und sich auch um einige Kleider für neue Puppen zu kümmern, berichten Kröger und Bischoff.

Und was fehlt noch für ein schönes Theaterstück? Natürlich die Musik. Dafür ist Horst Wolff mit seinem Akkordeon mit im Boot. Zwölf Jahre lang leitete er den Shanty-Chor Bremen-Mahndorf. Mittlerweile ist er als Musiker beim Sing- und Klönabend im MGH aktiv. „Ich hatte eigentlich keinen Bezug dazu“, sagt Wolff über das Puppenspiel. Das letzte Mal sei er „vor Jahrzehnten“ mit seinen Kindern dort gewesen, berichtet der ehemalige Elektro-Ingenieur. Er sei zwar kein Profi-Musiker, aber mittlerweile habe es sich ein gewisses Repertoire Lieder angeeignet. Damit möchte er dann die Puppenspieler in Zukunft unterstützen.

Außerdem ist auch Jürgen Dörschel mit von der Partie. Er ist bereits seit Längerem als Hausaufgabenbetreuer im MGH aktiv. In seiner Freizeit beschäftigt er sich aber mit Holzschnitzereien, berichtet Gräf. Auch Puppen habe er bereits hergestellt. „Jetzt fehlen nur noch die Puppenspieler“, sagt sie.

Dafür werden Interessierte jedes Alters gesucht, so Krokat. „Sie dürfen auch gerne eigene Ideen mitbringen“, berichtet der begeisterte Puppenspieler. Für ihn gehe es darum, „die Zuschauer zu verzaubern“. „Wir suchen Leute, die Spielfreude entwickeln können“, erklärt er. So kommen seiner Ansicht nach beim Puppenspiel „alle Verrücktheiten auf den Tisch“. „Die Puppen können alles anstellen“, sagt Krokat und ergänzt schmunzelnd: „Die Puppe macht die größten Sauereien.“ Der Spieler habe damit nichts zu tun. Auch ungeübte Spieler möchte Krokat unterstützen. Während seiner Zeit in einer Lehrer-Theatergruppe habe er Methoden gelernt, um „frei spielen zu können“. Außerdem gebe es die Möglichkeit, die Stücke vom Blatt zu spielen.

In der Stückauswahl für die MGH-Bühne lässt Krokat der Fantasie freien Lauf. So kann er sich Stücke für Kinder, aber auch für Erwachsene vorstellen. „Wichtig ist, dass das Krokodil dabei ist“, sagt er augenzwinkernd. Auch die Verortung der Stücke in der Region sei möglich. Ziel ist es, in drei Monaten ein Kasperletheater aufzuführen. Daniela Gräf möchte in ferner Zukunft auch ein Improvisationstheater ins Auge fassen.

Beim Gründungstreffen am Mittwoch, 27. März, ab 18 Uhr im MGH an der Bremer Straße 9 soll es aber erstmal langsam anfangen. Für das Treffen werden die Teilnehmer darum gebeten, verschiedene Handschuhe mitzubringen, mit denen die ersten Übungen geprobt werden sollen. Geplant sind dann wöchentliche Probenabende jeweils am Mittwoch.

Außerdem ist die Nähgruppe noch auf der Suche nach geeignetem Stoff für die Bühne. So werden dunkelgrüner und roter Samtstoff sowie blickdichter dunkler oder beiger Stoff gesucht. Auch ein Name für die Gruppe fehlt noch, so Gräf. „Es ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt“, freut sie sich.


Weitere Informationen zu der neuen Puppenspielgruppe gibt es unter 04 21 / 80 60 98 74 oder per E-Mail an info@mehr-generationen-haus.de.

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