Machbarkeitsstudie in Stuhr

Mehrheit für große Schwimmbad-Pläne

Die Stuhrer Politik will groß denken in Sachen Schwimmbad. Trotz Gegenwind sprach sich die Mehrheit des Fachausschusses für die Erwägung eines Sportbades mit Freizeitelementen aus.
25.09.2020, 18:21
Lesedauer: 5 Min
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Mehrheit für große Schwimmbad-Pläne
Von Alexandra Penth
Mehrheit für große Schwimmbad-Pläne

Die Stuhrer Politik denkt in Sachen Schwimmbad groß: Die Mehrheit stimmte für den Vorschlag, die Pläne für ein Sportbad mit Freizeitcharakter weiter zu verfolgen (Symbolbild).

Iñaki Berasaluce/DPA

Stuhr. Fahrtzeiten zum Schulschwimmen, die die Zeit im Wasser selbst übersteigen, und Wartelisten für Schwimmkurse umliegender Bäder von mindestens zwei Jahren: Eltern und Lehrer, die am Donnerstag in den Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur gekommen waren, machten deutlich, wie sehr ein Schwimmbad in der Gemeinde Stuhr fehlt. Eines, das nicht nur den Anfängern gerecht wird, sondern auch sportlich genutzt werden kann und Freizeitcharakter aufweist.

Sie befürworteten, ebenso wie die Verwaltung und letztlich auch die Mehrheit des Ausschusses, bei den Plänen für ein neues Hallenbad die Variante 1, die die Planungsgesellschaft für Sport- und Freizeitbauten ausgearbeitet hatte und die nun den Politikern vorgelegt worden war. Wie berichtet, sieht diese unter anderem eine Schwimmhalle mit Wettkampfbecken, eine Sprunganlage, ein Aktivbecken mit flexibler Wassertiefe und einen Wasserspielbereich, eine Textilsauna, einen Außenbereich mit Ganzjahresbecken sowie Automaten-Gastronomie vor. Als Standort wird eine gemeindeeigene Fläche am Brunnenweg in Brinkum favorisiert. Allerdings wären dafür eine Investition von rund 15,5 Millionen Euro sowie Betriebskosten von 816 000 Euro jährlich notwendig. Trotzdem folgten die Politiker dem Vorschlag der Verwaltung bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme (FDP). Der Beschluss ist auch nochmal Thema im Rat am 4. November. Gibt der ebenfalls grünes Licht, soll die Detailplanung losgehen.

Die Kosten bereiteten den Fraktionen von CDU und FDP jedoch Sorgen. Die CDU hatte seinerzeit Variante 2 ins Spiel gebracht, die eine reine Versorgung des Schul- und Vereinssports vorsieht mit einem Lehrschwimmbecken samt Hubboden. Die Investitionssumme dafür liegt bei nur 4,6 Millionen Euro. Die Betriebskosten würden sich auf 140 000 Euro jährlich belaufen. Planer Christoph Keinemann führte in der Sitzung aus, dass ein Lehrschwimmbecken mit einer Größe von 12,5 mal acht oder zehn Metern für die Ausbildung von Nichtschwimmern ausreicht. In der Sekundarstufe I gehe es aber um das Schärfen von Schwimmstilen und Ausdauer. Dem würde ein solches Becken nicht gerecht werden. Benötigt würden 25-Meter-Bahnen nach Wettbewerbsstandard. In Variante 1 hat Keinemann eine Einheit mit flachem Wasser vorgesehen sowie fünf Bahnen mit jeweils 25 Metern für Schwimmer. Keinemann könnte sich als Ergänzung eine Art Priel mit Spritz- und Spaßelementen vorstellen. Das Angebot einer Textilsauna, in der Badekleidung getragen wird, fehle in der Region. Die Planer gehen dabei von einem Potenzial von 77 000 Besuchern aus.

Wie das Bad genutzt werden soll, müsse ausgearbeitet werden. Durch die Grundschulen würde sich am Vormittag eine Auslastung von zwei Dritteln ergeben. Eine Option wäre, das Bad parallel für die Öffentlichkeit, etwa für Frühschwimmer, zu öffnen. Alternativ könnten laut Keinemann auch Schulsport und Öffentlichkeit das Bad nur an bestimmten Tagen nutzen. Auch der Vereinssport könnte feste Zeiten bekommen. Die Flexibilität sei ein Vorteil der teureren Variante.

Der Personalaufwand hängt mit der Ausgestaltung der Öffnungszeiten zusammen. Das Büro hat für seine Rechnung die Zeiten montags bis dienstags von 14 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 20 Uhr zugrunde gelegt. Demnach ist für Badeaufsicht, Rezeption, Reinigung, Leitung, Verwaltung und Hausmeistertätigkeit mit Vollzeit- und Aushilfsstellen mit Kosten in Höhe von einer halben Million Euro zu rechnen. Keinemann riet, ein Betriebskonzept einzukaufen, weil Stuhr noch kein Bad hatte.

Aus den Zuschauerreihen erinnerte Frank Bank, Lehrer an der KGS Brinkum, daran, dass mindestens ein Drittel der Kinder nicht schwimmen kann. „Ab der achten Klasse bekommen wir die nicht mehr zum Schwimmen“, sagte er. Die Pläne für die „große Variante“ nahm er wohlwollend auf. Bank wollte auch wissen, welcher Zeitraum für eine Realisierung des Schwimmbades machbar wäre. Die zuständige Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg äußerte vorsichtig: „Unter fünf Jahren halte ich für unrealistisch.“ Der Bebauungsplan müsste bei beiden möglichen Flächen an Bassumer Straße oder Brunnenweg geändert werden. Bis der Weg geebnet ist, könnten bis zu zwei Jahre vergehen.

„Ein Wettkampfbecken ist unerlässlich“, erklärte auch Grundschullehrerin Britta Buttelmann. Dem schloss sich auch Kollege Florian Fallar, Leiter der Grundschule Brinkum, an. Er fährt mit seinen Klassen derzeit nach Syke. „Das ist eine längere Fahrt als wir schwimmen“, sagte er. „Wenn es hochkommt, haben die Kinder ein halbes Jahr einmal pro Woche Schwimmunterricht“, sagte Fallar.

Eine Mutter berichtete, dass ihre Tochter in der dritten Klasse Schwimmunterricht haben sollte, der Versuch der Lehrerin, ein Schwimmbad zu finden, aber fehlgeschlagen sei. Sie habe ihr Kind selbst in Huchting unterrichtet, weil die Wartezeiten für Kurse bis zu drei Jahre betragen. Zehn Unterrichtsstunden à 30 Minuten würden 150 bis 160 Euro kosten. "Das ist für Eltern untragbar", sagte sie. Diese Preisdimension bestätigte auch Edmund Schröder, Vorsitzender des Schwimmclubs Rot-Gelb (SFC) Bremen bei Cordes & Graefe. Derzeit gebe es dort nur noch Unterricht für Kinder ohne Seepferdchen. Es gebe eine Warteliste mit 300 Kindern, seit sechs Wochen sei niemand angenommen worden. Anfragen kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern, berichtete er.

Kristine Helmerichs (Grüne) betonte die gute Finanzlage Stuhrs. Ihre Fraktion hatte die Machbarkeitsstudie für ein Schwimmbad Ende 2018 beantragt. Wer im Silbersee schwimmen möchte, der brauche den Freischwimmer. Gerade weil das Gewässer plötzlich tief wird. Helmerichs ärgerte sich über die „Arroganz“, vor Ort nichts vorhalten zu wollen, aber Fahrten in andere Kommunen in Kauf zu nehmen und überheblich auf diese zu blicken, weil sie dafür Geld locker machen. „Das können wir uns so nicht mehr leisten.“ Susanne Cohrs (SPD) erinnerte an die KGS-Sanierung, in die die Politik bereits 15 Millionen Euro investiert hat: „Ich bin der Auffassung, die Zeit ist reif, sich um Variante 1 zu kümmern.“ Finn Kortkamp (CDU) geht es in Sachen Schwimmbad aber etwas zu schnell. Bei der KGS sei der Prozess schließlich mit einer Arbeitsgruppe begleitet worden. Er fragte sich, ob die 2019 errechneten Summen auch noch 2020 und 2021 gelten werden. In Syke seien die Kosten ja auch noch gestiegen. Natürlich sind haargenaue Vorhersagen nicht möglich, sagte Planer Christoph Keinemann, aber sein Büro habe eine „defensive und realistische Prognose“ getroffen.

Uwe Schweers (CDU), auch Vorsitzender der DLRG in Stuhr, fragte, ob ein so großes Hallenbad wie in Variante 1 benötigt wird. Auch Alexander Carapinha Hesse (FDP) fragte, was von den Plänen wirklich nötig sei, sagte aber außerdem: „Dass wir das Hallenbad nicht zum Nulltarif kriegen, ist uns klar.“ Jedoch stünden noch kostspielige Projekte wie etwa die Ortskernsanierung in Brinkum bevor. Er erinnerte an die von seiner Fraktion geforderte Investitionsplanung, um Prioritäten zu setzen.

Die FDP-Fraktion beantragte in der Sitzung, zunächst ein Gutachten in Auftrag zu geben, scheiterte damit jedoch. „Wie lange soll sowas künftig in Stuhr dauern?“, fragte Helmerichs. Die umliegenden Kommunen wachsen ebenfalls, sanieren ihre Bäder. Jahre auf einen Schwimmkurs zu warten, möge ja inzwischen normal sein, sei aber nicht hinnehmbar.

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