Tierheim Arche Noah Brinkum

Mantao, Lethe und Kalypso: Wolfshunde von Stuhrer Tierheim aufgenommen

Drei freilaufend gefundene Wolfshunde sind vor Kurzem vom Tierheim Arche Noah in Brinkum aufgenommen worden. Einer der Vierbeiner ist bereits bei einer geeigneten Pflegestelle untergekommen.
09.06.2020, 22:54
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Mantao, Lethe und Kalypso: Wolfshunde von Stuhrer Tierheim aufgenommen
Von Desiree Bertram
Mantao, Lethe und Kalypso: Wolfshunde von Stuhrer Tierheim aufgenommen

Zwei Wolfshunde im Tierheim Arche Noah in Brinkum: Hündin Lethe (links) und Rüde Mantao.

Tierheim Arche Noah Brinkum

Lethe und Kalypso flitzen durch ihr Gehege. Ein kurzer Blick zum recht weit entfernten Weg und schon sind die beiden jungen Wolfshunde wieder weg. Noch sehr schüchtern und ängstlich, aber dennoch neugierig sind die beiden Fellnasen. Menschen und andere Hunde in ihrer Umgebung sind eine komplett neue Situation für die beiden. Sie sind, zusammen mit einem weiteren Wolfshund, vor Kurzem im Tierheim Arche Noah in Brinkum untergekommen. Letzterer ist inzwischen aber zur Sozialisierung an eine Hilfsorganisation für Wolfshunde weitergegeben worden. Die Tiere sind noch sehr jung. „Kinder. Wir sagen wirklich Kinder“, erzählt Mareike Bergmann, Leiterin des Tierheims.

Die Geschichte der Wolfshunde fing vor rund einem Monat an: Alles begann damit, dass sich am 11. Mai das Ordnungsamt Sottrum an das Tierheim wandte und fragte, ob es drei frei lebende, sehr scheue Hunde aufnehmen würde. Sottrum gehört zum Fundeinzugsgebiet des Tierheims, die drei Wolfshunde liefen dort an einer Bundesstraße herum. Vermutlich lebten die drei Tiere einige Wochen lang dort in der Gegend auf einem verlassenen Grundstück – einem vermüllten und verkoteten Hof, heißt es vom Tierheim.

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„Ja, wir kriegen das hin“, sagte Bergmann damals die Anfrage zu. Als klar war, dass es sich bei den Tieren um Wolfshunde handelt, dachte sie: „Ach du Schreck.“ Ein bisschen Panik sei auch dabei gewesen, gesteht sie ein: „Aufgrund der Zäune im Tierheim – Wolfshunde springen nicht, sondern klettern.“ Das bedeute, dass die Zäune mindestens zweieinhalb Meter hoch und oben nach innen gebogen sein müssen, um die Wolfshunde sicher unterzubringen.

Zur Unterstützung haben die Mitarbeiter der Arche Noah dann Kontakt mit Camchatca, einer Hilfsorganisation für Wolfshunde, aufgenommen. Dabei erfuhren sie unter anderem, dass die drei Tiere Amerikanische Wolfshund-Mischlinge sind. „Vermutlich wurden sie von einem Züchter zurückgelassen“, befürchtet Bergmann. Die Sottrumer Verwaltung hatte den Tierparkservice von Heino Krannich aus Wittingen beauftragt, die Vierbeiner einzufangen. Die Arche Noah begann daraufhin, das Außengehege für die Neuankömmlinge vorzubereiten.

Natürliches Fluchtverhalten

Krannich sei es mit einer Distanz-Narkose gelungen, die Wolfshunde einzufangen, erklärt die Tierheimleiterin. Erst kamen der Rüde Mantao und das Weibchen Lethe zur Arche Noah, einen Tag später das zweite Weibchen Kalypso. Nach der Narkose und dem Stress haben die Wolfshunde erst einmal eine Pause gebraucht. Angst und Panik der Tiere seien die größten Herausforderungen, keine Aggressivität, so Bergmann. Das Fluchtverhalten der Wolfshunde sei ganz natürlich, denn die aktuelle Situation und die Umgebung sind für sie komplett neu. So hätten sich die Wolfshunde sofort versteckt, sobald jemand an das Gehege kam. Durch die Corona-Pandemie sind zudem erschwerte Bedingungen im Tierheim zu bewältigen, wie beispielsweise die Arbeit in zwei Teams mit wöchentlichen Wechseln. Diese Umstände seien für die Tiere nicht gut, da so die Gefahr einer weiteren Verwilderung besteht.

Anna Hein von Camchatca kam einige Wochen nach der Aufnahme mit einer Kollegin sowie einem anderen Wolfshund zu Besuch ins Tierheim. So zeigte sich auch bei den drei Neuankömmlingen ein Fortschritt: Sie begannen zu beobachten und zeigten langsam etwas Interesse. Die drei Fundtiere wurden Mantao sowie Lethe und Kalypso genannt. „Das sind Übersetzungen aus verschiedenen Sprachen für Angst“, erzählt Bergmann.

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Hein entschied sich dann auch, den Rüden Mantao mitzunehmen. Am vergangenen Mittwoch ist er bei Hein, ihrer Familie und einem großen, bunten Hunderudel angekommen. Es ist eine Zwischenstation, bis Mantao so weit ist, dass er weitervermittelt werden kann. Ziel ist es, ihn zu sozialisieren und zu erziehen. Der Wolfshund muss die alltäglichen Dinge des Lebens kennenlernen. „Ins kalte Wasser schmeißen und ins bestehende Rudel setzen“, so beschreibt Bergmann den Start für den Vierbeiner. Die 31-Jährige betont: „Wolfshunde sind extrem schlau und selbstständig.“ Außerdem hat die Arche Noah schon Rückmeldungen von Hein bekommen: Mantao lasse sich streicheln und knuddeln.

Für Lethe und Kalypso sollen ebenfalls möglichst schnell geeignete Pflegestellen gefunden werden. Nur so könnten sie ihre Scheu und Angst verlieren. Im Tierheim ginge das nicht, sagt Bergmann. „Es haben sich schon Interessenten gemeldet“, freut sich die Tierheimleiterin. Wichtig ist für mögliche Pflegestellen vor allem die Erfahrung mit Wolfshunden. Ein Wolfshund kann nicht ohne Weiteres in einem „normalen Hundehaushalt“ leben, sagt Bergmann. Es ist Voraussetzung, dass das neue Zuhause Sicherheitsvorkehrungen, wie unter anderem die zweieinhalb Meter hohen, nach innen gebogenen Zäune, umsetzt.

Tiere nicht als Statussymbol sehen

Dass aktuell immer mehr Menschen die Mischlinge aus Wolf und Hund als Haustier halten wollen, sieht Bergmann problematisch. „Die Leute sehen die Tiere als Statussymbol. Sie wollen Beachtung bekommen“, sagt sie. Dabei ginge es rein um die Optik. Zur Privathaltung sind die Wolfshunde aber eher ungeeignet – insbesondere wenn die nötige Erfahrung fehlt und die Haltung der Tiere unterschätzt wird. Wenn Wolfshunde nicht mit dem richtigen Umgang sozialisiert werden würden, würden sie weiter verwildern, erklärt Bergmann. Zudem hätten viele Menschen Vorurteile gegenüber Wölfen und Wolfshunden. Die Erziehung und Grenzen sind anders als bei klassischen Hunderassen, da sei Erfahrung notwendig. Geduld und Akzeptanz gegenüber dem Wolfshund und seinem Verhalten seien unerlässlich. „Sie sind Dickköpfe“, erklärt Bergmann und weiter: „Was sie wollen, wollen sie.“

Weitere Auskünfte zu den beiden Wolfshunden gibt es im Tierheim Arche Noah, Rodendamm 10, in Brinkum. Die Mitarbeiter sind montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 04 21 / 89 01 71 zu erreichen. Besuche der Einrichtung sind derzeit nur nach telefonischer Anmeldung möglich. Weitere Informationen sind im Internet unter www.tierheim-arche-noah.de zu finden.

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