Mentoringprogramm für Frauen

Nachwuchspolitikerinnen wollen in den Stuhrer Rat

Zwei Jahre lang haben Sonja Blaß und Ilse Zeineddine am Mentoringprogramm Frau.Macht.Demokratie. teilgenommen. Im September wollen sie nun für die SPD in den Stuhrer Rat.
18.06.2021, 17:37
Lesedauer: 4 Min
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Nachwuchspolitikerinnen wollen in den Stuhrer Rat
Von Eike Wienbarg
Nachwuchspolitikerinnen wollen in den Stuhrer Rat

Mentorin und Mentees: Sonja Blaß (links) und Ilse Zeineddine (rechts) wurden in den vergangenen Jahren von SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs unterstützt.

Eike Wienbarg

Stuhr. Allzu viele politische Sitzungen konnten Sonja Blaß und Ilse Zeineddine in den vergangenen Monaten nicht verfolgen. Denn aufgrund der Corona-Pandemie fielen viele Gremientreffen der Stuhrer Politik aus oder wurden ins Digitale verlagert. Auch einige Veranstaltungen, die die beiden Stuhrerinnen anlässlich ihrer Teilnahme am Mentoringprogramm Frau.Macht.Demokratie. besuchen wollten, fanden nicht statt. Trotzdem haben sich Blaß und Zeineddine nicht beirren lassen und wollen ihren Weg in die Kommunalpolitik finden. Am liebsten schon bei der kommenden Wahl im September.

Zwei Jahre zur Vorbereitung standen sie dabei unter den Fittichen der Stuhrer SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs. "Es ist alles ganz anders gelaufen", sagt Cohrs über die vergangenen Monate. Und sie muss es wissen. Denn Cohrs betreut schon seit Jahren als Mentorin Frauen auf dem Weg in die Kommunalpolitik. So zum Beispiel auch die derzeitige Stuhrer SPD-Ratsfrau Gudrun Klomburg.

Sonja Blaß und Ilse Zeineddine haben dabei ganz unterschiedliche Wege in das Programm gefunden. Seit ihr Nachwuchs in die Kita gekommen ist, sei sie in der Elternarbeit aktiv gewesen, berichtet Blaß. Das begann im Jahr 2005. Im Jahr 2009 gründete sie den Förderverein für Musik und Kultur in Stuhr (Muks), der sich die musikalische Grundbildung von Kindern auf die Fahne geschrieben hatte. Elf Jahre lang, bis zur Auflösung des Vereins, war Blaß die Vorsitzende. Nach der Auflösung war für sie klar: "Ich muss mich weiter engagieren, aber auf anderer Ebene."

Bei einer Podiumsdiskussion im Brinkumer Treffpunkt Sie(h) da saß Blaß dann neben Susanne Cohrs. Zunächst sei sie damals von Patricia Veigel-Runte vom Förderverein des Sie(h) da, aber auch von der CDU angesprochen worden, ob sie sich politisch engagieren wolle, erzählt die 46-jährige Varrelerin. Für sie war aber klar: Wenn es in die Politik geht, dann für die SPD. "Wenn man an die Demokratie als höchstes Gut glaubt und eine sozial gerechte Gesellschaft möchte, dann ist es klar, in welcher Partei ich mich engagieren muss", sagt Blaß mit Blick auf ihre Überzeugungen.

Ihr Elternhaus sei zwischen der SPD und der FDP gespalten gewesen, erzählt sie weiter. Als "Unternehmertochter" suchte sie sich ihren eigenen Weg. Über den zweiten Bildungsweg machte sie ihr Abitur und studierte. "Ich kenne beides", sagt sie über ihre Erfahrungen. Heute betreibt sie eine Heilpraktikerpraxis ganz in der Nähe des Rathauses. "Als Unternehmerin muss ich immer nach vorne gucken", sagt Blaß. Noch sei sie zwar kein Mitglied der SPD, "aber der Antrag ist auf dem Weg".

Ilse Zeineddines Elternhaus ist das Haus Lohmann in Brinkum, das heute als Begegnungsstätte genutzt wird. Sie selbst ist allerdings in Südafrika geboren. "Wer dort geboren ist, kann gar nicht unpolitisch sein", sagt sie mit Blick auf die wechselvolle Geschichte ihres Geburtslandes. Daher habe sie sich bereits früh für Politik interessiert. In jüngeren Jahren seien es vor allem die Debatten zwischen Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Herbert Wehner gewesen, die sie fasziniert haben, erzählt Zeineddine und fügt hinzu: "Ich kenne auch andere politische Systeme. Es liegt an uns, sie zu gestalten."

Seit 2003 lebt sie wieder in Stuhr. Vor Ort engagierte sie sich jahrelang bei den Nachtwanderern, die an Wochenenden in der Gemeinde unterwegs sind und mit Jugendlichen ins Gespräch kommen wollen. Beruflich ist die 63-Jährige gelernte Schauwerbegestalterin und sie studierte Innenarchitektur. Mittlerweile arbeitet sie in einer Bank. Der Weg zur SPD sei aufgrund der gleichen "Grundwerte" klar gewesen. Zwar habe sie zuerst mit den Grünen geliebäugelt, mittlerweile ist sie aber Parteimitglied bei den Sozialdemokraten. Ihr Engagement in der Partei begründet sie auch mit dem zunehmenden "Rechtsruck" in der Gesellschaft.

Während der zwei Jahre im Mentoring-Programm setzten sich Blaß und Zeineddine mit den Grundlagen der Kommunalpolitik auseinander. Auch nahmen sie an verschiedenen Veranstaltungen zum Austausch in der Region teil. "Ich habe den Kontakt schon ein bisschen vermisst", sagt Cohrs mit Blick auf die Betreuung der beiden Politikneulinge, die aufgrund der Corona-Pandemie ein wenig kontaktarmer ausfallen musste. Statt des gemeinsamen Austauschs in einem Restaurant musste es oft bei Nachrichten über Computer und Handy bleiben, erzählt sie.

Nichtsdestotrotz fühlen sich Sonja Blaß und Ilse Zeineddine bereit für die Kommunalpolitik. So streben beide einen Platz auf der Liste der SPD für den Gemeinderat an. "Ich würde es nicht machen, wenn ich nicht ganz sicher bin", sagt Blaß. "Aber ohne das Programm und Susanne hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht. Da wäre die Hürde eine ganz andere gewesen", ergänzt sie. Ilse Zeineddine sieht das ähnlich: "Ich habe die Grundlagen und fühle mich bei meiner Mentorin gut aufgehoben." Auch Cohrs macht den beiden Mut: "In der Praxis lernt man viel mehr. Vieles ist Learning-By-Doing", sagt die erfahrene Ratsfrau.

Sollte es mit dem Einzug in den Rat klappen, haben die beiden auch schon ihre Vorstellung, welche Schwerpunkte sie setzen wollen. Für Sonja Blaß ist es der Bereich Kinder und Bildung. "Jedes Kind hat ein Recht auf gute Bildung, egal welcher Herkunft", sagt sie. Auch die medizinische Grundversorgung liege ihr am Herzen. Für Ilse Zeineddine steht die Umweltpolitik ganz oben auf der Agenda. Allerdings interessiere sie sich auch für soziale Themen, sagt sie.

Weitere Informationen zum Mentoring-Programm Frau.Macht.Demokratie gibt es im Internet unter www.frau-macht-demokratie.de.

Zur Sache

Listenauftstellung der Stuhrer SPD

Die Stuhrer SPD stellt bei ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstag, 24. Juni, ab 19 Uhr im Bremer Tor, Syker Straße 4, in Brinkum ihre Listen für die Gemeinderatswahl auf. Außerdem geht es um den Beschluss des Wahlprogramms und eine Nominierung des Ortsvereins Stuhr für die Bewerbung zur Landtagskandidatur im Wahlkreis 41 für das Jahr 2022. Die Teilnehmer sollten einen aktuellen Nachweis über ein negatives Corona-Testergebnis oder einen Nachweis über eine vollständige Corona-Impfung oder die Genesung von einer Corona-Erkrankung mitführen. Eintritt ist nur über den Haupteingang des Bremer Tors möglich. Außerdem müssen sich die Teilnehmer vor Ort registrieren.

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