Brinkumer SV II Mit dem Geist von Tarnowskie Góry

Der Brinkumer SV und seine zweite Herrenmannschaft – das war nicht immer eine Erfolgsgeschichte. Doch das Bild hat sich geändert: Die Zweite steht auf gesunden Füßen und sogar Herbstmeister der 2. Kreisklasse.
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Von Thorin Mentrup

Stuhr-Brinkum. Es war eine bunte Reisegruppe, die sich im Sommer auf den Weg nach Polen machte. Weißrussen, Deutsche, Türken, Albaner, Kroaten – kurzum: eine echte Multikulti-Truppe. Ihr Ziel: Tarnowskie Góry. Ihre Mission: zusammenwachsen. Heute, im Spätherbst, ist das Trainingslager für Boris Hansen, Trainer der zweiten Fußball-Herrenmannschaft des Brinkumer SV, das Schlüsselerlebnis auf dem Weg zur Herbstmeisterschaft in der 2. Kreisklasse Bremen. Dieser inoffizielle Titel soll jedoch nur der erste Schritt gewesen sein. Denn Hansen hat mit seinem Team noch hohe Ziele.

Der Brinkumer SV und seine zweite Herrenmannschaft – das war in der jüngeren Vergangenheit mehr Reizthema als Erfolgsgeschichte: 2015 wäre den Brinkumern wegen der Abmeldung ihrer Zweiten in der Schlussphase der Saison 2014/15 beinahe die Zulassung zur Bremen-Liga entzogen worden. Erst das Verbandssportgericht des Bremer Fußball-Verbandes rettete den BSV. Knapp dreieinhalb Jahre später redet Boris Hansen davon, vielleicht sogar eine dritte Herrenmannschaft aufzumachen. Was also hat sich verändert? Genau genommen, erklärt Hansen, laufe seit dem Frühjahr ein Neustart. Da sei er in die Trainerrolle hineingerutscht. Gerade einmal elf Spieler waren beim ersten Spiel des Jahres einsatzbereit. Im letzten waren es dann schon 20. „Wir haben einen riesigen Zulauf erhalten“, verdeutlicht Hansen. Er hat der BSV-Zweiten ein Gesicht gegeben. „Wir sind für alle Spieler offen“, erklärt er. Dieser Grundsatz ist mehr als eine leere Aussage. Das begriffen auch die Fußballbegeisterten der Region, die es an den Brunnenweg zu Hansens Truppe zog. Sie fühlten sich willkommen.

Eine große Aufgabe aber stand Hansen, dem ehemaligen Erste-Herren-Torwart des BSV, noch bevor: Er musste aus dieser Mannschaft voller unterschiedlicher Charaktere und Nationalitäten ein Team formen. Dabei erwies sich das Trainingslager in Polen als Glücksgriff. „Den Teamgeist, den wir da entwickelt haben, ist unglaublich“, findet Hansen. Die Fußballreise ins Nachbarland ermöglicht hat – natürlich – ein Spieler der Multikulti-Truppe: Torhüter Radoslaw Czernecki kommt aus Polen. „Er hat den Kontakt hergestellt und uns sogar ein Testspiel besorgt“, weiß Hansen den Einsatz seines Keepers zu schätzen. Ohne das Trainingslager wäre die Hinrunde nie so gut gelaufen, glaubt der Trainer. „In Polen sind wir eine richtige Mannschaft geworden.“ Den Geist von Tarnowski Góry hat der BSV mit in die mehr als 850 Kilometer entfernte Heimat genommen.

Seitdem läuft es wie am Schnürchen für die Hansen-Elf, die acht ihrer zehn Saisonspiele gewonnen hat. Brinkum schickt sich trotz der 1:2-Niederlage gegen den nun punktgleichen AGSV Bremen am Wochenende an, in die 1. Kreisklasse aufzusteigen. Der Vorsprung auf Rang drei beträgt bereits sieben Punkte. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht klappt“, glaubt Hansen. Der Berufssoldat sieht vor allem die Kondition seines Teams als großes Plus an: „Wir können in den letzten Minuten des Spiels noch Vollgas geben. Das hat uns gegen die besseren Mannschaften der Liga einige Punkte gesichert.“ Beim 3:3 in Woltmershausen etwa kämpfte sich seine Elf durch Tore in der 70. und 85. Minute nach einem 1:3-Rückstand noch zurück, und auch beim 3:2 über den SV Eintracht Aumund III erzielte der BSV alle seine Treffer in der Schlussviertelstunde. „Wir haben wirklich die Power, noch etwas zuzusetzen“, freut sich Hansen, der sein Team Strenge und Disziplin gelehrt hat. Er gibt eine klare Linie vor. So wird auf dem Platz ausschließlich deutsch gesprochen. „Wer sich nicht daran hält, muss fünf Liegestütze machen“, weiß der Trainer, wie er seine Elf mit Spielern im Alter von 20 bis 38 Jahren anpacken muss.

Hansen sieht in seinem Team, das während der Saison noch weiteren Zulauf erhalten hat, großes Potenzial. „Die Meisterschaft ist jetzt das Ziel“, sagt er. Doch mit dem Aufstieg in die 1. Kreisklasse soll noch lange nicht Schluss sein. Hansen denkt langfristig: „Ich habe einen Fünf-Jahres-Plan: Die Kreisliga ist locker drin“, traut er seinem Team viel zu.

Doch erst einmal gilt es, den ersten Schritt dorthin zu machen. In der Rückserie wollen sich die Brinkumer genauso erfolgreich verkaufen wie in der Hinserie. Die Grundlage dafür will der BSV, der nach dem Ende der ersten Saisonhälfte die Trainingsintensität etwas senken wird, schon ganz früh im kommenden Jahr legen. „Wir fangen schon am 8. Januar wieder an. Dreimal in der Woche werden wir dann trainieren“, verordnet Hansen seinem Team einen Frühstart, ehe im März dann wieder der Kampf um Punkte beginnt. Zwischenzeitlich wird der BSV wieder ein Trainingslager einlegen. Dieses Mal nicht in Polen, sondern in Dorum. Wenn sich die Brinkumer an der Nordseeküste genauso gut entwickeln wie in Schlesien, dann dürfte dem Unternehmen Aufstieg nichts mehr im Wege stehen…

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