Minako Schneegass im Stuhrer Rathaus

Musikalische Reise zum Mond

Die Stuhrer Pianistin Minako Schneegass ist eine Virtuosin an ihrem Instrument. Das zeigte die gebürtige Japanerin auch am Sonntag im Stuhrer Rathaus.
14.10.2019, 18:42
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Von Dagmar Voss
Musikalische Reise zum Mond

Gab alles am Klavier: Die Stuhrer Pianistin Minako Schneegass zeigte ihr virtuoses Können an dem Instrument im Stuhrer Rathaus. Zu hören gab es für die zahlreichen Besucher klassische, aber auch moderne Stücke.

Michael Braunschädel

Ob sich tatsächlich die Zuhörer mitgenommen fühlten zu der versprochenen musikalischen „Reise einer Rose von Stuhr zum Mond“, lässt sich nicht genau sagen. Jedenfalls lauschte das Publikum im gut gefüllten Ratssaal in Stuhr am Sonntagnachmittag den Klängen, genauer der „Klaviermusik zur Mondlandung 1969-2019“, die Konzertpianistin Minako Schneegass dem Flügel entlockte. Die Zuhörer belohnten die Darbietung mit reichlich Applaus. Allerdings erklangen aus den hinteren und oberen Reihen sowie auch in der Pause einige Kommentare, die davon zeugten, dass die Künstlerin zu leise und zu schnell Erklärungen abgab. „Man versteht gar nichts“, so der Tenor bei manchen Zuhörern.

„Schade, dass sie so schnell spricht, dass wir davon nichts mitbekamen oben auf der Empore“, meinten Rosemarie Aschermann und Hermann Jack. Die beiden Delmenhorster kommen oft zu Konzerten nach Stuhr: „Wir lieben vor allem Klaviermusik, auch wenn wir von den angekündigten Stücken so gut wie nichts wiedererkennen konnten.“ Auch die gebürtige Iranerin und Englischlehrerin Narges Dashtbozorgi aus Brinkum war wegen der Klaviermusik gekommen: „Die Musik gefällt mir gut, aber leider verstehe ich von ihren Ansagen gar nichts.“ Das war für den wahrscheinlich jüngsten Zuhörer, den vierjährigen Vincent, kein Thema, ihm gefiel einfach die Musik – bis zur Pause jedenfalls, dann wurde der Kurze auf seinem weit hinten gelegenen Sitz unruhig und ging mit seinen Eltern.

Die besagte Musik, die allen so gut gefiel, war eine bunte Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Kompositionen – allerdings in der ganz eigenen Interpretation der in Stuhr lebenden Pianistin. Da blieben von den Stücken immer nur sehr wenige erkennbare Phasen übrig – ob nun bei den Strauß’schen „Rosen aus dem Süden“ oder Claude Debussys „Claire de lune“; ob bei den Filmmusiken aus „Beauty And The Beast“ oder „Star Wars“.

Gut gelaunt in einem rosa Abendkleid begrüßte die Musikerin ihr Publikum. „Ich freue mich sehr, wieder hier zu sein“, sagte Schneegass und legte los, temperamentvoll und ein wenig manieriert mit ihrem theatralischen Händeheben. Mit vollem Körpereinsatz ganz dabei kroch sie ab und an förmlich über oder in die Tasten des Klaviers im Stuhrer Ratssaal.

Wie Lacher aus der ersten Reihe mitunter belegten, machte sie wohl ganz amüsante Anmerkungen zu den Stücken. Manchmal waren Fragmente ihrer Erklärungen zu verstehen, wie die Geburtstagsglückwünsche für jemanden im oberen Bereich, oder Sprachfetzen über ihren chinesischen Kollegen Lang Lang, der wohl in Versailles gastiere, während sie hier gern auftrete.

Für den zweiten Teil versprach die Pianistin, dass es romantischer werde. Nun ja, es blieb immer noch sehr eigenwillig-charaktervoll bei ihren Quasi-Improvisationen, wie Schneegass das nannte. Da wurden Filmklassik-Musiken aus „Titanic“ oder „Love Story“ variiert bis hin zum zunächst krönenden Abschluss mit der Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven.

Für ihre Zugabe nach einem langen Beifall hatte sie noch eine Quasi-Improvisation zu „Over The Rainbow“ parat. Blumen für das kostenfrei präsentierte Konzert gab es dann von der Stuhrer Gemeinde.

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