Gasthaus Nobel strukturiert um

Neustart beginnt mit einem Abriss

Große Veränderungen stehen beim Moordeicher Gasthaus Nobel an: Ein Teil des Gebäudes ist abgerissen worden, der Rest wird umgebaut. Auf dem frei gewordenen Grundstück sollen Wohngebäude entstehen.
27.10.2020, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Neustart beginnt mit einem Abriss
Von Claudia Ihmels
Neustart beginnt mit einem Abriss

Der Inhaber des Gasthauses Nobel hat einen Teil seiner Gebäude abreißen lassen und plant, auf dem frei gewordenen Grundstück auch neue Wohngebäude zu bauen.

Michael Braunschädel

Vom großen Saal ist nur noch ein kleiner Teil der Deckenverzierung mit dem markanten Blätterdach übrig – und das ist auch schon von außen sichtbar. Denn beim Gasthaus Nobel in Moordeich ist in den vergangenen Wochen der komplette hintere Gebäudeteil abgerissen worden. Der vordere Gebäudeteil inklusive der Gaststube, die sogar noch etwas erweitert werden soll, bleibt aber stehen. Auf einem Teil des Grundstücks ist eine Wohnbebauung geplant. Inhaber Klaas Nobel möchte das 150 Jahre alte Traditionsgasthaus so fit für die weitere Zukunft machen.

Nobels Entscheidung ist nicht von heute auf morgen gefallen. Schon vor einigen Jahren wollte er grundlegend etwas verändern. "Das Geschäft mit den immer kleiner werdenden Feiern bei wachsenden Ansprüchen im großen Saal ist für uns von der Kostenseite schwieriger geworden“, sagt Klaas Nobel, der seit 2013 alleiniger Inhaber des Gasthauses ist. Vor allem der Saal mit seinen hohen Unterhaltskosten habe sich "zum Mühlstein für künftige Investitionen entwickelt". Schon 2015 plante der Gastronom deshalb, einen Teil des Gebäudes abzureißen und so Platz zu schaffen für eine Bebauung mit einem Hotel mit zwölf bis 16 Zimmern sowie ein Wohngebäude mit sechs bis acht Wohnungen. Diese Pläne konnten durch eine von der Stuhrer Politik beschlossene Änderung des Bebauungsplanes aber nicht umgesetzt werden. "Das Folgekonzept mit betreutem Wohnen scheiterte nicht an der Gemeinde, leider aber am Risiko der Baukosten", so Nobel weiter.

Nun ist auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück jeweils zur Hälfte eine "reine Wohnbebauung mit gewollter Gastronomie nebenan" vorgesehen. Klaas Nobel arbeitet für die Umstrukturierung mit dem Cloppenburger Bauunternehmer Thomas Sauer und dem Stuhrer Makler Jürgen Oestmann (Oestmann & Ahrens) zusammen. Details der Pläne wollen sie aber noch nicht öffentlich machen. "Wir würden gerne Ross und Reiter nennen, aber die Baugenehmigung liegt noch nicht vor", erklärt Thomas Sauer den Hintergrund und Klaas Nobel betont, dass das für ihn auch viel mit Zuverlässigkeit zu tun hat. Erst wenn alles Hand und Fuß habe, wolle er die Details preisgeben, erklärte Nobel auch im Hinblick auf die Pläne, die sich in den vergangenen Jahren dann doch wieder zerschlagen haben.

Nur so viel sei gesagt: Für die Wohnbebauung sollen laut Oestmann Gebäude „in guter Qualität“ entstehen, mit Aufzügen und großzügig geschnittenen Wohnungen. Er verweist auf ähnliche Projekte, die er zusammen mit dem Bauunternehmen Sauer in Moordeich schon realisiert hat. Die Nachfrage sei nach wie vor groß, so die Erfahrung des Maklers. Er habe auch viele einheimische Kunden, die sich verändern, aber im Ort bleiben wollen.

Verändern wird sich in den kommenden Monaten auch das Gasthaus. Zum einen werden natürlich auf der hinteren Gebäudeseite die Spuren des Abrisses beseitigt. Zudem soll der ehemalige Vorraum zum Saal umgestaltet werden. „Wir schaffen einen neuen Clubraum“, sagt Thomas Sauer. Zusammen mit den bereits vorhandenen Räumen im Bereich Gaststube und durch flexible Trennwände zwischen den Räumen sollen so Veranstaltungen mit bis zu 80 Personen möglich sein. Auch die Hotelzimmerkapazitäten möchte Klaas Nobel ausbauen. „Gerne auf acht bis neun Betten“, sagt der Gastwirt, der auch weiterhin mit seiner Familie im Haus wohnen wird. Platz sei im vorhandenen Gebäude genug vorhanden. Auch eine Erweiterung der geplanten Veranstaltungsräume kann er sich auf lange Sicht vorstellen, etwa durch einen Wintergarten. Das hänge aber auch mit den coronabedingten Entwicklungen zusammen.

Veranstaltungen wie Konferenzen, Firmen- und Familienfeiern, Weihnachts-, Spargel- und Kohlpartys soll es im Gasthaus weiter geben. Nobel freut sich, dass viele Kunden, die bereits für nächstes Jahr Feiern bei ihm angemeldet haben, verständnisvoll auf die Umbaupläne reagiert haben. Eng mit dem Gasthaus Nobel verbunden sind auch das Schützenfest des Schützenvereins Stuhr von 1912, der Bauernmarkt und das Maibaumsetzen der Landjugend Hasbergen-Stuhr. Diese sollen, vielleicht etwas anders, weiter vor Ort stattfinden, „das ist der ausdrückliche Wunsch aller Beteiligten von Anfang an“, betont Nobel.

„Es ist alles sehr durchdacht“, sagt Klaas Nobel zu seinem Vorhaben. Er leitet das Gasthaus in der fünften Generation und seine Familie lebt bereits seit 300 Jahren auf dem Grundstück. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, einen Weg zu finden, um die Traditionsgaststätte zu erhalten. Auch wenn der Abriss emotional natürlich nicht ganz einfach war. „Als das Bauernhaus abgerissen wurde, tat das schon weh“, gibt er zu. Der Gebäudeteil mit dem Haake-Beck-Schriftzug war der älteste Teil des Komplexes.

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