Band Northern Light zu Gast im Rathaus Stuhr Nordlichter reisen durch die Folkmusik

Im Rathaus der Gemeinde Stuhr entführte die Band Northern Light das Publikum auf eine Reise durch die Folk-Traditionen vieler nördlicher europäischer Länder.
17.10.2021, 18:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Otto Kirmse

Stuhr. Folkmusik aus den nordischen Ländern werde es zu hören geben, so hieß es zu Beginn des Konzerts von Northern Light am Sonnabend im Rathaus Stuhr. Der ein oder andere Zuhörer tat auf seinem Sweatshirt kund, wofür sein Herz schlägt, "Ireland" zum Beispiel. Neben Irland sollte auch Liedgut aus Schottland, Schweden, Norwegen und Dänemark erklingen. Die aufgrund der Pandemie-Beschränkungen mit weiten Abständen aufgestellten Stühle waren vollständig besetzt.

Aus Irland erklangen dann auch die meisten Stücke. Dafür sorgten der gelernte Holzblasinstrumentenbauer Steffen Gabriel (Vocals, Flute Whistle, Dudelsack), Meikel Poelchau (Fiddle, Vocals), die studierte Akkordeonistin und Sängerin Franzi Gabriel und Tobias Kurig. Poelchau ist dabei aufgewachsen in Texas und hat dort schon früh musikalische Impulse aufgenommen. Tobias Kurig wiederum kann sich nach eigener Aussage nicht vorstellen, dass es für ihn ein anderes Instrument geben könnte als die Bouzouki, deren Klangfarben er über alles liebt.

Viele Reels und Jigs werde man spielen, auch die Polkas (Polskas) seien zahlreich, sie seien besonders in den skandinavischen Ländern sehr beliebt. Die Texte seien überwiegend von finsterem Inhalt, warnte Franzi Gabriel in ihrer Moderation, verschmähte Liebe, Hinterhalt und Mord böten den Stoff für die in ihren Herkunftsländern sehr beliebten Lieder.

Gleich mit dem ersten Stück, „Rachel Darling‘s/Steffaleben“ gab es ein Beispiel für das Scheitern einer Liebe wegen der fehlenden Sensibilität des Mannes. Man konnte kaum glauben, dass hinter der Musik der flott und fröhlich aufspielenden Fiddle und Holzquerflöte sich eigentlich ein Trauerspiel verbarg. Viel Schwung brachte der Dudelsack in die Polka „Winter Lakes“, die Zuhörer waren begeistert. „In den Nachthimmel hinein zu träumen“, sinnierte Meikel Poelchau. Dazu kam leise die Anmerkung von Tobias Kurig: "…und dann die Mücken." Eben eine schwedische Polska, man muss dort gelegentlich mit Mücken leben.

Die Frauen seien sowieso diejenigen, die immer alles retten müssten, hier solle auch dem Feminismus in der Musik Beachtung geschenkt werden, so Franzi Gabriel. So berichtet die Sage von den sieben verwunschenen Brüdern, die die Schwester erst von dem Fluch befreien konnte, nachdem sie sieben Gewänder aus Disteln für sie habe fertigen können. Bis dahin sei sie zum Schweigen verflucht: „Tongue tied“. Einiges an Landeskundlichem habe man sich hinter einigen Titeln denken dürfen, zum Beispiel bei der Polka „Glalaten“ (Schweden) frage man sich wohl zu Recht, ob mit der Textzeile „Five Shots of Happiness“ ein Tipp für Alkoholisches gemeint sein dürfte.

Mit viel Beifall ging es in die Pause. Norbert Altenburger aus Ristedt war voll des Lobes für die Band und rühmte die hervorragende Qualität der Musik. Er habe Land und Leute in Irland wie auch Schottland auf Reisen kennengelernt, auch die Musiksessions in den Kneipen habe er mit Begeisterung gehört.

Das war auch wieder das Stichwort für die vielen Musikstücke im zweiten Teil des Abends. Diese habe man oft aus den spontan stattfindenden Kneipensessions mitgebracht, berichteten die Vier von Northern Light. Von einem besonders tragischen Schicksal berichtete das nächste Stück. Es ging um den Wettlauf zum Südpol, der Brite Scott verlor ihn 1911 an den Norweger Amundsen und er starb schließlich entkräftet auf dem Rückweg. Dabei schien es ihm, er höre noch einmal die Stimme der geliebten Frau: „Was It You?“ Eher verhalten hier die Rhythmen.

Mit Dank an das Publikum für das Erscheinen, die Veranstalter und die Tontechnik für die Vorbereitungen für den Abend wollten die Vier die musikalische Reise beenden, aber es sollte noch ein letztes Lied geben, wieder gehe es um Mord und Totschlag, denn dies sei der Inhalt: Eine junge Lady will noch einmal den ehemaligen Geliebten für sich gewinnen, als dieser aber weiter davon geht, ruft sie ihn noch einmal an ein Küchenfenster, durch das sie ihn kurzerhand ersticht. Die Schuld will sie auf eine Magd abwälzen, was aber misslingt, denn bei einem Gottesurteil färbt sich die Küche blutig, als sie den Leichnam noch einmal berühren muss. Ein schauriges Ende für einen schönen Abend? Nicht wirklich, denn natürlich folgt noch eine wilde, muntere Zugabe, erst dann lassen die begeisterten Zuhörer die Musiker ziehen.

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