Tannenbaumsammeln in Fahrenhorst Ortsrundfahrt der anderen Art

Weihnachten ist vorbei, die Tannenbäume haben ausgedient. Die Jungschützen des Schützenvereins Fahrenhorst boten dafür einen ganz besonderen Service.
13.01.2019, 19:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Golitschek

Stuhr-Fahrenhorst. Sonnabend, 10 Uhr: Viel regt sich noch nicht in den Straßen Fahrenhorsts. Das feucht-kühle Wetter und der zwischenzeitliche Nieselregen laden auch nicht unbedingt zu einem Spaziergang ein. Vor dem Vereinshaus des Schützenvereins Fahrenhorst versammeln sich aber trotzdem 14 Grünröcke und solche, die es später einmal werden wollen.

Während die letzten Mitglieder allmählich ankommen, werden auf dem kleinen Platz schon die Routen besprochen. Denn zum Schießen treffen sich die Fahrenhorster dieses Mal nicht: Stattdessen geht es Weihnachtsbäume sammeln. Neben dem Osterfeuer, dem Flohmarkt und dem Dorffest ist das eine Aktion, um die Kasse für die Jugendabteilung etwas aufzustocken. Läuft es gut, klimpern später in der Tüte mit dem gesammelten Geld rund 450 Euro, sagt Jugendschießsportleiterin Carina Schierenbeck. Wer in Fahrenhorst, Warwe, Feine oder Neukrug seinen Baum an diesem Sonnabend von den Jungschützen abholen lassen will, konnte diesen einfach an den Straßenrand stellen und zwei Euro für die Abholung berappen. Viele geben auch mehr, um die Vereinsarbeit zu unterstützen.

Knapp 20 Minuten später. Alle sind bereit zur Abfahrt. Zwei Gruppen werden gebildet, um jeweils einen Traktor samt Anhänger zu besetzen. Selbstverständlich haben Jan Werner und Cord Evers entsprechende Führerscheine, um die Maschinen zu steuern. „Wir sammeln die Traktoren und die Hänger immer zusammen. Wenn man sich rechtzeitig darum kümmert, dann geht das“, sagt Schierenbeck. Jan und Kai Woiwode, Justin Rickmann, Mareike Kastens, Ole und Quinn fahren zusammen mit Cord Evers nach Neukrug. Gruppe zwei – Carina Schierenbeck, Eike Grams, Michael Ahlers, Corvin Meißner sowie Thorben und Emma – schließt sich Jan Werner für die Fahrenhorster Tour an.

Mit den Helfern auf dem Anhänger setzt Werner sein Gefährt in Bewegung. Nach wenigen hundert Metern kommt dann auch schon der erste Halt: das Haus von Gemeindebürgermeister Niels Thomsen. Die Helfer steigen ab und laden den Baum auf dem Anhänger, auch ein paar zusätzliche Zweige nehmen sie noch mit. Thomsen kommt gerade noch rechtzeitig, um ein bisschen mit anzupacken und sich persönlich für die Abholung zu bedanken. So wird es für die Gruppe die nächsten Stunden weitergehen. Zuerst die Turmstraße, dann über die Warwer Straße, die Kirchseelter Straße und die Waldstraße. Fahren, halten, Baum aufladen, die Geldtüte abziehen, weiterfahren. „Wir hatten nur ein Jahr, in dem extrem viel Geld geklaut wurde“, erinnert sich Schierenbeck. Doch im Ort kennt und vertraut man sich. „In Bremen bräuchten wir das gar nicht machen“, merkt sie an.

Nun ist es aber Fa hrenhorst und nicht Bremen. Die Gruppe winkt den Fußgängern zu und grüßt sie – die meisten kennen sie beim Namen. Auch aus den Gärten heraus oder hinter den geschlossenen Fenstern wird immer freundlich gewunken. So mancher hat den Termin auch verpasst und eilt schnell nach Hause, um den Baum noch rauszustellen oder bittet die Fahrenhorster Schützen, ihn auf dem Rückweg einzusammeln. Mit der Zeit kommt da einiges zusammen, schon nach kurzer Zeit überragen die Bäume den Anhänger. „Dein Baum hat noch einen Platz gefunden“, ruft Eike Grams einem Passanten lachend zu, der zuvor etwas skeptisch geguckt hatte. Da ist manchmal auch voller Körpereinsatz gefragt. Immer wieder wirft er sich in die Tannen, um Platz zu schaffen. Nur nach einem reibt er sich das Knie und lacht: „Als ich jünger war, war das geiler.“

Immerhin: Das Wetter hält. Hin und wieder eine Prise Wind oder ein paar Tropfen, doch der befürchtete Regen bleibt aus. Da hatten die Nachwuchs-Grünröcke schon deutlich ungemütlichere Jahre. Allmählich wird allerdings der Platz auf dem Anhänger eng, viel geht nicht mehr drauf. „Schieb!“, ruft Grams Michael Ahlers zu, als der ihm gerade noch eine größere Tanne auf den Hänger reicht. „Zieh!“, erwidert der und bekommt nur ein „geht nicht“ zurück. Irgendwie schaffen sie es doch, für diese Tour noch alle Bäume aufzuladen. Alle sind sichtlich mit Spaß bei der Sache.

Nach der ersten Tour werden die Bäume abgeladen und später entsorgt. Für Carina Schierenbeck und die Jugendabteilung des Schützenvereins Fahrenhorst ist die Aktion damit allerdings noch nicht beendet. Im Ort warten noch mehr Bäume darauf, von ihnen abgeholt zu werden. Also geht es noch einmal auf zu Runde zwei.

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